We talk Indie: Björn Bedey über Shakespears Enkel (Buchladen in Dresden)

Björn Bedey (Acabus Verlag, Shakespeares Enkel)

Ich habe mich mit Björn Bedey (acabus Verlag und Inhaber der Bedey Media AG) per Email in Verbindung gesetzt, um ihm zu dem seit August 2018 in Dresden bestehenden Buchladen „Shakespeares Enkel“ ein paar Fragen zu stellen. Doch was ist das besondere an diesem Buchladen? Ich will nicht zu viel von dem Interview vorweg nehmen, aber soviel verraten, dass es ein Buchladen ist, der von Verlegern unabhängiger Verlage (vornehmlich aus der Dresdner Region) betrieben wird und die sich auch selber in den Laden stellen und ihre Bücher verkaufen. Doch darüber soll euch Björn etwas detaillierter Auskunft erteilen. Ich selber habe es bisher erst einmal dahin geschafft und kann sagen, wie da auf engstem Raum die unterschiedlichste Literatur präsentiert und ins rechte Licht gerückt wird, ist eine wahrer Augengenuss für Buchliebhaber. Ich kann nur jedem empfehlen, wer mal in Dresden zu Besuch ist, in diesem Laden vorbeizuschauen. Und nun, Bühne frei für Björn Bedey und das Interview, welches ich mit ihm für We read Indie geführt habe.

We Read Indie:
Als Eingangsfrage an Dich: Kannst du bitte den Laden, das Konzept dahinter und die Betreiber kurz für unsere Leser vorstellen?

Shakespeares Enkel - Laden Innenansicht 2

Shakespeares Enkel:
Der Laden ist ein kuscheliges Wohnzimmer in dem viele Bücher von besonderen unabhängigen Verlagen stehen. Hier gibt es alles aus der Belletristik, viele Kinderbücher und auch Ratgeber. Betrieben wird der Buchladen von den Verlagen selber – das ist das Besondere. Über 40 Verlage aus der ganzen Republik präsentieren hier ihre Bücher und stehen auch oft persönlich im Laden. Zahlreiche Lesungen und andere Veranstaltungen im Laden runden das Konzept ab.
In unserem Laden kann man in Büchern stöbern die es sonst nur sehr selten in Buchhandlungen zu sehen gibt weil die Verlage nicht zu den Konzernverlagsgruppen gehören und entsprechend auch nicht in den großen Buchhandelsketten angeboten werden. Gerne bestellen wir aber auch alle anderen Bücher für unsere Kunden auf Nachfrage.
Wer also etwas individuelles lesen möchte, abseits der Buchindustrie, ist bei uns richtig!

WRI:
Seit ich meinen eigenen Blog („Lesen macht glücklich“) betreibe, beschäftige ich mich immer intensiver mit dem Thema Verlagen und dazu gehört auch die Landschaft der Unabhängigen, sprich kleinen Verlage, was mich aktuell zu dem Blog „We read Indie“ gebracht hat.
Das die Zeiten schwer sind, Buchhandlungen schließen müssen und das Geschäft allgemein nicht so gut läuft, ist hinlänglich bekannt. Wie kam es dann dazu in genau dieser Zeit einen Buchladen zu eröffnen, der dazu noch das Konzept verfolgt, Bücher aus unabhängigen Verlagen anzubieten?

Logo Shakespeares Enkel

SE:
Katharina Salomo von Salomo Publishing hatte kurzfristig die Möglichkeit, ein bezahlbares Ladenlokal anzumieten. Den Wunsch, die eigenen Titel im Sortiment zu sehen, haben alle Verlage – nur leider funktioniert das bei uns kleineren unabhängigen nur mäßig gut. Daher ist es naheliegend, selber eine Buchhandlung zu eröffnen, in der man unseren Titeln auch eine Chance gibt. Aufgrund der guten Vernetzung haben sich dann auch mit Nadine Reuter (Lysandra Verlag), Holger Kliemannel (Edition Roter Drache) und mir, Björn Bedey (acabus Verlag), vier Verlage zusammengefunden, die das Projekt erst einmal tragen und verantworten.

WRI:
Mir ist erst durch die Eröffnung von Shakespears Enkel bewusst geworden, wie vielfältig die Indie- Verlagslandschaft in und um Dresden ist. Spontan fallen mir der Mirabillis Verlag und Voland&Quist ein. Doch ich frage mich immer noch, wie eure Wahl auf Dresden als Standort gefallen ist? Hattet ihr auch andere Städte im Blick für die Ersteröffnung?

SE:
Ja – aber es musste das Ladenlokal und die Betreuung vor Ort passen. Mit Katharina Salomo haben wir eine wirklich tatkräftige Kollegin vor Ort die zudem auch sehr gut in Dresden vernetzt ist und so auch zahlreiche weitere regionale Verlage aktivieren konnte.

WRI:
Wie viel Arbeit steckte in den Vorbereitungen zu eurem Konzept? Welche Ideen sind letztendlich umgesetzt worden und welche habt ihr gleich wieder verworfen?

SE:
Wir haben schon einige Stunden am Telefon verbracht und diskutiert. Nach unserer Vorstellung soll die Buchhandlung ja nicht Geld verdienen, sondern nur wirtschaftlich – also kostendeckend – arbeiten können. Es geht uns darum, einen physischen Vertriebsort für unsere Bücher ins Leben zu rufen – als Gegenentwurf zu den großen Buchhandelsketten wie Thalia, Hugendubel & Co. Wir möchten unseren Kunden eine andere Buchkultur anbieten und sehen uns nicht als Konkurrenz zum klassischen Sortimenter. Diesen Gemeinschaftsgedanken hätten wir gerne auch nach außen in Form einer Genossenschaft dokumentiert. Aufgrund der hohen Gründungs- und Jahresabschlusskosten mussten wir diese Umsetzung leider erst einmal in die Zukunft vertragen. Ich hoffe, dass wir – wenn wir 3-5 Läden haben – dieses dann auch umsetzen können.
Ein kontroverser Punkt bei uns war die Frage, inwieweit wir unseren Kunden ein Vollsortiment bieten wollen, d.h. allen Kunden die Möglichkeit anzubieten, auch alle Bücher bei uns zu bestellen – auch die Spiegel-Bestseller. Wir haben uns dann am Ende einvernehmlich dafür entschieden, unseren Kunden diesen Service anzubieten.

WRI:
Das mit dem Vollsortiment ist dann ja doch ein Nachfrageproblem und wenn die Kunden wissen, dass sie bei euch alles bekommen, werden sie auch eher auf die kleineren Verlage aufmerksam. Zum Weihnachtsgeschäft 2018 hattet ihr in Meißen (übrigens meine Heimatstadt) eine kleine, aber nur kurzfristig geplante Zweigstelle im Schreibwarengeschäft Brück&Sohn geöffnet. Mittlerweile, so hatte ich es zumindest auf eurer Facebookseite gelesen, plant ihr, aus dieser kurzfristigen Angelegenheit eine dauerhafte zu machen. In wieweit seid ihr gewillt das noch weiter auszubauen? Gibt es da schon konkrete Pläne und Partner, euer Konzept mit anderen Verlagen in anderen Städten anzubieten?

SE:
Ja. In Berlin und Frankfurt wird aktiv geschaut und in Wien zeichnet sich ebenfalls ein Projekt ab. Meißen wird voraussichtlich ab April wieder öffnen. Das Ziel von Shakespeares Enkel ist ein bundesweites Vertriebsnetz von Buchhandlungen die dann von den regional ansässigen Verlagen mit ihren Titeln betrieben werden – flankiert von Titeln anderer Verlage die aus ganz anderen Regionen kommen. Der Bedarf an solchen Buchhandlungen ist definitiv da – leider ist es schwierig solche „anderen“ Buchhandlungen wirtschaftlich zu betreiben, deshalb sind wir auf entsprechende Ladenlokale von Buchliebhabern und dem Einsatz der Verlage vor Ort abhängig.

Shakespeares Enkel - Laden Innenansicht

WRI:
Weil du es angesprochen hast, die Sichtbarkeit von kleineren und kleinsten Verlagen ist immer noch und wird wahrscheinlich weiterhin ein Problem bleiben. Es gibt zwar Ausnahmen, wenn mal ein Buch in den Spiegel-Bestsellerlisten aufschlägt, ein gerade aktuelles Thema anbietet oder bei großen Preisen wie dem Deutschen Buchpreis auftaucht. Aber sonst ist es eher mau, wie ich aus der eigenen Erfahrung vor meiner aktiven Blogzeit sagen kann. Das Thema Verlage ist beim Otto-Normal-Verbraucher nicht präsent. Kann mit solchen Ideen wie eure „Shakespeares Enkel“ ein Sinneswandel eingeläutet werden, die kleinen Verlage besser und offensiver zu präsentieren?

SE:
Die Sichtbarkeit der Titel von Independentverlagen erhöht sich natürlich wenn wir bundesweit in immer mehr Städten mit Läden präsent sind. Auch wollen wir unter dem Lable von Shakespeares Enkel aktiv werden und die Sichtbarkeit erhöhen. Ich denke, dass gerade der lokale und regionale Bezug eine Beziehung zwischen Lesern und Verlag herstellen kann. In Dresden habe ich mich mit vielen Kunden über die Lage der unabhängigen Verlage unterhalten und aufgeklärt. Die Resonanz war immer positiv.

WRI:
Euer Geschäft ist mittlerweile seit ein paar Monaten geöffnet. Wie wird er mittlerweile von der Kundschaft angenommen?

SE:
Gut. Unsere Kunden kommen meist am späten Nachmittag oder frühen Abend nach dem Feierabend vorbei. Neben den Bewohnern aus dem Kiez sind wir aber auch eine Anlaufstation in der Region für Leser, die bewusst Zugang zur Literatur von unabhängigen Verlagen suchen, was uns natürlich besonders freut.
Wir müssen in den nächsten Wochen unbedingt unseren Onlineshop umsetzen, damit wir dann auch wirklich alle Bestellmöglichkeiten anbieten können.

WRI:
Ich persönlich finde eurer Konzept sehr spannend, insbesondere, weil das persönliche Interesse für die unabhängigen Verlage sehr stark wächst. Gerade, wenn ich die Liste der bisher bei euch angebotenen Verlage anschaue, ist für mich noch viel Luft nach oben, um da ein paar neue kennen zu lernen, zum Beispiel, was die regional begrenzten Verlage angeht. Welche Auswahlkriterien setzt ihr bei eurer Auswahl, welche Verlage habt ihr noch im Blick und wo setzt ihr die Grenze?

SE:
Eine Grenze setzt die Ausstattung des Ladens, diese nimmt zur Zeit nur eine endliche Menge an Titeln auf und diese ist erreicht. Dies kann sich aber ändern, wenn wir hier noch etwas optimieren – das Potential ist auf jeden Fall vorhanden.
Ansonsten haben wir uns erst einmal bewusst gegen bestimmt Genres wie Horror und Erotik entschieden. Dies kann sich aber noch ändern, so haben wir uns erst kürzlich entschlossen, Romance und Queere Literatur mit aufzunehmen.
Voraussetzung für eine Listung bei uns ist eine persönliche Empfehlung. Uns ist der persönliche gute Umgang untereinander sehr wichtig, aber auch die Qualität der Titel.

WRI:
Als letzte Frage noch ein aktuelles Thema. Wie wirkt sich die Insolvenz der KNV auf den unabhängigen Buchmarkt aus und wie kann das Konzept „Inhabergeführter Buchladen“ diesem Horrorszenario, dass das endgültige Aus von diesem Riesen vor allem die kleinen Verlage in den Abgrund zieht, entgegenwirken?

SE:
Die KNV-Insolvenz hat auf Teile der Branche sehr große Auswirkungen. Während die großen Buchhandelsketten wie Thalia davon nicht betroffen sind, weil sie eine eigene Logisitik haben hängen viele der kleineren Buchhandlungen von der Belieferung durch KNV oder dem Mitbewerber Libri ab. Wenn KNV nicht mehr liefern kann bekommen die Buchhandlungen keine gebündelten Buchsendungen mehr über Nacht. Der Mitbewerber Libri kann das Volumen von KNV nicht mal zu einem Bruchteil übernehmen – beide Firmen sind etwa gleich groß. Bei den Verlagen ist es ähnlich: während die Großverlage meist durch Warenkreditversicherungen abgesichert sind fallen für die kleineren Verlage Forderungen aus – oft betrifft das auch noch das Weihnachtsgeschäft – und das ist für viele Verlag existentiell. Es ist zu befürchten das hier einige Verlage wieder sehr ins straucheln geraten…
Shakespeares Enkel bezieht die Bücher – bis auf die Bestelltitel – direkt beim Verlag oder dessen Auslieferung. In dieser Lieferkette kommt KNV nicht vor. Dies liegt am entsprechenden Konzept unseres Buchladens…

WRI:
Dann drücken ich (und unsere Mitleser sicher auch) euch auf jeden Fall die Daumen, dass euer Konzept weiterhin aufgeht und ihr noch mehr Menschen auf die kleinen Verlage aufmerksam macht, die vorher kein Bewusstsein dafür hatten. Zum Schluss noch die Frage: Hast du noch fünf Tipps für uns parat, die man unbedingt bei euch kaufen muss/kann? (Mit einem Klick auf den Titel landet man direkt auf der Verlagsseite vom Buch)

  • „Ist das Gemüse auch vegan?“
    Die lustigsten Restaurant-Erlebnisse eines Kellners: Oder: Die Leiden des jungen Waiters
    Olli „Gastronomicus“ Riek
    Acabus Verlag
    978-3862826025
  • „Heaven 11“
    Christian Krumm
    Edition Roter Drache
    ISBN 978-3-946425-63-2
  • „Der Aquarist“
    Michael Braun Alexander
    Salomo Publishing
    ISBN: 978−3−941757−92−9

WRI:
Lieber Björn, im Namen von We read Indie vielen Dank für das Gespräch (bzw die Emailkorrespondenz), deine umfangreichen Nachrichten und deine Zeit, die du für uns in dieses Interview gesteckt hast. Wie oben schon geschrieben, wünschen wir euch weiterhin viel Erfolg mit dem Konzept.
Weiterführende Links zu Shakespeares Enkel und den im Text genannten Verlagen:

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3 Kommentare zu „We talk Indie: Björn Bedey über Shakespears Enkel (Buchladen in Dresden)

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  1. Hat dies auf Lesen macht glücklich rebloggt und kommentierte:

    Für den Blog We read Indie habe ich mich virtuell mit dem Verleger Björn Bedey (acabus Verlag) unterhalten. Es ging vor allem um die Verlagsbuchhandlung „Shakespeares Enkel“, der im August 2018 in meiner alten Heimat Dresden seine Pforten öffnete. Wir haben in diesem Interview einen weiten Bogen geschlagen, wie man die kleinen Indieverlage besser präsentieren kann, wie eine Verlagsbuchhandlung überhaupt funktioniert und auch auf die KNV-Insolvenz sind wir eingegangen. Zum Schluss gibt es noch ein paar Buchtipps aus den Verlagen, deren Verleger den Buchladen betreiben.

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  2. Hallo,

    „Shakespeares Enkel“ ist schon mal ein sehr einladender Name! (Obwohl meine erste Assoziation da „Goethes Erben“ sind, und die sind ja eine Band, keine Buchhandlung.)

    In Dresden bin ich leider fast nie, höchstens einmal im Jahr in Leipzig (wo dann Goethes Erben auftreten), aber die Buchhandlung würde ich mir auch gerne mal anschauen! Mal schauen, vielleicht machen sie ja auch eine Filiale hier in der Nähe (also in der Nähe von Osnabrück) auf.

    „Der Aquarist“ ist mir gestern bei Legimi ins Auge gefallen und auf die Merkliste gehüpft. „Der Tote im Whiskey-Fass“ haben sie da auch, stelle ich gerade fest, das habe ich mir jetzt auch mal runtergeladen. :-)

    Da würde mich übrigens mal interessieren, ob sich das für die Verlage lohnt, wenn sich Leser über Legimi ihre Bücher ausleihen?

    Sehr interessantes Interview!

    LG,
    Mikka

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Mikka,

      vielleicht hat das mit Goethes Erben sicher auch eine rechtliche Seite, weshalb letztendlich der Name Shakespeare herangezogen wurde. Passt aber auch ganz gut, wie ich finde.

      Falls du mal in Dresden sein solltest, schau dort vorbei. Es ist zwar ein kleiner, unscheinbarer Laden in einer Seitenstraße, abseits des großen Trubels im Szeneviertel Neustadt, aber trotzdem einen Besuch wert. Wie im Interview zu lesen, sollen ja auch andere Standorte ins Auge gefasst werden. Vielleicht hast du ja Glück und es öffnet ein Laden in deiner Nähe. Wir halten dich auf dem Laufenden.

      Liebe Grüße
      Marc

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