Paul Bokowski: Hauptsache nichts mit Menschen

This guy’s a super freak!

bokowskiIch stelle mir vor, dass Paul Bokowski früher eines dieser Kinder war, die unfreiwillig komisch sind. Dass er damals schon eine nerdige Brille trug, sich dumme Polenwitze anhören musste und irgendwann aus der Not eine Tugend machte, indem er sein Leben der Satire verschrieb. Ich stelle mir außerdem vor, dass Paul Bokowski im alltäglichen Umgang ein eher grantiges Kerlchen mit einem feinen Sinn für Humor ist, das nur wenig von dem, was die Welt bietet, lustig findet. Nichts davon weiß ich, das sind nur Vermutungen. Sicher ist aber, dass Paul Bokowskis Buch Hauptsache nichts mit Menschen unfassbar komisch ist. Sehr intelligent ist sein Witz, herrlich böse seine Darstellungsweise und wunderbar raffiniert sind die vielen kleinen fiesen Pointen. Geschickt bringt er verschiedene Tabus rund um Sex, Kinderarbeit und Körperlichkeit zur Sprache, sodass der Leser seine Hemmungen überwinden und dem Schrecken ins Gesicht lachen kann. Was ja die Definition von Schwarzem Humor ist. Ein wildes Sammelsurium aus Dialogen, E-Mails, kurzen Alltagsbeobachtungen und amüsanten Notizen findet sich in diesem Buch, das mich wunderbar unterhalten hat. Ein besonderes Highlight ist die Schlager-Nackt-Party, grenzgenial das Evangelium nach Facebook, zum Schmunzeln die Skype- und Telefongespräche mit den Eltern. Den Berliner Bezirk Wedding, in dem Paul Bokowski wohnt, macht er immer wieder zum Thema und nimmt dabei dessen Bewohner, die hippen Berliner und sich selbst auf die Schippe. Zwar war ich erst zwei Mal in der deutschen Hauptstadt und kenne den Wedding nicht, aber Paul Bokowskis Schmäh ist städte- und staatenübergreifend. Und Berliner sollten das Buch sowieso lesen! Genau wie alle anderen. Für gewöhnlich bin ich mit Empfehlungen zurückhaltend, wenn jemand fragt: „Hast du was Lustiges zu lesen?“, weil ich der Annahme zustimme, dass das Witzverständnis sehr individuell ist und jeder eine andere Art von Humor hat. In diesem Fall verhält es sich aber anders. Denn wer dieses Buch nicht witzig findet, hat gar keinen Humor!

Durchgekaut und einverleibt. Von diesem Buch bleibt …
… fürs Auge:
nun, da wäre noch Luft nach oben gewesen.
… fürs Hirn: das Hirn wird ab und zu sogar benötigt, weil die Witze nicht gedankenlos sind. Oft darf man es aber auch getrost ausschalten und einfach nur lachen.
… fürs Herz: nicht allzu viel, denn wer Mitgefühl hat, kann niemanden mehr auslachen.
… fürs Gedächtnis: der Autor, von dem es im Satyr Verlag hoffentlich bald Nachschub gibt!

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Paul Bokowski: Hauptsache nichts mit Menschen. Satyr 2012, 160 Seiten, 11,90 €.

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