Unsere Empfehlungen für den Indiebookday

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Liebe Leser,
was sind wir aufgeregt! Am Samstag ist es wieder so weit: Der vom mairisch Verlag initiierte Indiebookday findet zum zweiten Mal statt, und alle Liebhaber des besonderen Buches sind aufgerufen, mitzufeiern. Wie das geht? Ganz einfach: Sucht den Buchhändler eures Vertrauens auf (gute Online-Alternative: ocelot.de), kauft ein oder am besten gleich mehrere Bücher aus Indie-Verlagen und postet ein Foto davon auf Facebook, Twitter & Co., damit auch andere auf die Aktion aufmerksam werden. So macht ihr nicht nur euch selbst glücklich, sondern auch die Buchhändler und vor allem die Verlage, deren fabelhafte Programme viele, viele Leser verdient haben. Als Inspiration haben wir gemeinsam mit unseren Gastrezensenten ein paar ausgewählte Titel für euch zusammengestellt. Viel Freude beim Stöbern, Shoppen und Lesen!

Bibliophilin empfiehlt: Ehre von Elif Shafak, Kein & Aber

BibliophilinIn meinen Augen ist Ehre perfekt, jede Seite besticht durch ihre Intensität. Elif Shafak fordert durch die nicht chronologisch erzählte Geschichte und die verschiedenen Perspektiven heraus. Die Autorin macht die großen Unterschiede zwischen den Kulturen sichtbar und beschreibt dabei berührende Schicksale.

Ich verehre Elif Shafak für ihre Beobachtungsgabe. Mit Sätzen scharf wie ein Messer shafak-ehreerzählt sie so spannend, dass man den Atem anhält. Sie weiß, wie sie den Leser gefangen nehmen und halten kann. Man will ihrer Erzählung lauschen, sich immer wieder in eine warme Decke einkuscheln, weil man beim Lesen aus Mitgefühl für die erschütternden und herzzerreißenden Schicksale fröstelt. Ehre ist kein Buch für Zwischendurch. Ehre verdient die ganze Aufmerksamkeit des Lesers. Daher gibt’s für dieses Buch meine uneingeschränkte Kauf- und Leseempfehlung!

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buzzaldrins Bücher empfiehlt: Das dritte Licht von Claire Keegan, Steidl Verlag

maraMit gerade einmal 100 Seiten ist Das dritte Licht ein schmales Büchlein. Ich habe es in die Hand genommen und erst wieder zur Seite gelegt, als ich die letzte Seite umgeblättert und das Buch zugeklappt habe. Erzählt wird die Geschichte eines namenlosen Mädchens, das unter schwierigen Bedingungen aufwächst und dann doch – zumindest für kurze Zeit – Glücksmomente kennenlernt und einen Ort findet, an dem sie unbeschwert leben kann. keegan_lichtClaire Keegan hat nicht nur einen berührenden Roman geschrieben, sondern ein kleines Kunstwerk geschaffen. Ein feinfühliges und poetisches Kunstwerk, in dem sich jedes Wort an der richtigen Stelle befindet und keines zu viel ist. Das einzige, was ich bei diesem Roman bedauere, ist, dass er nur 100 Seiten hat – ich hätte liebend gerne weiter den Erlebnissen und Gedanken diesen starken und bewundernswerten Mädchen gelauscht.

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Caterina empfiehlt: Schwimmen mit Elefanten von Yoko Ogawa, Liebeskind

caterinaTraumhaft-surreal und melancholisch-schön ist dieser Roman von Yoko Ogawa, er erzählt von der Tragödie des Erwachsenwerdens und von der Last der Andersartigkeit, die zugleich ein Geschenk ist. Wie Ogawa diese leicht verschobene, diese unwirkliche Wirklichkeit erschafft, in der Jungen aufhören zu wachsen und Elefanten hoch über der Stadt leben, das scheint typisch für die japanische Literatur zu sein, in der sich häufig Anklänge an den magischen Realismus finden lassen. Es ist eine Wirklichkeit, die voller Poesie ist, gleichzeitig jedoch etwas Beklemmendes hat. Ein Märchen, an dessen Ende nicht das Glück steht – oder nur eine traurige Form des Glücks, eine Art Erlösung.

Ogawas Sprache ist so zurückhaltend elegant wie das Schachspiel des Helden, die Geschichte so harmonisch wie die Begegnungen mit seinen Kontrahenten auf dem Brett: Keine Ecken und Yoko Ogawa - Schwimmen mit Elefanten (Liebeskind Verlag)Kanten hat sie, nichts, woran sich der Leser stoßen könnte, nur eine tiefe Wehmut, die ihn umhüllt. Alles fließt ruhig dahin, die Figuren sind wohlgeformt, aber in ihrer Entrücktheit nur schwer fassbar, wie Steine im Flussbett, die vom Wasser geglättet werden und entgleiten, wenn man nach ihnen greifen will. Schwimmen mit Elefanten ist ein leiser Roman, der den Leser verzaubert, ihm aber auch – wie alles Japanische – seltsam fern bleibt, undurchdringlich und voller Rätsel.

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Klappentexterin empfiehlt: Tobys Zimmer von Pat Barker, Dörlemann Verlag

klappentexterinTobys Zimmer von Pat Barker ist ein zutiefst eindringliches Werk, das vor dem Grauen des Krieges nicht zurückweicht und trotzdem in einer umwerfenden Schönheit erstrahlt. Das gelingt Pat Barker einerseits durch ihren glasklaren Schreibstil, der unglaublich detailtreu erzählt. Andererseits schafft sie wunderschöne poetische Bilder, die mich wie ein Mantel umarmen. Keine Seite ist zu viel, jeder Satz perlt zwischen den Augen seidenfein ab und eine Spannung durchzieht das Buch, der man einfach nicht entkommen kann. Pat Barker berichtet von den Folgen des Krieges und den schlimmsten Verletzungen, die es geben kann, wie die von Kit, der seine Nase verliert, barker-tobyszimmeroder die seelischen, die einen bis in die Träume verfolgen. Die vielfach preisgekrönte Autorin nimmt den Leser mit aufs Schlachtfeld, lässt einem die Angst aus den Poren laufen und vor Schreck schneller atmen. Man möchte wegschauen, doch es funktioniert nicht, weil in ihren Worten eine wunderschöne Faszination liegt. Bis zum Schluss weicht das Gefühl nicht von meiner Seite, ein ganz besonderes Werk der Weltliteratur in den Händen zu halten – derart geschliffen schön und vielfältig ist es.

Mariki empfiehlt: Die Ernte von Amy Hempel, luxbooks

IMG_4012_swDie Ernte ist ein Buch voller Kurzgeschichten, die nicht gefällig sein wollen, denen es, glaube ich, sogar ganz egal ist, ob sie gelesen werden und was die Welt von ihnen hält – so cool kommen sie daher. Sie sind rotzfrech, schräg, traurig, unerklärlich, originell und zutiefst verstörend. Gut geht es eigentlich niemandem in diesen Storys, und mir geht es beim Lesen auch nicht gut. hempel_umschlag_web.jpg 1362755132Das muss es allerdings auch nicht, denn schließlich will ich etwas spüren bei einem Buch, und hier spüre ich die gesamte Bandbreite der menschlichen Gefühle: Hass, Liebe, Schuld, Einsamkeit, Sehnsucht. Faszination und Verwirrung halten sich die Waage. Der Indie-Verlag luxbooks hat sich vorgenommen, alle zwei Jahre einen weiteren der vier Erzählbände dieser Autorin zu veröffentlichen. Ich kann nur sagen: hervorragende Idee! Und hervorragendes Buch.

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Sophie empfiehlt: Ein Samstag in Sydney von Gail Jones, Edition Nautilus

sophieGail Jones erzählt auf unnachahmliche und sprachlich präzise Weise vier Lebensgeschichten in einer einzigen. Voller Poesie und Bildhaftigkeit lässt sie nicht nur das heutige Sydney vor den Augen des Lesers Gestalt annehmen, sondern auch die Vergangenheiten der vier Protagonisten. Sie könnten inhaltlich oft kaum unterschiedlicher sein, doch eint sie alle das Nichtvergessenkönnen, das Rekapitulieren ferner Ereignisse, deren Arm noch immer in die Gail-Jones-Ein-Samstag-in-SydneyGegenwart reicht. Hier und da kreuzen sich die Wege der Protagonisten, mal flüchtig, mal ganz gewollt. Vergangenheit und Gegenwart überlagern sich in einem Potpourri aus Licht. Dieser Roman ist nicht nur atemberaubend schön, sprachlich wie inhaltlich, er steckt voller Bilder, Gerüche und Gedanken, die man festhalten, an die man sich seinerseits erinnern möchte, wenn dieser eine Samstag in Sydney vorbei ist. Eine ganz dringende Leseempfehlung!

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Svenja empfiehlt: Carambole von Jens Steiner, Dörlemann Verlag

DSC_1892_a Kopie_bCarambole ist ein besonderer, multiperspektivischer Roman, der in einem namenlosen Dorf seinen Schauplatz findet. Carambole ist der Name eines Brettspiels und nichts anderes ist der Roman: ein multiperspektivisches Spiel mit Identitäten, Beziehungen, dem Möglichen und Denkbaren.

Alle Figuren erscheinen auf ihre Weise seelisch beschädigt. Jens Steiner baut eine unheimliche Atmosphäre auf, in der die Figuren von SteinerCarambole-US-4.inddeinem starken inneren Druck belastet werden, der verzweifelt nach Erleichterung sucht. Carambole ist eine einzige böse Vorahnung, es ist ein kurz bevorstehender Ausbruch, es brodelt; die Figuren schwimmen in einem Topf voll kochendem Wasser und gleich – so spürt man als Leser – muss er überkochen. Heruntergeschlucktes, Verdrängtes und längst Vergessenes drängen nach oben, man wird als Leser in diesen unheilvollen Strudel hineingezogen und es gibt schlicht keine Alternative zum Weiterlesen.

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Anna Hilgenstöhler empfiehlt: Messer Sieben von Heinz Emmenegger, Salis Verlag

anna_hEmmenegger ist ein Handpuppenspieler von fast schon gruseliger Versiertheit: Er lässt seine Figuren marschieren, auf einem seidenen Faden, über einem unsichtbaren Abgrund, nicht höher als eine Teppichkante, und doch tief wie der Marianengraben. Er tut dies auf wunderbar pointierte Art, immer fein austariert zwischen analytischer Schärfe und wohldosierter Geschwätzigkeit. Stellenweise fast kafkaesk, wenn ein Traumbild nicht ganz aus Emmeneggerder Ratio verschwinden will.

Was für ein außergewöhnliches Vergnügen: So viele Eselsohren in den Seiten, weil man wieder zurückblättern und nochmal lesen möchte, weil man es wirklich richtig verstehen will, weil man es verstehen muss! Weil es so schöne und ganz und gar menschliche Worte sind, über eine so hässliche und unmenschliche Sache wie – ein Messer.

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Bücherliebhaberin empfiehlt: K. oder Die verschwundene Tochter von Bernado Kucinski, Transit Verlag

bücherliebhaberinSprach- und fassungslos ist man nach der Lektüre von „K. oder Die verschwundene Tochter“, dessen Geschichte exemplarisch für so viele andere Schicksalsfälle in ganz Lateinamerika steht. Das Brasilien zu Zeiten der Militärdiktatur (1964-1985) ist Rahmen der Handlung und Ausgangspunkt dieser zugleich.

kucinskiEs ist ein schmales Buch mit einer gewaltigen Geschichte, die an den Nerven zerrt und sich unwiederbringlich im Gedächtnis festsetzt. Kucinski findet Worte für Gefühle und Gedanken, die doch so unbeschreiblich angesichts der Verzweiflung sind. Er ist aber auch Sprachrohr für all die Opfer und deren Angehörigen, die mit den Jahren die schreckliche Gewissheit akzeptieren mussten.

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Flattersatz empfiehlt: Alles ist Jazz von Lili Grün, AvivA Verlag

flattersatzBerlin ist in den „Goldenen Zwanzigern“ für die, die Gold, zumindest aber Geld haben, eine Weltstadt voller Möglichkeiten. Die anderen aber, die kein Geld haben, leben im Schatten. So wie Elli, die mit ihren 21 Jahren aus Wien nach Berlin gekommen ist mit der Hoffnung, hier als Schauspielerin arbeiten und leben zu können. Doch es reicht kaum für eine Mahlzeit am Tag, und im Hintergrund lauert die Vermieterin ihres düsteren Zimmers, um ihr Monat für Monat die Miete abzuknöpfen. Elli ist nicht die einzige Künstlerin, die in dieser miesen Situation ist. Und so hängen sie stundenlang im Café herum und diskutieren und träumen … und dann hat Hullo einen Plan: Wir machen ein Kabarett auf und nennen es Jazz, denn „Jazz“ ist der wilde Rhythmus unserer Zeit. Oh, was stecken sie dort Arbeit und Energie hinein und sie haben Erfolg, aber es ist ein grün_jazzStrohfeuer …

Die Autorin Lili Grün verarbeitet in dem Roman Alles ist Jazz eigene Erfahrungen. Lili Grün, Jüdin aus Wien, wurde 1942 deportiert in einem Vernichtungslager ermordet. Ihre wenigen Werke werden vom Berliner AvivA Verlag neu herausgegeben, der damit das Verdienst hat, eine vergessene Schriftstellerin und Lyrikerin einem größeren Leserkreis wieder zugänglich zu machen.

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Frollein Wortstark empfiehlt: Das Licht der Flammen auf unseren Gesichtern von Dorian Steinhoff, mairisch Verlag

frolleinwortstarkIn kleinen Splittern aus Spiegelglas reflektiert Steinhoff das Leben seiner Generation. Das darf ich sagen, denn wir sind ein Alter. Da ist das Studenten-Pärchen, das frei ist und sich selbst verwirklicht – aber als sie schwanger wird, überkommt ihren Freund pure Panik. Vor der doch nicht so grenzenlosen Zukunft? Da ist der Tramper, der auf seinem Weg zum Mushroom Point plötzlich den nervigen Wegbegleiter Michi hat. steinhoffDer ertrinkt im Meer und es bleibt nicht mehr von ihm als sein iPod und eine Facebook-Seite mit Trauerflor, auf der Hunderte von Menschen ihr Beileid bekunden. Aber wer kennt den Menschen hinter der digitalen Fassade? Wer sind wir und wo verstecken wir uns hinter dem Bild „Generation X“? Steinhoffs Geschichten spiegeln die Zerbrechlichkeit von mühsam erbauter Wirklichkeit wider.

Masuko empfiehlt: junge verlierer von Emrah Serbes, binooki

masukoIn Emrah Serbes‘ Erzählband junge verlierer treffen wir Jungs aus Istanbul und Ankara, Teeanager, die einem unweigerlich ans Herz wachsen. Egal ob Erhan, Osman, Nurettin – sie alle verspüren eine ganz große Sehnsucht nach dem Erwachsenwerden, nach Respekt. Eine Sehnsucht danach, cool zu sein und mal ein serbesMädchen anzufassen oder sogar zu küssen.

Tragisch und komisch zugleich – doch immer voller Hoffnung und Optimismus, so sind die Erzählungen von Serbes, der als Jungstar der türkischen Litraturszene gilt. Ein ganz besonderes Buch aus dem binooki Verlag in Berlin Kreuzberg!

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***

Weitere Empfehlungen findet ihr in unserem Rezensionsarchiv, im Indie-Adventskalender 2013 sowie im Online-Shop des unabhängigen Buchladens ocelot, dem wir bekanntermaßen auch unsere Rezensionen zur Verfügung stellen. Und weil wir uns so sehr über diesen Tag freuen und auch euch, unseren Lesern, danken möchten, haben wir uns noch etwas ganz Besonderes ausgedacht. Was – das verraten wir euch am Samstag. Have a nice Indiebookday!

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14 Antworten auf “Unsere Empfehlungen für den Indiebookday”

  1. Ich hab meinen Buchdealer erst auf den Indiebookday aufmerksam machen müssen, ich hoffe, er hat es genutzt. Mir fehlt ein wenig der Aspekt der Sachbücher, etwa aus dem Argument Verlag. Mein Buch für Samstag: Reihe Adriane: Gramsci: Literatur und Kultur, Argument Verlag.

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    1. Seltsam eigentlich, dass die kleinen Buchhandlungen nicht von selbst drauf kommen, gerade sie müssten doch auf der Stelle Feuer und Flamme für eine derartige Aktion sein, geht es hier doch um das besondere Buch und engagierte Büchermenschen. Nun ja, umso schöner, wenn es Leser wie dich gibt, die die Aktion verbreiten!

      Und was das Sachbuch betrifft: Das ist bei uns zugegebenermaßen tatsächlich unterrepräsentiert, wie im Übrigen manch andere Sparten. Wir alle haben einen ganz klaren Fokus auf Gegenwartsliteratur, das ist vermutlich auch der Grund dafür, dass wir in dieser Form zusammengefunden haben. Manch eine von uns liest außerdem hin und wieder auch Kinderbücher, andere wiederum Krimis. Über Tipps, die über das, was wir selbst vorstellen, hinausgehen, sind wir daher sehr glücklich. Dankeschön!

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  2. Hat dies auf Klappentexterin rebloggt und kommentierte:

    Der Countdown läuft: Nur noch wenige Tage bis zum Indiebookday 2014. Als große Freundin der Indiebooks möchte ich euch, liebe Leserinnen und Leser, die wunderbaren Indiebookday-Empfehlungen vom Gemeinschaftsblog »We read Indie« nicht vorenthalten und lade euch herzlich ein. Ganz besonders freue ich mich über unsere Gäste in diesem Beitrag. Indiebooks inspirieren nicht nur, sie verbinden auch auf wunderbare Weise.

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