Indiebooks – 10 Lieblinge von Jochen

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Unterstützen Sie uns, unterstützen Sie die Autorinnen und Autoren, indem Sie Bücher von unabhängigen Verlagen kaufen – und lesen.

So schließt eine Erklärung der Kurt Wolff Stiftung zum BGH-Urteil in Sachen VG-Wort. Worum geht es? Nun, kurz gesagt:  Die VG-Wort hat als Verwertungsgesellschaft in der Vergangenheit nicht nur an Autoren, also die Urheber, Gelder ausgeschüttet, sondern auch an Verlage. Das war nicht korrekt. Die Verlage müssen diese Gelder nun zurückzahlen. Das Urteil ist juristisch wasserdicht, aber bringt viele Verlage in finanzielle Schieflage, weil entsprechende Rücklagen fehlen.

Mehr denn je gilt nun das Motto: #wereadindie. Unter diesem Hashtag können und sollen Empfehlungen von Lieblingsbüchern aus kleinen Verlagen untermauert werden. Aus unserem Blog-Team hat Sophie  mit 10 Lieblingstiteln den Anfang gemacht,  Caterina hat den Stab übernommen und weitergereicht. Nun stelle ich zehn Bücher aus zehn unabhängigen Verlagen vor, die mir besonders am Herzen liegen und die belegen, wie vielfältig und reich das Angebot der Indies ist. 

(Die Links hinter den Titeln führen zu den Besprechungen auf lustauflesen.de)

Heđin Brú: Vater und Sohn unterwegs. Ein Roman so karg und einfach wie sein Schauplatz die Färöerinseln. Vom Fluch des Grindwals und dem Fluch der anbrechenden neuen Zeiten, in der alte Traditionen und alte Werte nichts mehr wert sind. Archaisch und packend verhandelt Heđin Brú (1901-1987) Generations- und Gesellschaftskonflikte. (Guggolz Verlag)

Joshua Cohen: Solo für Schneidermann. Ein Stargeiger legt mitten im Konzert sein Instrument nieder und erzählt die Lebensgeschichte seines Freundes und Komponisten Schneidermann. Mit dieser wahnwitzigen Tour de Force durch ein Jahrhundert Musik- und Kulturgeschichte debütierte Joshua Cohen 2007. Ein grandios komponiertes und urkomisches Feuerwerk der Sprache. Kadenz und Kaddish zugleich. (Schöffling & Co.)

Friedrich Forssman: Wie ich Bücher gestalte. Warum finden wir einige Bücher »schön und gut lesbar« und andere nicht? Der renommierte Buchgestalter und Typograph Friedrich Forssman gewährt Einblicke in seine Werkstatt. Ein Muss für Liebhaber des »Schönen Buches«. Wer dieses instruktive und reich bebilderte Arbeitsjournal gelesen hat, wird Bücher künftig anders betrachten. Nämlich sachkundiger. (Wallstein Verlag)

Shūsaku Endō: Schweigen. Vor dem Hintergrund der Christenverfolgung im Japan des 17. Jahrhunderts erzählt Endō vom Antlitz der Liebe und der Krise des Glaubens. Ein ruhiges, beinahe meditatives Buch, das vom Wert und Bestand der Spiritualität in einer konkreten, physischen Welt handelt. Demnächst im Kino, verfilmt von Martin Scorsese. (Septime Verlag)

Philip Krömer: Ymir. Nazis, Esoterik, nordische Mythen, die Hohlwelttheorie und Wagners »Tristan und Isolde«. Diese Geschichte einer Expedition ins Innere der Erde ist ironische Parodie klassischer Abenteuerromane wie postmoderne Variante derselben. Meisterhaft durchgeknallt und niemals langweilig. (Homunculus Verlag)

Antonio Ortuño: Die Verbrannten. Für Flüchtlinge und Migranten ist Mexiko die Hölle. In einer Mischung aus Sozialreportage und Thriller deckt Ortuño alltäglichen Rassismus, Hass, Gewalt und Korruption auf. Ein beklemmender und brutaler Roman mit einem Ende, wie es sich Quentin Tarrantino nicht blutiger hätte ausdenken können. (Verlag Antje Kunstmann)

Peter Verhelst: Eine handvoll Sekunden. (Ausführliche Besprechung demnächst) Ein schwerer Autounfall ist der Auslöser. In einer handvoll Geschichten geht Verhelst auf die Suche nach verlorenen Sekunden. Können Sprache und Poesie Traumata heilen und Welt rekonstruieren? Selbst beim sorgfältigsten Versuch, alles wieder an seinen Platz zu bringen, bleibt am Ende ein Schaden, bleiben Leerstellen und Schatten. (Secession Verlag)

Frank Witzel: Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch depressiven Teenager im Sommer 1969. Als aus Pop Politik wurde. In einem aberwitzigen Mix aus Stilen und Genres entwirft Frank Witzel ein disparates Gesellschaftsporträt der Bundesrepublik Deutschland. Ein Puzzle aus Erfindung, Aneignung und Entwendung, das letztlich scharfe Abbilder verweigert und die Konventionen des Romans aus den Angeln hebt. (Verlag Matthes & Seitz Berlin)

Joachim Kalka: Der Mond. Schmaler Umfang, großer Inhalt. In seinem klugen und poetischen Essay verfolgt und beobachtet Kalka das wandelbare Antlitz des Mondes in der Literatur. Unseren vertrauten Nachbarn im All taucht der Autor in sanftes Licht, auf dass wir erkennen, welches Geheimnis da über uns schwebt. (Berenberg Verlag)

Carl Nixon: Lucky Newman. Von der Liebe einer Krankenschwester zu einem Kriegsheimkehrer, der sein Gedächtnis verloren hat. Luftig, leicht und einfühlsam, aber frei von jeglichem Kitsch reflektiert der Neuseeländer Carl Nixon in diesem Roman die Kraft des Erzählens und des sich Erinnerns. Sehr lesenswert, wie überhaupt alles, was Nixon geschrieben hat. (Weidle Verlag)

Ich würde mich freuen, wenn auch ihr unter dem Hashtag #wereadindie zu euren Erfahrungen mit kleinen Verlagen und ihren Büchern bloggt. Welche haben euch besonders begeistert und warum? Was macht die Indies aus? Empfehlt, was das Zeug hält auf möglichst vielen Kanälen und macht auf die Situation aufmerksam!

Diesem Appell, mit dem Sophie ihren Beitrag beendete, schließe ich mich gerne an. Schreibt, empfiehlt und postet. Unterstützt die kleinen, unabhängigen Verlage.

(Dieser Beitrag ist zuerst bei lustauflesen.de erschienen.)

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