Haus der Kulturen der Welt präsentiert Shortlist für Internationalen Literaturpreis

Bernado Kucinski auf der Shortlist

Die Welt der Literaturpreise ist vielfältig und bunt – egal ob international oder national. Noch in diesem Monat wird es einen neuen Gewinner des Internationalen Literaturpreises – Haus der Kulturen der Welt geben. Genau genommen wird am 23. Juni einer der sechs Shortlistkanidaten sich über die Ehrung freuen können.

Seit 2009 wird der Preis vom Haus der Kulturen der Welt in Berlin und der Hamburger Stiftung Elementarteilchen vergeben und steht für das beste internationale Erzählwerk in deutscher Erstübersetzung. Zu den letzten Preisträgern gehören neben Michael Schischkin auch Teju Cole und Mircea Cărtărescu.

„Der Internationale Literaturpreis lenkt den Fokus auf herausragende zeitgenössische internationale Erzählstimmen, den Vielklang der Erzählpraktiken und die Vermittlungsarbeit des Übersetzens. Er gibt Impulse für überfällige Erweiterungen des „nationalen“ literarischen Kanons in einer Welt, in der Narrationen, Lektüren und Übertragungen zentrale Kulturtechniken sind, um multiple Realitäten zu erschließen.“

Seit letztem Jahr gibt es neben der Verleihung auch einen sommerlichen Leseparcours und die Lange Nacht der Shortlist. Ganz neu ist der wichtige Schritt ins Netz. Für das eigene ILP-Blog sind Studierenden verschiedener Literaturstudiengänge verantwortlich.

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„ILP on blog sondiert, kommentiert, erschließt und vertieft das Geschehen,die Themen rund um den Internationalen Literaturpreis – Haus der Kulturen der Welt. In multimedialen Formaten sucht er die Begegnung mit Texten & Übertragungen, lässt Autoren & Übersetzer und andere beteiligte Akteure zu Wort kommen, arbeitet im und am Archiv ebenso wie nah am aktuellen Preisjahrgeschehen. Er ist Resonanzraum, liest auf und nach, vermittelt Gedanken und Reflexionen, fragt & sieht nach und lädt ein zum Hören, Betrachten und Lesen.“

Dieses Jahr hatten sich mehr als 80 Verlage mit über 150 Titeln beworben. Die Autoren stammen aus 64 verschiedenen Ländern; deren Werke wurden aus 27 Sprachen übersetzt. Erstmals wurden auch E-Loks eingereicht und – besonders erfreulich – vor allem Neuerscheinungen aus unabhängigen und kleinen Verlage waren unter den Einsendungen.

07d33-bernadokucinski_oderdieverschwundenetochterBesonders gefreut habe ich mich über die Nominierung von Bernado Kucinski mit seinem Buch “K. oder Die verschwundene Tochter“; erschienen im Transit Verlag. Eine Geschichte, die mich sehr berührt hat und die ich nicht so schnell vergessen werde. Eine Bereicherung war für mich Anfang des Jahres auch die persönliche Begegnung mit dem Autor in Frankfurt als er auf seiner zweiten Lesereise durch Deutschland das Buch vorstellte.

Die gut besetzt ILP-Jury mit Egon Ammann (Verleger), Hans Christoph Buch (Autor/Journalist), Leila Chammaa (Islamwissenschaftlerin/Übersetzerin), Kersten Knipp (Literaturkritiker/Kulturjournalist), Sabine Peschel (Sinologin/Übersetzerin/Redakteurin), Jörg Plath (Literaturkritiker/Journalist) und Iris Radisch (Literaturkritikerin/Journalistin) ist ebenso überzeugt von Kucinskis literarischer Arbeit:

„Bernardo Kucinski hat einen ergreifenden Roman über den Schmerz geschrieben, die Verwandlung eines Vaters, der mit dem Verlust der Tochter nicht fertig wird. Die Tochter wird Anfang der 1970er Jahre von Schergen der brasilianischen Militärdiktatur entführt. Der Vater versucht vergeblich, sie zu finden. Über Jahre verändert ihn die Suche, lässt als einziges Lebensthema den Verlustschmerz zu. Sarita Brandt hat diesen eindringlichen Roman in ein nicht weniger eindringliches Deutsch übertragen.“

Folgende Werke, Autoren und Übersetzer sind 2014 für die Shortlist nominiert:

Zsófia Bán: Als nur die Tiere lebten
Suhrkamp Verlag 2014, aus dem Ungarischen von Terézia Mora
Amikor még csak az állatok éltek, Magvetö 2012

Georgi Gospodinov: Physik der Schwermut
Literaturverlag Droschl 2014, aus dem Bulgarischen von Alexander Sitzmann
Fizika na tagata, Janet 45 2012

Mohsin Hamid: So wirst du stinkreich im boomenden Asien
DuMont Buchverlag 2013, aus dem Englischen von Eike Schönfeld
How to Get Filthy Rich in Rising Asia, Riverhead Books 2013

Bernardo Kucinski: K. oder Die verschwundene Tochter
Transit Buchverlag 2013, aus dem Portugiesischen von Sarita Brandt
K., Expressão Popular 2012

Dany Laferrière: Das Rätsel der Rückkehr
Verlag das Wunderhorn 2013, aus dem Französischen von Beate Thill
L’énigme du retour, Éditions Grasset & Fasquelle 2009

Madeleine Thien: Flüchtige Seelen
Luchterhand Literaturverlag 2014, aus dem Englischen von Almuth Carstens
Dogs at the Perimeter, McClelland & Stewart 2011

Für alle Berliner der Hinweis: Am 3. Juli wird im Haus der Kulturen der Welt gefeiert. Im Rahmen der langen Nacht der Shortlist werden die Texte in Lesungen und Gesprächen vorgestellt und natürlich auch der Gewinner geehrt.

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