[Bücherhamstern 2021]: Folge 4 – Cass Verlag

Jeder, der schon einmal ein Buch vom Cass Verlag in der Hand gehalten hat, der wird bestätigen, dass diese Bücher etwas ganz besonderes sind. Zum einen wirken sie haptisch und von den Randbedingungen her sehr gut ausgearbeitet und wertig. Wenn sogar ein Taschenbuch den Reiz ausübt, es unbedingt behalten zu wollen, dann wurde wirklich viel richtig gemacht (so zum Beispiel beim Taschenbuch von Der Spielplatz der Götter, das sogar einen Schutzumschlag hatte). Heute stellen wir euch den Cass Verlag in unserer losen Reihe Bücherhamstern vor und packen gleich noch etwas mit oben drauf. Und zwar haben wir uns für diese Reihe immer ein Gewinnspiel überlegt. Bisher war es so, dass ihr Bücher aus den aktuellen Programmen der jeweiligen Verlage gewinnen könnt. Doch diesmal ist es ganz anders, denn Katja Cassing, die den Verlag mit ihrem Mann gegründet hat, gibt insgesamt drei Bücher an euch, die es so nicht mehr zu kaufen gibt. Dazu müsst ihr nur folgende Frage beantworten und schon hüpft ihr in den Lostopf:

Von wo aus und in welchem Jahr wurde der Cass Verlag gegründet?

Teilnehmen können alle ab 18 und der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Einsendeschluss der Antworten ist der 30.04.2021. Wir wünschen euch allen viel Glück.

Und nun gibt es den kleinen Text von Katja Cassing, der von der Verlagsgründung handelt und besondere Stationen in dem nunmehr 21-jährigen Bestehen des Verlags. Im Anschluss daran gibt es noch die übliche kurze Fragerunde. Danke an Katja, dass sie sich die Zeit genommen hat, die Fragen zu beantworten und den Text zu schreiben.

Eine ungewöhnlicher Ort der Gründung

Der cass verlag, der einzige Verlag im deutschsprachigen Raum mit dem Schwerpunkt auf japanischer Literatur, wurde im November 2000 gegründet, von Yokohama aus, wo die Noch-nicht-Verleger Katja Cassing und Jürgen Stalph damals ansässig waren. Hinter der Verlagsgründung stand der Wunsch, nicht mehr nur »fremd«zu übersetzen, also uns interessant erscheinende japanische Titel anderen Verlagen anzubieten, sondern sie selbst auf den Markt zu bringen. Unser erstes Buch – Mord am See von Keigo Higashino – erschien 2003.

Das Schöne am Verlegen ist, dass man Programmhoheit hat. Und auch alles andere entscheidet: Satz, Druck, Papier, Ausstattung, Design. Leseband ja, Leseband nein. Format klein, Format groß. Das ist bisweilen mühsam, aber auch erfüllend. Und da unsere Bücher, das stand für uns von Anfang an fest, schön sein sollten, haben wir stets besonderes Augenmerk auf die Umschlaggestaltung gelegt. Meist liegen unseren Covern originäre Holzschnitte, Radierungen oder Zeichnungen japanischer und deutscher Künstler zugrunde; genannt seien u. a.  Maki Shimizu (Berlin), Frank Eißner (Leipzig), Susanne Theumer (Höhnstedt) und Ray Kimura, Takuya Noguchi und Hideki Nagai (alle Tokyo).

Mitunter macht die Covergestaltung aber nicht nur Freude, sondern auch Kopfzerbrechen. Das war zum Beispiel bei Nanae Aoyamas Eigenwetter der Fall. Wir hatten eine perfekt zur Hauptfigur des Romans passende Zeichnung gefunden ‒ sie stammt von Marek Benczewski aus Berlin ‒, in unserer Begeisterung aber nicht bedacht, dass ein Bild allein noch kein Cover macht. Der Titel des Buches und der Name des Autors sollten schon auch auf dem Umschlag stehen. Nur: wohin drucken, wenn man das Bild als Bild leben lassen will? Glücklicherweise hatten wir dann zusammen mit unserer Graphikerin die glorreiche Idee, den Umschlag „Barbara“ (so die Druckerbezeichung) in den Klappen so weit um den Buchblock zu legen, dass sich umgeklappt ein klassisches Cover ergab, und eingeklappt das Bild in seiner ursprünglichen, nicht durch Beschriftung beeinträchtigten Gestalt zu sehen war (s. Foto in der Galerie weiter unten).

Herausforderungen ganz anderer Art können sich bei den Übersetzungen ergeben, an die wir natürlich denselben Anspruch stellen wie an Ausstattung und Programm. Sie sind schließlich das, womit übersetzte Literatur steht und fällt. Bei kniffligen oder gar rätselhaften Stellen kann es vorkommen, dass wir die Autoren zu Rate ziehen, was allerdings keineswegs immer den gewünschten Erfolg zeitigt: Vor Jahren, als ich Choukitsu Kurumatanis Roman Versuchter Liebestod übersetzte, nutzte ich einen Besuch in Tokyo, ein paar übersetzerische Fragen loszuwerden. Bei der wichtigsten schaltete sich Kurumatanis Frau ein, die Lyrikerin Junko Takahashi, und sagte: „Diese Stelle habe ich auch nie verstanden. Was meinst du denn eigentlich damit?“ Das beruhigte mich, allerdings nur kurz. Denn Herr Kurumatani musste auch passen!

Immerhin konnten wir gemeinsam darüber lachen, was mit Ae-ran Kim, einer unseren koreanischen Autorinnen, zu meinem großen Bedauern nur „über Eck“ funktioniert, weil ich kein Koreanisch spreche. Aus eben diesem Grund hatten wir auch nie vor, unser Programm dahingehend auszuweiten. Dass wir es doch getan haben, lag an der Erzählsammlung Lauf, Vater, lauf, die irgendwann auf meinem Schreibtisch landete. Bei der bin ich einfach schwach geworden!

Bereut haben wir diese Ausweitung nicht, und auch keine der vielen anderen Entscheidungen, die wir in den letzten zwanzig Jahren getroffen haben. Und trotz einiger Unbill, die wir wie alle in der Branche zu gewärtigen hatten – den Ausfall aller Messen und so gut wie aller Veranstaltungen, die zeitweise Schließung der Buchhandlungen usw. – gab es für uns im Jahr unserer, japanisch gesehen, Volljährigkeit, einiges zu feiern: Im Frühjahr 2020 wurden wir wie auch schon 2019 mit dem Deutschen Verlagspreis ausgezeichnet, im April und im Mai standen wir mit den Aufzeichnungen eines Serienmörders auf Platz 1 der Krimibestenliste, und im Herbst bekamen wir für denselben Titel den Preis der Hotlist. Das war schön, und es spornt uns an, weiterzumachen mit dem, was wir seit zwanzig Jahren machen: dem deutschen Leser in erstklassiger Übersetzung und schöner Ausstattung herausragende japanische und koreanische Belletristik, moderne Klassiker und bemerkenswerte neue Stimmen vorzustellen.

Wie gewohnt, gibt es noch zum Schluss den kleinen Fragenquikie, den uns die Verlegerin Katja Cassing per Mail beantwortet hat. Vielen Dank nochmal für die ganze Mühe.

Seit wann gibt es euren Verlag?

Seit November 2000.

Was macht euch aus? Spezialitäten?

Unser Programm: Herausragende japanische Belletristik, Kriminalliteratur, moderne Klassiker, historische Japanbeschreibungen und moderne koreanische Literatur.
Unser Vorteil: Wir beherrschen das Japanische in Wort und Schrift, was einen unverstellten Blick auf die japanische Literaturszene und die Auswahl auch solcher Titel erlaubt, die nicht im Fokus der großen Agenturen stehen.

Unser Anspruch: Wir verlegen nur Texte, die wir für literarisch und kulturell bedeutend halten.

 

Eure Geheimwaffe(n), um zu überleben.

Wir setzen in allen Punkten auf Qualität: Programm, Übersetzungen, Buchgestaltung und -ausstattung.

Welche Highlights habt ihr in den zurückliegenden Jahren erlebt?

Die Begegnung mit unserer koreanischen Autorin Ae-ran Kim, einer beeindruckenden Frau. Die zweimalige Verleihung des Deutschen Verlagspreises: wundervolle Würdigung der jahrelangen Arbeit. Und immer wieder der Moment, wenn sich bei der Auslieferung eines Buches Spannung in Freude verwandelt. Wenn sich, mit anderen Worten, die Gewissheit einstellt, dass alles so schön geworden ist, wie man es sich vorgestellt hat.

Warum sollte man eure Frühjahrsnovitäten lesen?

Weil es wichtige Bücher sind – Wakatakes Jeder geht für sich allein (wurde hier schon vorgestellt: klick) ist ein anrührendes, bitterkomisches Buch über Sprache und Identität und das, was es bedeutet Mensch zu sein. Itos Das Romanverbot ist nur zu begrüßen übt scharfe Kritik an der achselzuckenden Lethargie des Menschen angesichts drohender Katastrophen. Beide Werke sind auch formal bemerkenswert. Wakatake arbeitet mit dialektalen Einsprengseln; Ito verzichtet komplett auf Anglizismen und bietet nebenher eine Romantheorie.

 

Ein Kommentar zu „[Bücherhamstern 2021]: Folge 4 – Cass Verlag

Gib deinen ab

Kommentar verfassen - Mit dem Absenden des Kommentars geben Sie gleichzeitig ihr Einverständnis zur Datenschutzerklärung auf dieser Seite

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

Erstellt mit WordPress.com.

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: