[Bücherhamstern 2021]: Folge 1 – Mirabilis Verlag

Auf Instagram haben wir den Aufruf gestartet, das Bücherhamstern aus dem letzten Jahr in 2021 fortzusetzen. Das beinhaltet zum einen, immer wieder auch bei den Unabhängigen Verlagen zu stöbern und deren Bücher zu kaufen. Der Hauptgrund jedoch ist, dass die Buchmesse in Leipzig zum zweiten Mal hintereinander ausfällt und das ist gerade für die Unabhängigen Verlage ein schwerer Schlag. Aus diesem Grund haben wir uns überlegt, die Aktion des Hamsterns wieder ins Leben zu rufen und unter dieser Überschrift in einer zeitlich und organisatorisch sehr lose angelegten Reihe einen kleinen Ausschnitt dieser unabhängigen Verlage vorzustellen, um diesen wenigstens etwas Bühne zu bieten, die diesen aktuell mit den persönlichen Begegnungen durch Lesungen, Messen und anderen Veranstaltungen so fehlt.

So haben wir uns also gedacht, schreiben wir mal ein paar Verlage an (ehrlicherweise ist das sogar ein laufender Prozess, aber ihr kennt das sicher), ob sie uns ein paar schnelle Fragen beantworten können, die wir hier und auf Instagram veröffentlichen werden. Zusätzlich wollen wir von den Verlegerinnen und Verlegern ein paar Geschichten aus dem Nähkästchen zur Gründung und wie sich die Arbeit in ihrem Verlag so gestaltet, in der normalen Zeit und vielleicht auch in der aktuellen mit Corona und den dazugehörigen Beschränkungen. Diese ganzen Texte und Bilder haben wir angefragt und dürfen diese für die Beiträge verwenden. Zu jedem dieser Beiträge wird es auch ein angeschlossenes Gewinnspiel geben, bei dem ihr von dem jeweils vorgestellten Verlag ein ausgewähltes Exemplar des aktuellen Frühjahrsprogrammes gewinnen könnt. Für weitere Infos dazu einfach immer am Ende des jeweiligen Beitrages schauen, was für dieses Gewinnspiel zu tun ist. Und nun Bühne frei für den ersten Verlag, den wir euch heute vorstellen: Den Mirabilis Verlag (klick auf den Namen und ihr kommt direkt zur Seite). Für diesen Text hat die Verlegerin und Inhaberin des Verlags ganz tief in der Vergangenheit gekramt und lässt die Gründung und die Anfänge des Verlags wieder aufleben. Viel Spaß mit dem Text von Barbara Miklaw.

Über das (den?) Blog zum Verlag

Ich hatte schon 2006 ein Blog (oder einen Blog, sorry, aber für mich heißt es eigentlich immer noch das Blog) bei einer Plattform mit einer relativ kleinen Community und habe dadurch erst virtuell, dann zunehmend auch persönlich großartige Menschen kennengelernt. Unter anderem Rainer Rabowski, der in seinem Blog Texte veröffentlichte, die so tiefgehend und , dass ich dachte, er wäre ein längst bekannter Schriftsteller. Tatsächlich schrieb er nur für sich, obwohl er mit Axel Grube vom onomato Verlag Düsseldorf eng befreundet war, und dort erschienen dann auch seine beiden ersten Erzählbände, die ich lektoriert habe. Und letztlich habe ich mich dann von beiden überreden lassen, einen Verlag zu gründen – es dauerte aber etwa zwei Jahre, bis mir klar wurde, dass das genau das war, was ich eigentlich immer schon gewollt hatte. Und dann habe ich es einfach gemacht. Völlig ahnungslos, aber dank guter Hinweise von Axel Grube kam ich zunehmend besser zurecht. Rainer Rabowski war also der erste Autor in meinem Verlag. Außer ihm (und über sein Blog) hatte ich aber auch Lothar Struck als praktisch benachbarten Blogger kennengelernt – ein begnadeter, akribischer Literaturkritiker und Experte für das Werk von Peter Handke. Von ihm erschien 2013 der großartige Essay „Der Geruch der Filme – Peter Handke und das Kino“ in meinem Verlag (und später „Grindelwald“ und „Erzähler, Leser, Träumer. Begleitschreiben zum Werk von Peter Handke“). Und dann ergab sich praktisch eins aus dem anderen. Für den „Geruch der Filme“ hatte ich nach einem bestimmten Foto gesucht – ich fand es und dadurch den Fotografen und Filmproduzenten Dieter Sander. Übers Bloggen habe ich aber auch Sebastian Rogler kennengelernt und über ihn Martina Altschäfer und so weiter und so fort. (Hier folgte ein Zwischenruf der Verlegerin: Falls hier Bedarf besteht, kann da auch gern mehr kommen, wie alles zusammenhängt). Und manchmal passt es einfach – wie mit Florian L. Arnold, der mich auf der Leipziger Buchmesse 2014 ansprach und mir später ein Manuskript sandte. Schon mit der „Novelle“, die Sebastian Rogler initiiert hatte, war mir klargeworden, wie spannend diese Verbindung von Literatur und bildender Kunst ist. Und da kam also ein Autor, der genau dafür eine gute Hand hatte und auch sprachlich einzigartig, fantasievoll und unfassbar gut war. Und so kam Florian L. Arnold zum Verlag. Wir haben inzwischen vier Bücher von ihm veröffentlicht – und außerdem ist er der Haus-und-Hof-Buchgestalter. (Danke!) Dann begegnete mir Reinhard Kuhnert durch Vermittlung seiner Presseagentin Barbara Stang – und so ging es weiter und immer weiter…

Bis heute betreibe ich den Verlag allein – aber mit großartigen freien Mitarbeitern, ohne die es nicht ginge, wie z. B. auch Birgit Böllinger (Anmerkung der Redaktion: Betreiberin des ehemaligen Blogs Sätze&Schätze, mittlerweile unter  ihrem Namen zu finden – einfach auf diesen klicken, um zu ihrer Seite zu gelangen). Wer kennt sie nicht, die so eine tolle Pressearbeit macht. Und nicht nur die Zusammenarbeit möchte ich nicht missen, sondern auch die guten Gespräche und Treffen, auch oder gerade weil momentan alles etwas schwierig ist.

Ein paar Impressionen aus dem Verlagsleben

Kleine Fragerunde

Seit wann gibt es euren Verlag? 

Seit Juli 2011. Das erste Buch, Erzählungen von Rainer Rabowski, erschien dann aber tatsächlich erst im Sommer 2012. Manches braucht eben Zeit …

Was macht euch aus? Was sind eure Spezialitäten?

Unsere Spezialitäten sind Romane und Erzählungen deutschsprachiger Autorinnen und Autoren zu gesellschaftlich relevanten Themen, oft in Verbindung mit bildender Kunst – Zeichnungen, Grafiken, Fotografien. Einige der Verlagsautoren sind nicht nur begabte Schriftsteller, sondern auch großartige bildende Künstler. Ihre Zeichnungen und Grafiken erzählen eigene Geschichten, die kongenial mit Inhalt und Stimmung ihrer Texte korrespondieren.

Eine weitere Spezialität sind erzählende Kindersachbücher, die spielerisch, heiter und spannend Wissen vermitteln.

Eure Geheimwaffe(n), um zu überleben? 

Ausdauer, Hartnäckigkeit und eine gewisse zwangsläufige Gelassenheit. Das Nutzen sozialer Netzwerke für die Vorstellung von Büchern und Autoren, die erstklassige Pressearbeit von Birgit Böllinger. Die absolute Geheimwaffe aber: großartige Autorinnen und Autoren und schön gestaltete Bücher. Und eine große Freude an der Arbeit, sonst ginge nichts.

Was sind eure Highlights aus dem bisherigen Verlagsleben? 

Jede Neuerscheinung ist ein Highlight! Ansonsten: die verschiedenen Messen, Leipzig, Frankfurt, Dresden (er)lesen, die Vorstellung von Verlag und Autoren bei Veranstaltungen – wie im letzten Sommer in Neu-Ulm bei „Literatur unter Bäumen“. Die Aufnahme in den Freundeskreis der Kurt Wolff Stiftung 2018. Aufmerksamkeit in den Medien, das Interesse des MDR z. B., der bereits dreimal bei uns war, um Beiträge zum Verlag zu erstellen, und auch einige Bücher von uns besprochen hat. Gute Rezensionen in verschiedenen Blogs, auch bei We read Indie, worüber wir uns jedes Mal riesig freuen. Und zuletzt: Der Verein der Hotlist hat unseren Titel „Abgang ist allerwärts“ von Reinhard Kuhnert als diesjährige Jahresgabe für Förderverein und Kuratorium auserwählt. Eine unglaubliche Ehre und Freude.

Warum muss man ausgerechnet eure Frühjahrsnovitäten lesen?

Weil sie interessant und wichtig sind, gut geschrieben und schön gestaltet.

Wir zählen die Ende 2020 erschienene Novelle „Die Zeit so still“ von Florian L. Arnold mit zu den Frühjahrsnovitäten. Als dieses Buch entstand, war uns nicht bewusst, wie sehr aktuell es doch werden könnte. „Die Zeit so still“ begleitet zwei außergewöhnliche Männer eine Nacht lang durch eine stumme Stadt, in der nichts mehr so ist, wie es einst war. Mitgefühl und Menschlichkeit aber sind geblieben. – Nicht nur eindringlich und nachhaltig bewegend, sondern auch ein Spracherlebnis, und mit Grafiken des Autors.

Anfang April kommt dann ein Kindersachbuch zum Thema Sprache: „Wer denkt sich die Wörter aus? – Eine Wort-Schatz-Suche“ von Brigitte Schniggenfittig und Jörg Wagner. Beide Autoren lehren an der Universität Halle und begeben sich sprachspielerisch und unterhaltsam auf eine (Wort-)Schatzsuche der besonderen Art, für Kinder ab 10 Jahren. Das Buch ist so hübsch und spannend, dass es auch für Erwachsene bestens geeignet ist. Parallel und ergänzend zum Buch entsteht die Website sprachfutter.de – mit vielen gesprochenen Texten und weiteren Beispielen.

Ein zweites erzählendes Kindersachbuch zum Thema Gehirn/Denken/Fühlen heißt „Die Brücke. Wie funktioniert dein Gehirn?“ und wurde von Carola Wegerle geschrieben. Es ist für das Grundschulalter geeignet und wird im Mai in unserer Reihe „Schau hinter die Kulissen“ erscheinen. Carola Wegerle erzählt anschaulich und kindgerecht von der Funktion unseres Gehirns und erläutert auch einfache kleine Übungen zur Förderung von Gedächtnis und Konzentration und zur Entspannung nach einem anstrengenden Schultag.

Und ebenfalls im Mai erscheint ein sehr interessanter Roman von Jürgen Meier: „Wöbkenbrot und Pinselstrich“, die Geschichte zweier Familien im vergangenen Jahrhundert. Jürgen Meier erzählt, beginnend im Jahr 1910, die Geschichte der Familie Becker aus Chemnitz und der Familie Meyer aus Ostwestfalen, die sich schließlich durch Heirat verbinden. Eine Geschichte, die durch zwei Weltkriege und die Nazizeit geprägt ist. Der Roman endet mit dem Erzählen von Georg Meyer, der sich von seinem auch nach dem Krieg noch nationalsozialistischen Vater abwendet und der anarchistischen Studentenbewegung beitritt, auf der Suche nach einem Sinn im Leben.

Wer sich noch näher mit den Frühjahrsnovitäten aus dem Verlag beschäftigen möchte, der klicke bitte hier (unter dem Link wird direkt das PDF mit der Vorschau heruntergeladen): Frühjahrsprogramm Mirabilis 2021.

Gewinnspiel

Und nun noch das Gewinnspiel: Was ihr dafür tun müsst? Einfach nochmal in den Text gehen, genau durchlesen und uns folgende Frage beantworten.: Wann wurde der Mirabilis Verlag gegründet? Unter allen richtigen Antworten losen wir eine Gewinnerin/einen Gewinner aus, der dann einen der Frühjahrstitel aus dem Verlag zugesendet bekommt. Das Gewinnspiel wird es auch bei Instagram geben. Wer also hier und dort mitmacht, erhöht seine Gewinnchance. Das Gewinnspiel läuft bis zum 07.03.2021 18:00 Uhr. Viel Glück und dazu noch die Anmerkung: Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

An dieser Stelle sagen wir einfach noch einmal herzlich Dankeschön an Barbara für den Text. Wir von We read Indie wünschen weiterhin gutes gelingen mit dem Verlag und freuen uns auf weitere sehr schöne Bücher.

Bisher auf dem Blog vorgestellte Bücher aus dem Mirabilis Verlag

Und zu guter letzt möchten wir euch noch ein paar der Besprechungen zu den Büchern aus dem Mirabilis Verlag zeigen die es hier bei uns auf dem Blog schon gibt (zwei werden noch zeitnah folgen).

2 Kommentare zu „[Bücherhamstern 2021]: Folge 1 – Mirabilis Verlag

Gib deinen ab

  1. So eine wunderbare Idee, die unabhängigen Verlage durch eine Vorstellung auf Eurer Seite zu unterstützen!! Vielen herzlichen Dank dafür. – Ein Highlight möchte ich aber unbedingt noch ergänzen: die Initiative Schöne Bücher, die Jens Korch von der Edition Wannenbuch ins Leben gerufen hat und die das Schöne-Bücher-Magazin herausgibt. https://www.schoenebuecher.net/verlage/ Daran sind mehr als 50 unabhängige Verlage beteiligt, wir auch. Solche Netzwerke sind sehr hilfreich und auch schön für den Austausch untereinander. — Und das allerneueste Highlight: die Vorstellung meines Verlags hier.

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