Im Gespräch mit ebersbach & simon

Zu Beginn dieser Woche habe ich euch »Die Clique« von Mary McCarthy vorgestellt. Heute nun folgen die beiden Verlegerinnen, die den modernen Klassiker der Frauenliteratur publiziert haben: Brigitte Ebersbach und Sascha Nicoletta Simon. Die Verlegerinnen erzählen davon, wie sich die Edition Ebersbach in ebersbach & simon verwandelt hat und was sie so alles erlebt haben.

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© Axel Gehrke

Wie ist es zur Gründung von Edition Ebersbach gekommen?

Brigitte Ebersbach: Die edition ebersbach hat sich 1990 aus dem Schweizer Verlag eFeF-Verlag – ebenfalls mit einem Frauenschwerpunkt –, den ich mit 5 Frauen 1988 in der Schweiz gegründet hatte, herausentwickelt, um ein Programm für den deutschen Markt auf die Beine zu stellen.

Welchen Herausforderungen mussten Sie sich anfangs stellen? Sind es dieselben wie heute?

Brigitte Ebersbach: Anfang der 1990er Jahre standen weder die Verlage noch die Buchhandlungen unter dem riesigen Druck, unter dem sie heute stehen. Buchhändler haben sich auf den Vertreterreisen noch bevorratet und haben ein breites Sortiment aus vielen Verlagen angeboten. Damals gab es für unsere Buchhandelskunden noch nicht die Konkurrenz der Großbuchhandlungen – Thalia hatte 1997 gerade einmal 12 Filialen, in Hamburg wohlbemerkt – und auch nicht die Konkurrenz von Online-Portalen wie Amazon. Paradiesische Zeiten, in denen ich kontinuierlich in Ruhe – ja, im Vergleich zu heute in Ruhe und dennoch eine Herausforderung – die Marke edition ebersbach aufbauen konnte, von anfangs 2 Titeln pro Saison bis zu 18 Titeln in den letzten Jahren.

Seit einiger Zeit nennen Sie sich ebersbach & simon. Was führte zur Namensänderung?

Sascha Nicoletta Simon: Ich habe zum Januar 2015 die Nachfolge von Brigitte Ebersbach angetreten und den Verlag übernommen, sie ist als Seniorverlegerin weiterhin mit an Bord. Seither haben wir u.a. eine vertriebliche Neuausrichtung des Verlages vorgenommen und eine Erweiterung bzw. behutsame Verjüngung des Programms sowie einen Relaunch unseres Kalenderprogramms. In diesem Sinne signalisiert die Namensänderung einerseits Kontinuität, andererseits aber auch Neuanfang und Wandel.

Ich habe kürzlich mit großer Begeisterung »Die Clique« von Mary McCarthy gelesen und dachte bei der Lektüre: Das ist ein typisches Buch für das Haus ebersbach & simon. Außergewöhnliche Frauencharaktere, niveauvolle Literatur und wunderschön gestaltet. Komme ich Ihrem Verlagsprofil da schon sehr nah? Welche Schwerpunkte setzt der Verlag und was zeichnet ihn aus?

Sascha Nicoletta Simon: Ja, absolut. Die Clique von Mary McCarthy ist gleichsam ein Paradetitel für unser Programm, das für liebevoll gestaltete Bücher mit anspruchsvollen Inhalten steht und dessen Schwerpunkt seit 26 Jahren auf der Literatur von und über außergewöhnliche Frauen liegt. Wir legen großen Wert auf Qualität, in jeder Hinsicht – in Text, Gestaltung, Ausstattung und Druck unserer Titel. Die gesamte Produktion wird in Deutschland gedruckt. Jährlich entstehen knapp zwanzig Titel aus den Bereichen Belletristik, Sachbuch, Geschenkbuch und literarische Kalender.

Was schätzen Sie an der unabhängigen Kleinverlagswelt?

Sascha Nicoletta Simon: Ihre Flexibilität, ihre Freiheit und die Möglichkeit, Titel jenseits von Mainstream und Marketingüberlegungen zu verlegen. Die Kleinverlage sind ein wesentlicher Garant für den Erhalt der literarischen Vielfalt unserer Branche, wie sie u.a. von der Kurt-Wolff-Stiftung aktiv gefördert wird, deren Mitglied wir sind.

Welche Entwicklungen auf dem Buchmarkt / im Literaturbetrieb beschäftigen Sie zurzeit besonders stark?

Sascha Nicoletta Simon: Die Digitalisierung und die zunehmende Marktmacht der Online-Portale, allen voran amazon, die die Existenz des klassischen unabhängigen Buchhandels bedrohen. Wobei positiv zu vermerken ist, dass der klassische Buchhandel insbesondere in den Großstädten zuletzt wieder etwas an Boden gewinnen konnte, weil immer mehr Kunden die Beratungskompetenz engagierter Buchhändler vor Ort schätzen und erhalten möchten. Auch das Bewusstsein einer breiteren Öffentlichkeit dafür, dass die Vielfalt der kleinen inhabergeführten Geschäfte zu einer lebendigen Kultur in unseren Innenstädten beiträgt, und es zudem um den Erhalt vieler Arbeitsplätze geht, ist in den letzten Jahren erfreulicherweise gewachsen. Wir unterstützen als Förderpartner übrigens die Initiative buy local.

Möchten Sie ein ganz persönliches Lieblingsbuch empfehlen? Gern aus einem unabhängigen Verlag.

Sascha Nicoletta Simon: »Die Ballade vom Wunderkind Carson McCullers« von Barbara Landes: Ein einfühlsamer Entwicklungs- und Künstlerroman zum 100. Geburtstag von Carson McCullers.

We read Indie dankt den beiden Verlegerinnen für das schöne Interview. Wir wünschen ihnen weiterhin alles Gute und viel Erfolg!

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2 Antworten auf “Im Gespräch mit ebersbach & simon”

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