Vorfreude auf den Indie-Herbst 2019

Passend als Heilmittel gegen den Buchmesse-Blues haben wir hier noch unsere Highlights aus den Herbstvorschauen zusammengestellt – und für alle jene, die gar nicht erst auf die Messe gehen konnten, möge dies ein kleiner Ausblick darauf sein, was in diesem literarischen Herbst, der nun auch wettertechnisch angebrochen ist, auf uns alle wartet oder sogar schon zu haben ist.

Wir hoffen, auch Ihr freut Euch auf diese Schätze. Oder habt Ihr sogar noch Tipps für uns? Haben wir etwa in den Vorschauen etwas übersehen? Lasst uns doch alle gegenseitig inspirieren und schreibt uns in den Kommentaren!

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Berit Glanz: Pixeltänzer.
Ein Roman, der unsere hybride Wirklichkeit einfängt – ein wunderbares Versprechen! | Schöffling, 12. Februar 2019, 256 Seiten, 20,00 €. | Auf dieses Buch freuen sich Stefan und Britta.

Marc Bensch: Die unverhoffte Genesung der Schildkröte.
Eine irre Komödie? Ein Kniff mit Erzählperspektiven? Eine Anlehnung an den Fall Relotius? So liest sich zumindest der Klappentext von Marc Benschs Roman aus dem Carpathia Verlag. Es treten auf: Ein Buchhalter mit gesichtslähmungsbedingtem Dauergrinsen, ein krimineller Unternehmensboss und ein frustrierter Detektiv. Ich freue mich schon auf den Roman und darauf, etwas über den Namen des Verlages zu schreiben! | Carpathia, 304 Seiten, 20,00 €. | Auf dieses Buch freut sich Kathrin.

Line Madsen Simmenstad: Königin-Maud-Land ist geheim.
Viel hat der mare Verlag nicht über die Erzählungen von Line Madsen Simenstad im Vorhinein verraten: „Nüchtern und zugleich voll melancholischer Poesie“ sollen die Stories sein, „mit eleganter Beiläufigkeit das Wesentliche berühren“, wie Anne von Canal schreibt. Es geht um die Geheimnisse von zwei Schwestern, um einen im Sterben liegenden Vater, um zutiefst Menschliches also, um Momente voller Nähe und voller Schmerz – klassisches Shortstory-Material also, auf das ich immer wieder neugierig bin, erst recht, wenn es sich um das literarische Debüt einer jungen Autorin handelt. | Aus dem Norwegischen von Ilona Zuber. mare, 20. August 2019, 128 Seiten, 18,00 €. | Auf dieses Buch freut sich Nicole.

Tobias Roth: Gartenstadtbewegung.
Dass Menschen aus der Stadt zurück aufs Land ziehen, ist kein neues Phänomen: Um 1900 herum planten Architekten immer mehr Siedlungen am Stadtrand, mit viel Grün und frischer Luft. Dass die Gartenstadtbewegung aber mehr war als nur der Wunsch nach Ruhe, sondern ebenso gesellschaftskritische Aspekte beinhaltet, zeigt die Sammlung von Flugschriften, Essays und Vorträge aus den Jahren 1903 bis 1913. | Das kulturelle Gedächtnis, 256 Seiten, 24,00 € | Auf dieses Buch freut sich Julia.

Tarjei Vesaas: Das Eis-Schloss.
In diesem schmalen Roman geht es um vier Geschwister, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts auf einem abgelegenen Hof im Norden Englands aufwachsen. Familienbande, Geschwisterdynamik – das interessiert mich immer, und erst recht, wenn die Autorin so eine versierte Erzählerin ist wie Susan Hill, die nicht zuletzt für ihre Suspense- und Geistergeschichten bekannt ist. | Aus dem Norwegischen von Hinrich Schmidt-Henkel. Mit einem Nachwort von Doris Lessing. Guggolz, 11. Februar 2019, 199 Seiten, 22,00 €. | Auf dieses Buch freut sich Britta.

Natsu Miyashita: Der Spielplatz der Götter.
Und gleich ein Kanditat der Hotlist, der 30 besten Bücher aus unabhängigen Verlagen. Den Cass Verlag habe ich im Frühjahr mit „Mein pochendes Leben“ und „Kein schönerer Ort“ so richtig kennen und lieben gelernt. Vor allem japanische und koreanische Geschichten werden in diesem Verlag ins Deutsche übersetzt. Eine völlig andere, spannende Kultur erwartet einen. In diesem Buch zieht die Autorin mit ihrer Familie für ein Jahr in die abgeschiedene Bergwelt Hokaidos und die Erlebnisse von dort schildert sie in diesem Buch. | Aus dem Japanischen von Katja Busson. | Cass, 26. Februar 2019, 272 Seiten, 20,00 €. | Auf dieses Buch freut sich Marc.

Mona Høvring: Weil Venus bei meiner Geburt ein Alpenveilchen streifte
Mona Høvring, deren Debüt „Was helfen könnte“, ich hier auf We Read Indie besprochen habe, hat einen neuen Roman geschrieben, für den sie den Kritikerprisen 2018 für den besten norwegischen Roman erhielt. Es geht um zwei eng verbundene, sehr unterschiedliche Schwestern, die gemeinsam Urlaub in den Bergen machen, weil sich eine von ihnen von einem Nervenzusammenbruch erholt. „Ein Buch über Jungsein, Bindungen und Eigenständigkeit, erotische Erkundungen, Gefühlsverwirrungen und vor allem über innere Freiheit“, heißt es in der Vorschau. Eine extrem interessante Autorin, finde ich, die in keine Schublade passt und etwas wirklich eigenes macht. | Aus dem Norwegischen von Ebba D. Drolshagen.
Mit einem Nachwort von Nicole Seifert. | edition fünf, 26. August 2019, 136 Seiten, 19,00 €. | Auf dieses Buch freut sich Nicole.

Pia Klemp: Lass uns mit den Toten tanzen.
Nach der ganzen Aktion um die Sea Watch 3 und dem nachfolgenden Theater um die Kapitänin Carola Rackete braucht man eigentlich kaum noch Worte zu diesem Buch verlieren. Es ist der Roman der Stunde, wenn es um die Seenotrettung geht. Ich bin gespannt darauf, wie Pia Klemp, die selber aktiv im Mittelmeer nach in Seenot geratenen Flüchtlingen gesucht hat, dieses Thema literarisch umsetzt. | Maro, 2. September 2019, 224 Seiten, 20,00 €| Auf dieses Buch freut sich Marc.

Mareike Fallwickl: Das Licht ist hier viel heller.
Nach Dunkelgrün fast schwarz sind die Erwartungen hoch, die Vorfreude auf den neuen Roman ebenso. | Frankfurter Verlagsanstalt, 24. April 2019, 384 Seiten, 24,00 €. | Auf dieses Buch freut sich Stefan.

Jamel Brinkley: Unverschämtes Glück.
Im nett aufgemachten Regal auf der Startseite des Kein und Aber Verlags kann man schon zu Autor und Buch reinschmökern. Jamel Brinkley erzählt in neun Geschichten, wie Männlichkeit heute gelebt werden kann und auch über Hautfarbe, Status und Familiengeschichte definiert wird. Ich verspreche mir viel von diesem Buch, nämlich, dass man in der Literaturbranche anders an Genderfragen und Diversity herangehen gehen kann- auch als Mann. | Aus dem Englischen von Uda Strätling. | Kein & Aber, 13. August 2019, 336 Seiten, 22,00 €. | Auf dieses Buch freut sich Kathrin.

Thomas Knoefel: Okkultes Brevier.
Übersinnliches hat den Menschen schon immer fasziniert: Gibt es ein Leben nach dem Tod, können wir mit den Verstorbenen Kontakt aufnehmen? Thomas Knoefel erzählt die Geschichte des Okkultismus, der vielfältige Formen annehmen kann, von spiritistischen Sitzungen über politische Ansichten bis hin zur Kunst. | Matthes & Seitz, 2. August 2019, 394 Seiten, 28,00 € | Auf dieses Buch freut sich Julia.

Enno Stahl: Sanierungsgebiete.
Das Buch der Stunde zur Gentrifizierung der Stadt? Zumindest nach der Beschreibung klingt das danach. Allein schon die Idee, reale Interviews mit in den Text einfließen zu lassen, in denen Menschen über die Veränderungen in ihrem Kiez berichten, lässt mich aufhorchen. Aber beim Verbrecher Verlag macht man eh nix verkehrt, da kann man sicher blind zugreifen. | Verbrecher, 10. Oktober 2019, 592 Seiten, 29,00 €. | Auf dieses Buch freut sich Marc.

Michael Palin: Erebus.
Als großer Monty-Python- und Meeres-Fan freue ich mich tierisch auf dieses Buch. Michael Palin ist bekannt für seine Reisen und für seine amüsante, kurzweilige Art zu erzählen. Er versucht hier das Mysterium in der Antarktis zu lösen und ich bin sooo, sooo neugierig und gespannt. | Aus dem Englischen von Rudolf Mast. Mit zahlreichen Abbildungen. | mare, 8. Oktober 2019, 400 Seiten, 28,00 €. | Auf dieses Buch freut sich Britta.

Sonja M. Schultz: Hundesohn
Hawk will im Hamburg Ende der 80er Jahre endlich anständig werden, doch so richtig soll ihm das nicht gelingen. Endlich mal eine Milieugeschichte, die von einer Frau geschrieben wurde – ich bin gespannt! | Kampa, 28. Februar 2017, 320 Seiten, 22,00 €. | Auf dieses Buch freut sich Juliane.

Isabel Fargo Cole: Das Gift der Biene.
Berlin, der Ort der unbegrenzten Möglichkeiten: Vor allem für die junge Amerikanerin Christina, die 1990 nach Ostberlin kommt und in die Gemeinschaft eines ehemals besetzten Hauses zieht. Mit den anderen Bewohnern diskutiert sie nächtelang über Sozialismus und Kapitalismus. Doch als eine rätselhafte Frau einzieht, kommt das Gefüge ins Wanken.| Edition Nautilus, Seiten, 20,00 € | Auf dieses Buch freut sich Julia.

Bettina Spoerri: Zürich abseits der Pfade. Eine etwas andere Reise durch die lebendige Stadt jenseits der reichen Fassaden.
Es klingt wie der x.te Reiseführer, aber die Autorin Bettina Spoerri hat zu literarische Todesdarstellungen promoviert und in ihrer PostDoc-Arbeit über transnationale und kosmopolitische Literatur gearbeitet. Angekündigt werden auch Anekdoten zu Lenin und Else Lasker-Schüler. Wie spannend kann dieses Buch über Zürich werden? Dazu kommt, dass ich ein bisschen nostalgisch in Erinnerungen an meine ehemalige Wahlheimat Schweiz schwelgen kann. Ich werde mich bemühen, bei der Besprechung emotionales Maß zu halten. | Fotografien von Miklós Klaus Rózsa. Braumüller, 1. Oktober 2019, 192 Seiten, 14,90 €. | Auf dieses Buch freut sich Kathrin.

Tomas Espedal: Das Jahr.
Weil wir schon weiter oben bei der Frankfurter Buchmesse waren – in diesem Jahr ist Norwegen das Gastland und da kommt man um einen wie Tomas Espedal nicht herum, zumal ein neues Buch von ihm im Matthes&Seitz Verlag erscheint. Ich habe bisher noch nichts von ihm gelesen, er steht aber auf meiner Zu Lesen- Liste ganz weit oben. Dann nutze ich doch die Gelegenheit mal. | Aus dem Norwegischen übersetzt von Hinrich Schmidt-Henkel. | Matthes & Seitz, 6. September 2019, 196 Seiten, 22,00 €. | Auf dieses Buch freut sich Marc.

Helga Flatland: Eine moderne Familie
Noch eine junge weibliche Stimme aus Norwegen, die mit ihrem fünften Roman erstmals ins Deutsche übersetzt wird: Helga Flatland. In ihrem bei Weidle erscheinenden Roman „Eine moderne Familie“ erzählt die Autorin, wie eine Familie mit drei erwachsenen Kindern nach und nach völlig aus dem Gleichgewicht gerät, als die Eltern beim 70. Geburtstag des Vaters verkünden, dass sie sich scheiden lassen wollen. Familien und ihre Dynamik sind ja nicht umsonst eins der Themen der Literatur – dieser Roman klingt extrem interessant, hoffentlich hält er, was er verspricht! | Aus dem Norwegischen von Elke Ranzinger. | Weidle, 9. August 2019, 308 Seiten, 25,00 €. | Auf dieses Buch freut sich Nicole.

Rene Frauchiger: Riesen sind nur große Menschen.
Der Homunculus Verlag, ein kleiner Verlag aus Erlangen, ist immer für einen frechen Roman gut. Vor drei Jahren erschien mit „Ymir“ aus der Feder eines der Verleger Philip Krömer eine ähnliche verrückt klingende Geschichte wie diese hier. Muss ich lesen! | Homunculus, 5. September 2019, ca. 250 Seiten, 22,00 €. | Auf dieses Buch freut sich Marc.

Eivind Hofstad Efjemo: Vater, Mutter, Kim.
Und noch einmal Norwegen, diesmal mit einem der größten traumatischen Ereignisse der letzten Jahre, welches schon vielfach literarisch verarbeitet wurde, aber dieses wird mein erstes Buch sein, welches ich zu den Anschlägen von Utoya lesen werde. Außerdem erscheint es in einem meiner Lieblingsverlage, dem Luftschacht. Da kann fast nichts mehr schief gehen. | Aus dem Norwegischen von Karl Clemens Kübler und Clara Sondermann. | Luftschacht, 1. September 2019, 274 Seiten, 24,00 €. | Auf dieses Buch freut sich Marc.

Michela Murgia: Faschist werden. Eine Anleitung.
Eine genauso bissige wie witzige Satire auf die Rechtspopulisten und ihren heimlichen Traum von einem neuen Faschismus. | Aus dem Italienischen von Julika Brandestini. Wagenbach, 11. April 2019, 112 Seiten, 7,00 €. | Auf dieses Buch freut sich Stefan (zur Besprechung, die bereits online ist, bitte hier klicken).

Markus Mittmannsgruber: Austreibungen.
Vor einigen Jahren las ich den Roman „Die Verwüstung der Zellen“ der mich sprachlich extrem begeistert hat, dafür aber inhaltlich verwirrt zurück ließ. Gute Voraussetzungen, es noch einmal mit diesem Autor zu probieren, zumal das inhaltliche diesmal nicht ganz so abstrakt erscheint, wie beim Vorgängerroman. | Luftschacht, 1. Oktober 2019, ca. 416 Seiten, 26,00 €. | Auf dieses Buch freut sich Marc.

Susanne Gregor: Das letzte rote Jahr.
Ich muss gestehen, ich hatte dieses Buch nicht auf dem Schirm, bis es mir von einer Mitarbeiterin der FVA in die Hand drückte und meinte, das sei exakt etwas für mich. Da wir befreundet sind, verlasse ich mich auf diese Aussage, muss auch mal sein, oder? | Frankfurter Verlagsanstalt, 30. August 2019, 224 Seiten, 22,00 €. | Auf dieses Buch freut sich Britta.

Nadine Schneider: Drei Kilometer.
1989 ist ein Jahr, welches mich, auch wenn ich da gerade mal 8 Jahre alt war, geprägt hat durch seine historischen Umwälzungen, die bis hinein in das familiäre Gefüge hinein rankten. Daher kann ich Büchern, die dieses Jahr, diese Umbrüche in irgendeiner Weise zum Thema haben, kaum ausblenden. Auch dieses hier nicht. Klingt zwar nach einer üblichen Coming of Age – Geschichte, aber wer weiß, was sich noch dahinter verbirgt. | Jung und Jung, 29. August 2019, 160 Seiten, 20,00 €. | Auf dieses Buch freut sich Marc.

Philip Krömer: Ein Vogel ist er nicht.
Seit Philip Krömers Debüt „Ymir“ warte ich schon sehnsüchtig auf den lange angekündigten Nachfolger, der diesmal ein Erzählband ist, der das Spielchen „Was wäre wenn…“ auf eine lustig verspielte Art betreibt. Historische Figuren werden unter diesem Ansatz in Situationen gebracht, die nicht stattgefunden haben und so betrachtet werden, was denn hätte passieren können, wenn es doch so gewesen wäre. Wer das Debüt des Autors kennt, der wird sich hier ebenfalls köstlich amüsieren und abstruse Einfälle bestaunen dürfen. | Illustriert und gestaltet von
Florian L. Arnold. | Topalian & Milani, 21. Oktober 2010, ca. 220 Seiten, 24,00 € | Auf dieses Buch freut sich Marc.

Olga Tokarczuk: Die Jakobsbücher.
Inzwischen dürfte Olga Tokarczuk vielen Menschen ein Begriff sein, schließlich erhielt sie erst vor ein paar Tagen den Literaturnobelpreis, nachträglich für das Jahr 2018. Erst letztes Jahr zogen ihre Bücher zum Kampa-Verlag in die Schweiz und nun bringt eben jener Verlag diesen grandiosen Wälzer auf den Markt, bei dem man wohl, wenn man sich nicht wahnsinnig mit der jüdischen Kultur und Religion auskennt, geduldig sein muss. Da ich genau zu diesen Menschen gehöre, werde ich mich wohl im Laufe der Lektüre weiterbilden und ihre Sprache genießen. | Aus dem Polnischen von Lisa Palmes und Lothar Quinkenstein. | Kampa, 1. Oktober 2019, 1.184 Seiten, 42,00 €. Auf dieses Buch freut sich Britta.

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