We talk Indie: Verlag Baobab Books

Eine besondere Freude ist es uns heute, einen Kinderbuchverlag vorzustellen. Im Gespräch mit Sonja Matheson vom Verlag Baobab Books aus Basel in der Schweiz (auf dem Foto v.l.n.r. Cyrilla Gadient, Sonja Matheson, Ina Remane).

Baobab_Team
© Baobab Books

* Wie ist es zur Gründung von Baobab Books gekommen?

Die Ursprünge des heutigen Verlags gehen in die 1970er-Jahre zurück. Zunächst waren es gesellschaftspolitische Fragestellungen, die erörtert wurden: Welches Bild von anderen Kulturen wird in der Kinderliteratur vermittelt? Daraus entstand die Empfehlungsliste für Kinder- und Jugendliteratur, die heute unter dem Namen Kolibri erscheint.
Anfang der 1990er-Jahre erschienen die ersten Bücher der «Reihe Baobab», damals aber noch nicht im eigenen Verlag. Der inhaltliche Anspruch ist bis heute unverändert: Die kulturelle Vielfalt unserer Welt mittels authentischer Stimmen erfahrbar zu machen – und dies nicht mit dem Zeigefinger, sondern mittels literarischer Qualität.
Nach wechselnden Verlagen hat sich der gemeinnützige Verein Baobab Books 2011 selbstständig gemacht und einen eigenen Verlag gegründet, das Buchprogramm wird von zahlreichen Aktivitäten im Bereich der interkulturellen Leseförderung unterstützt. Das markante Logo mit dem afrikanischen Baobab-Baum blieb in all den wechselvollen Jahren übrigens unverändert. 

* Welche Schwerpunkte setzt der Verlag? Was zeichnet ihn aus?

Unsere AutorInnen und IllustratorInnen kommen aus Afrika, Asien, Lateinamerika oder Ozeanien und ihre Werke erscheinen bei uns in deutscher Übersetzung. Wir bieten damit ungewohnte Einblicke in andere Welten und ermöglichen eine Begegnung zwischen den Kulturen. Regelmässig laden wir auch Autorinnen oder Illustratoren für eine Lesereise ein, so dass es zu einem ganz direkten Austausch kommt.
Bewusst halten wir unser Programm mit jährlich 3 bis 4 Neuerscheinungen schmal, aber wir arbeiten stets intensiv und über einen langen Zeitraum mit unseren Titeln. Das Resultat: Die Backlist ist bei uns ebenso wichtig wie die Neuerscheinungen.
Wir legen zudem Wert auf schöne Ausstattung nach Nachhaltigkeit. Wir drucken in Deutschland und wählen nach Möglichkeit zertifizierte Materialien aus. Das hat seinen Preis … aber es gehört zu unseren Grundsätzen.

* Welchen Herausforderungen mussten Sie sich anfangs stellen? Sind es dieselben wie heute?

Als Kleinstverlag mit ungewöhnlichem Profil trafen wir zunächst rundum auf Skepsis: Die Vertriebsstrukturen nach unseren Vorstellungen aufzubauen, dauerte mehrere Jahre, da wir vielerorts zunächst vor verschlossenen Türen standen. Auch der Buchhandel hat uns, trotz grosser Bemühungen, in den ersten 1-2 Jahren kaum wahr genommen.
Das hat sich aber schnell gewandelt, unter anderem dank einer Nominierung für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2013 und weiteren Auszeichnungen sowie einer Vertriebskooperation mit drei unabhängigen Verlagen.
Wir sind in wenigen Jahren sehr weit gekommen. Allerdings ist die Luft für ein solches Kleinunternehmen auf Non-Profit-Basis schon sehr dünn. Wir sind zu dritt und teilen uns zwei Vollstellen. Das heisst im Klartext: Tägliches Improvisieren, Jonglieren und Balancieren. Als in der Schweiz ansässiger Verlag fällt der Franken-Euro-Wechselkurs zusätzlich ins Gewicht, beziehungsweise ins Ungleichgewicht.

* Was schätzen Sie an der unabhängigen Kleinverlagswelt?

Die Freiheit, Entscheidungen schnell fällen zu können. Beweglich zu sein und nur jene Bücher zu machen, die auch Herzensangelegenheiten sind. Und mit so vielen Menschen in Kontakt zu sein, die ebenso etwas bewirken möchten in dieser Welt – und in diesen turbulenten Zeiten.

* Welche Entwicklungen auf dem Buchmarkt / im Literaturbetrieb beschäftigen Sie zurzeit besonders stark?

Der Aufschwung der kleinen, unabhängigen Buchhandlungen in deutschen Städten sowie die zunehmenden Literarturblogs, die mit viel Engagement und Sachkenntnis geführt werden!
Bezogen auf das Kinderbuch bedaure ich die stets zunehmende Menge an Neuerscheinungen, welche sich immer ähnlicher werden und nur noch selten literarische Wagnisse eingehen, sowie die abnehmende Rezeption der Kinderliteratur in den Leitmedien.
Im Weiteren erachte ich – die nicht selten vehemente – Abgrenzung des Literaturbetriebs von der Kinderliteratur als einen kapitalen Denkfehler. Nicht nur, weil gute Kinderliteratur kein (Lese-)Alter kennt, sondern auch, weil die Liebe zum Buch in aller Regel mittels guter (Kinder-)Literatur entfacht wird.

* Möchten Sie ein ganz persönliches Lieblingsbuch empfehlen? Gern aus einem unabhängigen Verlag.

Auf meinem Nachttisch liegt seit einer Weile das wunderschöne Büchlein “Eulen” aus dem Verlag Matthes & Seitz. Klug konzipiert, schön gemacht, fein geschrieben (unverkennbar britisch im besten Sinne…). Passt besonders gut für nächtliche Stunden, wenn draußen alles so still ist, dass man meint, den Flügelschlag der Eulenvögel hören zu können …

http://www.matthes-seitz-berlin.de/buch/eulen.html

Liebe Frau Matheson, wir danken ganz herzlich für dieses wundervolle Gespräch und wünschen viel Erfolg bei der weiteren Arbeit!

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2 Antworten auf “We talk Indie: Verlag Baobab Books”

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