We talk Indie: Im Gespräch mit dem Verlag von Wegen

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Vor ein paar Tagen habe ich an dieser Stelle das Buch About My Shelf vorgestellt, in dem zwanzig MusikerInnen und SchriftstellerInnen ihre Bücher- und Plattenregale herzeigen. Herausgegeben wurde es von Maggie Gernatowski, die dafür eigens einen Verlag gegründet hat: den Verlag von Wegen mit Sitz in Köln. Hier erzählt sie, wie es dazu gekommen ist, was sie mit der Indie-Szene verbindet und welche Pläne sie für die Zukunft hat.

Alexandra Reichart
Alexandra Reichart

Anstelle einer Vita: Wer bist du, was machst du und was hast du mit Literatur zu tun?

Ich bin Maggie, arbeite als Reiseredakteurin und habe letztes Jahr den Verlag von Wegen gegründet, in dem das Buch About My Shelf erschienen ist.

Wie ist es zur Gründung des Verlages gekommen?

Die Idee eines eigenen Verlags schwirrte schon seit mehreren Jahren in meinem Kopf herum, aber erst, als ich die Idee zu About My Shelf bekam und von dem Konzept wirklich überzeugt war, stand für mich fest, dass das Projekt die Geburtsstunde für den Verlag sein würde. Und es war mir von Anfang an klar, dass ich ganz nach dem D.I.Y.-Prinzip den größten Teil der anfallenden Arbeit selbst bewältigen bzw. mit Freunden und Freunden von Freunden zusammenarbeiten wollte. Es sollte eben ein Herzensprojekt werden und nicht etwas, das ich an jemand anderen abgebe und an dessen Produktionsprozess ich gar nicht beteiligt bin.

Wie hast du dir das Handwerk des Verlegens angeeignet? Welchen Herausforderungen musstest (und musst) du dich stellen?

Da ich nach dem Studium fünf Jahre lang ein Stadtmagazin herausgebracht habe, waren mir Konzeption, Redaktion und Vertrieb eines Printmediums zumindest nicht ganz fremd. Aber ein Buch herauszubringen, ist schon etwas anderes. Ganz ehrlich: Ich habe die Gedanken, wie ich das alles mache, erst mal ganz weit nach hinten geschoben, sonst hätte mich die Muffe vor dem großen Ganzen noch davon abgehalten, überhaupt anzufangen.

Also habe ich mir gesagt: Fang einfach an, Schritt für Schritt, alles andere gibt sich schon von selbst. Also habe ich damit begonnen, die Künstlerinnen und Künstler anzuschreiben und sie für die Teilnahme an dem Buchprojekt zu begeistern. Parallel dazu wurden Name und Logo für den Verlag entwickelt, Fotografinnen und Fotografen aus dem Bekanntenkreis angefragt usw.

Herausforderungen gab es viele: Zum Beispiel artete es häufig in einem ewig langen E-Mail-Verkehr aus, bis man mal einen geeigneten Fototermin für die Bilder hatte. Auch die Interview-Fragebögen gingen teilweise zigmal hin und her, weil ich noch Ergänzungen brauchte. Das Layout stellte natürlich auch eine große Herausforderung dar, aber da hat der liebe Tobi Bergmann zum Glück bis zur Perfektion dran gefeilt.

Am wenigsten vorbereitet war ich aber auf das, was nach der Veröffentlichung kam: Begriffe wie VLB, Partie, Remission, mit denen die Buchhandelsmenschen, mit denen ich auf einmal Kontakt hatte, um sich schmissen, waren mir bis dahin eher fremd. Aber auch das hat sich dann Stück für Stück irgendwie ergeben – auch dank der Tipps einer guten Freundin, die eine Buchhandelsausbildung hat und seit Jahren für Verlage und Buchläden arbeitet.

Letztlich bin ich aber froh, dass ich ganz naiv und mit einer »Einfach machen«-Attitüde an das Projekt herangegangen bin, da mir so die Dimensionen des Ganzen nicht bewusst waren und ich einfach von einem kleinen Stein auf den größeren gehüpft bin, ohne den riesigen Berg ständig ehrfürchtig anzustarren.

Wie ist die Resonanz auf dein Projekt? Bist du zufrieden?

Sehr positiv und das freut mich auch sehr, sehr, sehr. Ich glaube, die Leute merken, dass das Buch mit Liebe gemacht wurde und nicht aus Profitzwecken, und sind zum Glück auch genauso begeistert von der Idee, wie ich es immer noch bin. Ich habe sogar Mails erhalten, in denen Leute mir schrieben, dass sie das Buch toll finden. So etwas erwartet man gar nicht und macht einen umso glücklicher. Auch, weil es mir das Gefühl gibt, dass der Verlag so persönlich geblieben ist, wie ich es mir eben von Anfang an gewünscht habe.

Übrigens habe ich lustigerweise besonders viel positive Rückmeldung aus der Schweiz erhalten, sogar einen längeren Beitrag im Schweizer Radio, woraufhin viele Bestellungen aus der Schweiz reinkamen. Keine Ahnung, warum, aber ich freue mich. 😉

Wie wird es weitergehen mit dem Verlag von Wegen? Wird es andere Bücher geben? Und falls ja, welche Schwerpunkte werden gesetzt?

Ich habe schon eine ganze Liste an Ideen für neue Buchprojekte, u. a. ein illustriertes Buch zu einem meiner Lieblingssongs. Was als Nächstes kommt und wann, wird mir mein Bauchgefühl irgendwann sagen. Auf jeden Fall möchte ich den Schwerpunkt Popkultur beibehalten. Aber auch schön illustrierte Kinderbücher und Spiele, Kassetten und Papierobjekte kann ich mir gut vorstellen.

Setzt du dich mit dem Buchmarkt, dem Literaturbetrieb, der unabhängigen Kleinverlagsszene auseinander? Welche Entwicklungen beschäftigen dich?

Ja, zur Zeit komme ich zwar gefühlt zu gar nichts, nicht einmal dazu, in Ruhe ein paar Seiten in einem Buch zu lesen, aber ich versuche dennoch, den Überblick zu behalten darüber, welche tollen Projekte in welchem Independent Verlag gerade aktuell sind. Auch die Independent-Magazin-Szene interessiert mich sehr und ich habe das Gefühl, dass sich auf dem Markt viel tut. Ich wünschte, es gäbe eine große internationale Independent-Publishing-Messe, wo dem Ganzen einfach mal Raum für Aufmerksamkeit und Austausch geboten wird. Aber der Indiebookday ist ja schon mal ein guter Anfang. Ich bin gespannt, was sich sonst noch alles in der Szene tun wird.

Welche anderen Indie-Verlage inspirieren dich?

Auf jeden Fall der mairisch Verlag. Ich weiß noch, als ich vor vielen Jahren zum ersten Mal von ihm gehört habe, da hatte eine gute Freundin von mir noch dort im Lektorat gearbeitet und die Gründungsmitglieder haben den Verlag neben ihren Jobs geschmissen. Heute ist es DER Independent-Verlag Deutschlands schlechthin, das Programm ist gleichbleibend toll und noch dazu stellt das Team so coole Projekte wie einen eigenen Buch- und-Plattenladen und eben den Indiebookday auf die Beine. Bewundernswert!

Den Metrolit Verlag finde ich auch ganz großartig! Leider hat der sein Programm ja mittlerweile eingestellt, was ich sehr, sehr schade finde. Und mein liebster Indie-Verlag aus dem Ausland ist Nobrow, weil der supertolle illustrierte Bücher für Kinder und Erwachsene herausbringt.

Besten Dank, liebe Maggie, für das Gespräch und weiterhin alles Gute und viel Erfolg!

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