Der Blick in den Bücherfrühling der Indies – 2021er Edition

Lange Zeit war es gerade still auf dem Blog, denn im Hintergrund sortieren wir uns gerade wieder einmal neu. Durch die ganzen Begleitumstände war es im letzten Jahr und bis in den Januar hinein etwas ruhiger auf dem Blog. Das zum einen. Zum anderen haben uns drei Teammitglieder verlassen, da sie es zeitlich einfach nicht mehr unterbringen konnten, ihrem eigenen Blog und diesen Blog gleichzeitig beziehungsweise nebeneinander mit Inhalten zu füllen. An dieser Stelle sagen wir vom restlichen Team herzlichen Dank für eure Arbeit und das Herzblut, das ihr bis hierhin in den Blog gesteckt habt. Es war eine Freude mit euch über bevorstehende Beiträge und Aktionen hier oder auf Instagram zu planen. Da ihr mit euren eigenen Blogs auf festen Füßen steht, kreuzen sich unsere Wege trotz des Abschieds bestimmt immer mal wieder. In diesem Sinne frohes Lesen weiterhin an Juliane + Stefan von Poesierausch und an Julia, die den Blog Fräulein Julia betreibt (und seit Neuestem davon einen Ableger pflegt, bei dem es vornehmlich um Nature Writing geht: LiteratUrWald).

Bevor wir aber ein paar Frühjahrsnovitäten der unabhängigen Verlage vorstellen wollen, kommt an dieser Stelle schon einmal der Aufruf: Wer sich vorstellen könnte, bei unserem Blog mitzumachen, darf uns gern eine E-Mail an Wereadindie@gmail.com schreiben. Wir schauen dann, wie es denn zu uns passt. Da wir das Team nicht zu groß werden lassen wollen, können wir bei großer Nachfrage sicher nicht alle aufnehmen. Wir freuen uns aber trotzdem über jede Anfrage.

Und nun stürzen wir uns in die kommenden Wonnemonate und darauf, was uns da so erwartet. Da es zeitlich leider nur bei Dreien von uns geklappt hat (Nicole zum Beispiel war mit einem sehr wichtigen und richtigen Beitrag auf 54books über die Misogynie in der Literaturkritik vollauf beschäftigt), ein paar interessante Titel zusammenzusuchen, haben wir uns insgesamt auf 14 Bücher beschränkt, die einen kleinen Ausschnitt der wunderbaren Vielfalt zeigen sollen, die die unabhängigen Verlage jedes Jahr zweimal bieten. Kommt herein und folgt uns zu unserer kleinen Bücherschau.

Auf diese Bücher freut sich Britta:

Sarah Raich: Das makellose Blau
Auf die Autorin aufmerksam wurde ich schon vor geraumer Zeit bei Twitter, und dann kam der Verlag mit einer schönen Idee um die Ecke: alle drei Monate gibt es neuerdings eine digitale Verlagsshow, die #remoteliteraturshow – deren erste Ausgabe just u. a. mit erwähnter Autorin stattfand. Seitdem freue ich mich auf dieses Buch gefüllt mit Kurzgeschichten über Menschen und das, was passiert, wenn diese aufeinandertreffen. | mikrotext, ca. 120 Seiten, 14,99 € (Taschenbuch) | März 2021

Ina Westman: Heute beißen die Fische nicht
Bei der Zusammenstellung dieser Auswahl fiel mir auf, wie sehr ich doch in die nahe Ferne schweife – ohne den Kontinent zu verlassen. Das erste Buch führt nach Finnland. Auf eine einsame Insel mitten in den Schären, und ich könnte mir an sich gerade nichts Schöneres vorstellen. Allerdings klingt die Geschichte um die Fotojournalistin Emma mit ihren Halluzinationen nur noch halb so idyllisch. Ich bin gespannt, auf welche mentalen Reisen (im doppelten Sinne) die Autorin uns hier entführen wird. | Aus dem Finnischen von Stefan Moster | mare, 256 Seiten, 22,00 € (gebunden) | Februar 2021

Harry Martinson: Schwärmer und Schnaken
Das zweite Buch führt dann ins nahegelegene Schweden. Es ist eine Sammlung verschiedener Naturtexte aus den 1930er-Jahren. Ein Blick auf die Natur, die Tiere, unser Verhältnis zu ihr, und gleichzeitig ein widerspiegelnder Blick in das Innere des Autors. Und nachdem wir schon nicht so viel reisen können, will ich doch wenigstens ein Blick auf Flora und Fauna anderer Welten werfen. | Aus dem Schwedischen von Klaus-Jürgen Liedtke | Guggolz, 219 Seiten, 22,00 € (gebunden) | März 2021

Veronique Ovaldé: Niemand hat Angst vor Leuten, die lächeln
Gloria flieht – mit Beretta und ihren Töchtern. Von der Côte d’Azur ins Elsass. Eine Reise weg von der Vergangenheit. Und wieder ein idyllisch klingendes Landschaftsporträt inmitten von Wäldern und Seen. Hier rechne ich dennoch eher mit einem page turner, der einen durch diese Wälder nur so rennen lässt. | Aus dem Französischen von Sina de Malafosse | Frankfurter Verlagsanstalt, 224 Seiten, 22,00 € (gebunden) | Februar 2021

Auf diese Bücher freut sich Kathrin:

Ich habe dieses Frühjahr einen deutlichen Schwerpunkt gelegt, da wohl absehbar ist, dass wieder viel zu jüdischer Geschichte, vor allem dem Umgang damit, diskutiert werden wird und ich denke, dass es neben der Literatur dringend junge, weibliche Stimmen aus der Wissenschaft braucht, die ein vielfältigeres Bild der jüdischen Geschichte zeigen.

Stefanie Mahrer: Salman Schocken -Topographien eines Lebens
Etwas abseits von der üblichen Belletristik möchte Kathrin euch dieses Buch über Salman Schocken von Stefanie Mahrer, aber überhaupt auch die vielen spannenden Titel aus dem Neofelis Verlag ans Herz legen. Diese Buch ist mehr als eine Biografie über einen bibliophilen “Selfmademan”, der etwa 60.000 Bücher hatte und sie vor den Nationalsozialisten retten musste, weil er Jude war. Durch seinen Verlag und sein kulturelles Engagement gestaltete er deutsch-jüdische Kulturräume. Mahrer zeigt hier, wie sich diese Räume nach 1933 veränderten. Dieses Buch ist ihre Habilitation und zeigt die aktuelle Forschung, gerade jetzt wollen und können manche auch in anspruchsvollere Literatur abtauchen und hier einen Mann kennenzulernen, der in Deutschland nahezu vergessen ist. │ Neofelis Verlag , 480 Seiten, 24 Euro │ 28.02.2021

Lilly Maier: Auf Wiedersehen Kinder! – Ernst Rapanek. Revolutionär, Reformpädagoge und Retter jüdischer Kinder
Eine weitere Autorin, die sich mit jüdischer Geschichte beschäftigt, ist Lilly Maier. Neben ihrer Dissertation hat Lilly Maier eine spannende Biografie über den Wiener Pädagogen und Sozialisten Ernst Papanek geschrieben. Wir folgen ihm nach Frankreich, dort leitet er 1939 vier Kinderheime, er versucht, die Kinder nach New York zu retten und arbeitet auch dort mit seinen pädagogischen Ideen weiter, die auch heute im Umgang mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen als Inspiration dienen können. | Molden Verlag , 304 Seiten, 28 Euro │ im Januar erschienen

Auf diese Bücher freut sich Marc:

Eine Schnittmenge dieser Bücher habe ich bereits auf meinem eigenen Blog vorgestellt beziehungsweise empfohlen. Da ich sie weiterhin als empfehlenswert empfinde, stelle ich einen Teil davon auch hier vor. Für die komplette Liste verweise ich gerne auf meinen Blog Lesen macht glücklich.

David Peace: Tokio Neue Stadt
Mit David Peace bin ich das erste und bisher einzige Mal im Kino in Berührung gekommen, als ich bei den Fantasy Filmfest Nights den Film 1974 gesehen habe und sofort von diesem ganzen rauen Setting eingenommen war. Der Film (und auch die Nachfolger) hat sich extrem bei mir im Gedächtnis verewigt, so dass ich schon seit Ewigkeiten auch die Bücher dazu lesen wollte. Doch es sollte bisher nicht sein. Vielleicht mache ich das gleich im Zusammenhang mit seinem Buch, das, wenn man der Zusammenfassung glauben darf gekonnt einen Kriminalfall mit geschichtlichen Ereignissen verknüpft. Diese zwei Elemente zusammen üben für mich seit jeher einem gewissen Reiz aus und ich freue mich schon auf die Lektüre. │ aus dem Englischen von Peter Torberg │ Liebeskind Verlag , 432 Seiten, 24 Euro │ 26.04.2021

Isabela Figueiredo: Die Dicke
Der Werdegang der Hauptfigur ist ein besonderer. Sind doch dicke Menschen auch heute noch mehr als stigmatisiert in unserer Gesellschaft. Auch Maria ergeht es so, sie hat ein Monster in sich, das nur mit Essen, Essen, Essen besänftigt werden kann. Irgendwann kommt Maria aber nicht mehr um eine Magenverkleinerung herum. Hier interessiert mich vor allem, wie der Blick auf diese junge Frau beschrieben wird, wie sie sich selbst empfindet und zu dem Entschluss kommt, ihr Innerstes operativ zu verändern und ob es ihr letztendlich wirklich geholfen hat und wie es ihr mit dieser Entscheidung erging. Wenn ich es richtig verstanden habe, ist in diesen Roman viel autobiographisches eingeflossen. │ aus dem Portugiesischen von Marianne Gareis│ Weidle Verlag , 280 Seiten, 24 Euro │ März 2021

J.J. Voskuil : Die Mutter von Nicolien
Das siebenbändige Mammutwerk von Voskuil „Das Büro“ wartet immer noch auf mich. Es ist wohl mehr der schiere Umfang, der mich davor zurückschreiben lässt. Vielleicht sollte ich es erst einmal mit diesem Buch probieren? Wobei es hier wahrscheinlich tragischer und emotionaler zugeht. Eine Frau verliert mit der Zeit ihr Gedächtnis, es sieht nach Alzheimer aus, und alle müssen es mit tragen. Sicher kein einfacher Stoff und zum wohlfühlen schon gar nicht, doch gerade deswegen zieht mich das Buch magisch an. │ aus dem Niederländischen von Gerd Busse │ Wagenbach Verlag , 256 Seiten, 23 Euro │ März 2021

Paavo Matsin : Gogols Disco
Was hat mich der Homunculus Verlag nicht beglückt mit verrückten und kraftvollen Geschichten. Erst letztes Jahr waren erneut zwei Bücher aus diesem Verlag mit in meinen Fingern, die zeigten, was für unkonventionelle Werke von diesem Verlag ans Tageslicht befördert werden. In dieser Reihe sehe ich auch Gogols Disco, bei dem sich allein die Beschreibung zum Buch so irre anhört, dass ich dieses sofort lesen möchte. │ aus dem Estnischen von Maximilian Murmann │ Homunculus Verlag , 176 Seiten, 22 Euro │ 25.02.2021

Jovana Reisinger: Spitzenreiterinnen
Jovanas Reisinger ersten Roman habe ich damals im Rahmen des Debütpreises 2016 gelesen und nicht vollumfänglich verstanden. Ich hatte damals keinen rechten Zugang zu ihrer Sprache gefunden. Ich denke, dass ich „Still Halten“ heute besser antizipieren würde. Nun erscheint das zweite Buch der Autorin und erneut stellt sie nicht nur eine sondern gleich mehrere weibliche Figuren in den Mittelpunkt mit Schwächen und Tiefen und Ängsten und Hoffnungen, die alle sehr alltäglich scheinen. Ich bin gespannt, was sie diesmal  aus der Grundlage gezaubert hat, sprachlich wie inhaltlich. │ Verbrecher Verlag , 264 Seiten, 20 Euro │ 26.02.2021

Saskia Vogel: Permission
Nachdem letztes Jahr Steven Uhly in Finsternis schon die (Un)-Tiefen einer Beziehung beleuchtet hat, die auf totale Dominanz und Unterwerfung ausgelegt war, kommt mit Saskia Vogels Roman die inhaltlich logische Fortführung dieser ganzen Thematik. Hat Steven Uhly seine Geschichte im BDSM- Bereich angelegt, so ist es auch bei Permission recht ähnlich gelagert. Ich bin gespannt, wie Saskia Vogel die Gefühlswelten darstellt, die bei ihrer Hauptfigur komplett aus dem Ruder gelaufen sind und wie sie diese wieder einzufangen gedenkt. Dass sie das wohl bei einer Domina schafft, ist ein sehr interessanter Grundansatz. Ich bin gespannt.  │ Secession Verlag , 240 Seiten, 22 Euro │ 28.02.2021

Seiko It:  Das Romanverbot ist nur zu begrüßen
Die Grundlage für diesen Roman ist einfach. Er spielt in der nahen Zukunft und in dem namentlich nicht bekannten Land wird die freie Meinung unterdrückt. Betroffen sind davon auch die Romane, die in diesem Land verboten sind. Ein Häftling in einer Sammeleinrichtung „darf“ offiziell darüber schreiben, warum das Romanverbot Sinn macht. Doch er hat anderes vor und schreibt statt einen Essay über das Romanverbot einen Roman über dieses Verbot. Natürlich so, dass es den offiziellen Stellen nicht auffällt. Nach dem Erfolg des letztjährigen „Aufzeichnungen eines Serienmörders“ wird das hier sicher ähnliche Wellen schlagen. Die Voraussetzungen scheinen dafür gegeben. │ aus dem Japanischen von Jürgen Stalph │ Cass Verlag , ca 160 Seiten, 22 Euro │ Mai 2021

Anna Baar: Nil
Diese Geschichte klingt zu verrückt. Eine Journalistin (freie Reporterin?) soll für ein Frauenmagazin eine Fortsetzungsgeschichte zu einem Abschluss bringen. Allerdings hat die Autorin das Gefühl, dass sie keine Geschichte erfindet, sondern das die Dinge, die sie niederschreibt, dann auch tatsächlich passieren. Ich liebe ja solche Experimente, wo Realität und Fiktion aufeinanderprallen und sich gegenseitig verschränken. Kenn jemand den Film „Stranger than fiction“ mit Emma Thompson und Will Ferrell? Ich denke das Buch schlägt in eine ähnliche Richtung. │ Wallstein Verlag , 148 Seiten, 20 Euro │ 08.03.2021

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