Nicole Rensmann: Die Hobbijahns

Die HobbijahnsBei manchen Kindern befindet sich unter dem Bett nichts als Staub, vergessene Socken und altes Spielzeug. Außer beim Verstecken spielen hat diese Ecke des Zimmers keine Bedeutung. Doch bei Jasmin ist das anders: Zwischen den Staubflusen hausen winzig klein die Hobbijahns – für Menschen kaum sichtbare Wesen mit blauen Haaren und schillernden Händen und Füßen. Sie sind überaus friedlich, sodass Jasmin sich nicht vor ihnen fürchten muss, doch eines Tages geschieht etwas Furchtbares!

Durch die Hilferufe ihrer kleinen Freunde angelockt betritt Jasmin die Welt der Hobbijahns und muss dort erfahren, dass  der zweifelnde Hebbijahn den Zorn der mächtigen Zauberwesen erregt hat und daraufhin von ihnen verbannt wurde. Mit ihm ging auch das lebensnotwendige Wasser, sodass die Hobbijahns nun in großer Sorge sind. Nur ein Kind kann Hebbijahn aus dem Schwarzen Schloss befreien und so macht sich Jasmin notgedrungen auf den Weg, um dem wundersamen Volk zu helfen. Die Reise ist jedoch gefährlicher als das Mädchen dachte, sodass sie nicht nur treue Weggefährten findet, sondern auch mehr als einmal um ihr Leben bangen muss…

Nicole Rensmann ließ sich bezüglich der Hobbijahns von den imaginären Freunden ihrer Tochter inspirieren. Im Alter von drei Jahren begann das kleine Mädchen von Hobbijahn und Pebbijahn zu erzählen, die fortan einen Platz im Alltag der Familie einnahmen. Als Andenken an diese unsichtbaren Wesen schrieb Rensmann das vorliegende Kinderbuch und genau wie ihre Tochter besitzt auch die Autorin ein schönes Repertoire an Phantasie.

Gleichsam einer Mischung aus Alice im Wunderland, modernen Märchen und einer Fantasygeschichte für Kinder eröffnet sich dem Leser eine Welt, die verzaubern kann. Wenn man sucht, findet man sicherlich hier und da kleine Parallelen zu anderen Geschichten, doch mich hat das nicht im Geringsten gestört, da ich mich während des Lesens wunderbar fallenlassen konnte. Ich habe gestaunt und gekichert, wurde mehr als einmal überrascht und gegen Ende war ich sogar ein bisschen traurig.

Diese Momente sind nicht nur Rensmanns schönem und facettenreichem Schreibstil zu verdanken, sondern vor allem auch den Wesen, die sie innerhalb der Handlung zum Leben erweckt. Jasmin ist ein zurückhaltendes, liebes Mädchen, das auf der Reise großen Mut beweist und nicht müde wird zu kämpfen. Unterstützung bekommt sie dabei von Balduin, dem aufgeregten Falter, der ohne Punkt und Komma plappert und mich damit mehr als einmal zum Lachen gebracht hat. Außerdem gibt es da noch Gretchen, die allwissende Schnecke sowie Archibald, die Vegetarier-Spinne. Jede dieser amüsanten Figuren wird sehr detailverliebt beschrieben und zusammen bilden sie das perfekte Team.

Freundschaft ist eines der großen Themen der Geschichte. Mehr als einmal stellen Jasmin und ihre Freunde fest, dass sie vor allem gemeinsam stark sind und so helfen sie sich gegenseitig, die Abenteuer zu bestehen und spenden einander Trost, wenn sie traurig sind. Natürlich können sie sich gegenseitig auch ganz schön nerven, doch das ist für sie kein Grund, den anderen im Stich zu lassen.
Außerdem geht es unterschwellig um die Überwindung von Ängsten, um Durchhaltevermögen und den Umgang mit Abschieden.

Doch nicht nur die Thematik des Buches konnte mich überzeugen, sondern auch dessen Gestaltung. Kleine schwarz-weiße Illustrationen auf nahezu jeder Seite geben den Worten einen passenden Rahmen, wobei das tragende Element eines Kapitels zeichnerisch aufgegriffen wird. Zwar sind diese Zeichnungen recht schlicht und großflächig gehalten, doch ich finde den Gesamteindruck überaus ansprechend und stimmig.

„Die Hobbijahns“ ist ein Kinderbuch, das mir großen Spaß beschert hat. Nicole Rensmann hat auf nur 95 Seiten eine Welt erschaffen, die den Leser gefangen nimmt. Gleichsam spannend und lustig überzeugt die Handlung durch einen ausgefeilten Schreibstil und überraschende Wendungen. Vielleicht wurde das Ende ein wenig zu schnell abgehandelt, doch das tut dem Ganzen keinen Abbruch, da die liebevolle Gestaltung der Charaktere diesen kleinen Makel sehr gut ausgleichen kann.
Egal, ob man die Geschichte vor- oder selber liest, unterhaltsam ist sie auf jeden Fall, sodass ich „Die Hobbijahns“ gerne weiterempfehle.

Altersempfehlung: ab 5 bis 6 Jahren

Nicole Rensmann: Die Hobbijahns. Drachenmond Verlag 2010, 92 Seiten, 9,95 €.

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