We read Indie goes Hotlist – Wir lesen die Hotlist 2021

Am 07.September wird die diesjährige Hotlist zum mittlerweile 12.Mal verkündet. Aus den ehemals 30 Kandidaten werden die 10 besten Bücher aus den unabhängigen Verlagen gekürt. Wer sich jetzt fragt, was denn die Hotlist ist, dem geben wir einen kurzen Überblick.

Die Hotlist ist ein Verein, der sich dem Gedanken verschrieben hat, die unabhängigen Verlage stärker in den Blickpunkt zu rücken. Seit 2009 werden daher mittels der Hotlist die jeweils 10 besten Bücher des jeweiligen Jahres präsentiert und ausgezeichnet. Natürlich dürfen auch alle anderen Bücher nicht vergessen werden, die jedes Jahr aufs Neue eingereicht werden. Das Besondere an diesem Preis ist auch, dass neben Belletristik auch Lyrik, Sachbücher und Comics in die engere Auswahl genommen werden. So ergibt sich jedes Jahr eine bunte Mischung an Titeln, die man sich auf der Website der Hotlist auch nach jeder Preisvergabe noch durchschauen und sich inspirieren lassen kann. Wer also genauer wissen möchte, was die Hotlist ist, was sie macht und wer sich die Einreichungen der letzten Jahre anschauen möchte, der schaut auf den folgenden Link: Klick mich!

In diesem Jahr gehen wir von We read Indie und dem Blog zur Hotlist (wo ihr auch sehr viele gute Titel aus den unabhängigen Verlagen vorgestellt bekommt) nach Jahren wieder einmal eine Kollaboration ein und lesen gemeinsam die diesjährige Hotlist für euch. Einige aus unserem Team präsentieren einzelne Titel auf dem Blog zur Hotlist, führen Interviews mit den Autoren oder den Verlegern der Bücher und überlegen uns vielleicht noch ewas anderes dazu. Die einzelnen Beiträge werden zwar exklusiv auf dem Hotlistblog erscheinen, aber wir verlinken sie nach Erscheinen direkt unter diesem Beitrag, der natürlich laufend aktualisiert wird. Bis zur Verleihung des Preise zur diesjährigen Hotlist auf der Frankfurter Buchmesse lohnt es sich also, öfter mal auch bei uns hier vorbei zu schauen.

Die Hotlist 2021 ist seit Anfang September veröffentlicht. Diese 10 sehr unterschiedlichen, sehr interessanten Titel sind es nun geworden. (Anmerkung der Redaktion: Alle Inhaltsangaben, die hier zu lesen sind, wurden von der Blogseite der Hotlist entnommen.)

  • Maria José Ferrada: Kramp (Bergenberg Verlag)

Inhalt:

Mit Entschlusskraft und dem richtigen Anzug ist alles möglich – selbst als Vertreter für Eisenwaren (Marke Kramp!) in Chile Anfang der 80er Jahre. Und weil Kinderaugen auch Schraubenhändlerherzen schmelzen lassen, nimmt der Vater kurzerhand seine siebenjährige Tochter auf Verkaufstour mit. Die Kleine genießt ihre »Parallelerziehung« auf der Straße, sahnt Lackschuhe und Zigaretten ab und verschweigt ihr Doppelleben dafür der Mutter, die aber ohnehin ganz andere Sorgen zu haben scheint. Da ist der nette Filmvorführer, der zugleich Fotograf und Geisterjäger ist, doch viel unterhaltsamer. Alles könnte für immer so weitergehen, wenn, ja wenn diese Geschichte nicht zu Chiles schlimmsten Zeiten spielte. So aber findet dieses Vater-Tochter-Roadmovie à la »Paper Moon« ein jähes Ende – und damit auch eine Kindheit, die doch so munter glänzen sollte wie ein Fuchsschwanz der Marke Kramp.

Den Beitrag zu diesem Buch findet ihr auf dem Blog der Hotlist: Klick!

  • Ling Mag: New York Ghost (Culturbooks)

Inhalt:

Candace Chen treibt recht ziellos durch ihr New Yorker Leben. Tagsüber arbeitet sie in einem Büroturm in Manhattan – sie ist zuständig für die Herstellung von Bibeln in China – und abends sieht sie sich mit ihrem Freund in ihrem Kellerappartement Filme an. Seit ihre Eltern, mit denen sie als Kind aus China in die USA eingewandert ist, vor nicht allzu langer Zeit gestorben sind, hat sie genug von jeder Form der Unsicherheit. So hingebungsvoll folgt sie ihren täglichen Routinen, dass sie erst gar nicht bemerkt, wie tödliche Pilzsporen Virus über New York hereinbrechen – ins Land gekommen durch billige, in China hergestellte Konsumgüter. Auch durch ihre Bibeln! Das Shen-Fieber greift rasant um sich: Geschäfte schließen. U-Bahnen stehen still. Menschen fliehen. Ihre Chefs überzeugen sie mit der Aussicht auf eine große Prämie, im Büro die Stellung zu halten. Bald ist sie fast ganz allein in New York, fotografiert – noch immer ohne Fieber – die unheimliche, verlassene Stadt und stellt die Fotos auf ihren anonymen Blog NY Ghost. Aber schließlich muss auch Candace die Stadt verlassen und schließt sich einer Gruppe Überlebender an – angeführt von dem machthungrigen IT-Techniker Bob. Sie machen sich auf zu einem Ort namens »Die Anlage«, wo sie, wie Bob verspricht, alles haben werden, was sie brauchen, um eine neue Gesellschaft zu begründen. Doch Candace trägt ein Geheimnis in sich, von dem sie weiß, dass Bob es ausnutzen wird. Soll sie vor ihrem Retter fliehen? Ling Mas hochaktuelles und preisgekröntes Debüt ist eine bewegende Familien- und Migrationsgeschichte, eine originelle Endzeiterzählung und ein aufschlussreicher Pandemieroman. Die beißende Satire auf den modernen globalen Kapitalismus entwirft eine erschreckende Vision dessen, was danach kommen könnte … »Klug, witzig, menschlich und außerordentlich gut geschrieben.

Dieses Buch wird von unserer Autorin Marina aka Nordbreze gelesen. Ihren Beitrag findet dann auf dem Blog der Hotlist: Klick!

  • Anna Albinus: Revolver Christi (edition.FotoTAPETA)

Inhalt:

Im Sommer 2018 zieht die alle zehn Jahre stattfindende Wallfahrt zum Revolver Christi so viele Besucher an wie nie zuvor. Ausgestellt ist neben der Reliquie in der Kathedrale auch eine der drei erhaltenen Ikonen des Christus an der Waffe. 110 Jahre nach dem Tod eines Elektrikerlehrlings, den man mit einem Kopfschuss aus dem Revolver Christi getötet auf den Stufen des Chorraums auffand, fällt in der Kathedrale erneut ein Schuss… Mit ihrer Novelle nimmt Anna Albinus in einem klassischen, eleganten Erzählton unmerklich Anlauf, als wäre nichts, und unversehens findet man sich in einer anderen Welt. Jesus? Ein Revolver? Geht das zusammen? Es gibt Tote und einen Kommissar, und doch hat die Novelle wenige von einer Crime Story. Sie streift wie selbstverständlich allerlei ernsten Stoff: das Spektakel als Angebot der Kirchen; die Inszenierung des Musealen; das Existentielle im Glauben mancher, die glauben wollen, die Zerreißprobe zwischen Gewalt und Glauben. Oder vielleicht ist das alles nicht so ernst gemeint…?

Den Beitrag zu diesem Buch findet ihr auf dem Blog der Hotlist: Klick!

  • Katharina Volckmer: Der Termin (Kanon Verlag)

Inhalt:

In einer Londoner Praxis entblößt sich eine junge Frau aus Deutschland vor ihrem Arzt Dr. Seligman. Obwohl sie nur seinen Hinterkopf sehen kann, vertraut sie ihm ihr Innerstes an: ihre heimliche Lust, ihre Schuldgefühle und ihr Ringen um sich selbst. Obwohl sie sich von ihrer katholischen nachkriegsdeutschen Familie abgewandt hat und seit Jahren in London lebt, verfolgen sie die alten Geister. In einem messerscharfen Monolog nabelt sie sich noch einmal von ihrer Vergangenheit, aber auch von ihrer Gegenwart ab. Vom Umkleiden in der Badeanstalt bis zum Toilettenfick in der Bar begleiten wir eine junge Frau, die sich von ihrer Scham, ihrer Kultur und ihrer Geschlechtlichkeit fundamental befreit.Den Beitrag zu diesem Buch findet ihr auf dem Blog der Hotlist: Klick! (Noch nicht veröffentlicht)

Den Beitrag zu diesem Buch findet ihr auf dem Blog der Hotlist: Klick! (Noch nicht veröffentlicht)

  • Grig: Jesus‘ Katze (Kolchis Verlag)

Inhalt:

Bei seinen Spaziergängen durch die armenische Hauptstadt Jerewan stosst der junge Student Grig immer wieder auf merkwürdige, skurrile Personen und Situationen. Seine Erzählungen sind nah am Alltagsleben Jerewans situiert und heben doch immer wieder davon ab. Mit seinem schlichten Stil fesselt der Autor seine Leserinnen und Leser vom Beginn an und irgendwann fragen sie sich staunend, ob Jesus vielleicht tatsächlich eine Katze hatte…

Dieses Buch wird von unserer Autorin Katharina Severa gelesen. Ihren Beitrag findet dann auf dem Blog der Hotlist: Klick! ( Noch nicht veröffentlicht)

  • Adelheid Duvanel: Fern von hier (Limmat Verlag)

Inhalt:

Adelheid Duvanels Erzählungen sind Momentaufnahmen aus dem Leben von meist versehrten Existenzen, die sich aber in ihren fatalen Verhältnissen mit schlafwandlerischer Sicherheit bewegen. In ihrem eigensinnigen Beharren auf ihrer Sicht der Welt bewahren sie sich ihre Würde gegen die Zumutungen des Lebens. Ja, sie finden gerade in der Abweichung vom Verlangten eine Kühnheit, die den Texten ihre umwerfende Energie gibt. Sie sind von hoher poetischer Präzision, jede Figur «in Einzelanfertigung». Trotz ihres manchmal finsteren Inhalts leben die Texte von überraschenden, absurden Wendungen und einer wunderbaren hintergründigen Komik. Diese Ausgabe vereinigt erstmals sämtliche in Buchform sowie in Zeitschriften, Zeitungen und Anthologien erschienenen Erzählungen Adelheid Duvanels in einem Band, der dieser grossartigen Autorin wieder den Platz in der Literatur einräumt, der ihr gebührt.

Den Beitrag zu diesem Buch findet ihr auf dem Blog der Hotlist: Klick! (Noch nicht veröffentlicht)

  • Tatiana Tibulaec: Der Sommer, als Mutter grüne Augen hatte (Schöffling Verlag)

Inhalt:

Der siebzehnjährige Aleksy verabscheut seine Mutter, denn sie ist hässlich und hat als Mutter versagt. Als sie ihn aus dem Erziehungsheim abholt, will er nichts von ihr wissen. Trotzdem lässt er sich zu einem gemeinsamen Urlaub in Frankreich überreden, Bestechungssumme: ihr Auto. Kaum angekommen in dem kleinen Dorf, in dem er sich fremd fühlt und nur mühsam mit den kauzigen Bewohnern zurechtkommt, erfährt er, wie es in Wahrheit um seine Mutter steht. Ihn verfolgen fortwährend schmerzliche Erinnerungen aus der Kindheit, und die ungewohnte Sorge um die Mutter überschattet sein erstes unbeholfenes Liebesglück. Nach diesem Sommer ist in seinem Leben nichts mehr, wie es einmal war. 

Dieses Buch wird von unserem Autor Marc von Lesen macht glücklich gelesen. Seinen Beitrag findet dann auf dem Blog der Hotlist: Klick! ( Noch nicht veröffentlicht)

  • Salih Jamal: Das perfekte Grau (Septime Verlag)

Inhalt:

Das ist die Geschichte von Novelle, Rofu, Mimi und von mir. Rofu hat nur ein Ohr und ist über das Meer gekommen. Aus Afrika. Mimi ist Engländerin. Sie hat ihren Mann umgebracht, nun versteckt sie sich unter Perücken und hinter dunklen Brillen. Novelle ist noch sehr jung. Sie liebt Mangas und die Sauferei. Manchmal fährt sie einfach aus der Haut oder sie hört Stimmen. Den komischen Namen hat sie von ihrer Mutter. Als unsere Geschichte damals losging, wusste ich das alles noch nicht. Ich, ich heiße Ante, aber alle nennen mich Dante. Wegen des Infernos. Ich bin, genau wie die anderen, auch auf der Flucht.

Ich glaube, vor mir selbst.

Alles fing damit an, dass zwei Polizisten wegen Mimi in dem Hotel, in dem wir gearbeitet hatten, auftauchten. Ich könnte jetzt noch erzählen, wie Novelle verschwunden und wieder aufgetaucht ist, was wir in Berlin getrieben haben oder wie wir Erleuchtung beim Pilgern nach Altötting erlangten. Aber darum geht es in der Geschichte ja eigentlich gar nicht. Es geht nämlich darum, dass wenn wir schon vor irgendwem oder irgendetwas fliehen, wir uns besser nicht vor unseren Dämonen wegducken sollten. Weil man sonst immer ein Geflüchteter bleiben wird und niemals wo ankommt.

Und es geht auch um Heimat, die wie eine Haut ist. 

Dieses Buch wird von unserem Autor Marc von Lesen macht glücklich zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres gelesen. Seinen Zweiteindruck findet dann auf dem Blog der Hotlist: Klick!

  • Anton der Kom: Wir Sklaven von Suriname (Transit Verlag)

Inhalt:

Anton de Koms Buch wurde 1934 zum ersten Mal in Amsterdam veröffentlicht, dann zensiert, dann verboten. 1980 wurde es wiederentdeckt und 2020 in der holländischen Originalfassung veröffentlicht – und zum Bestseller. Das ist angesichts seiner politischen Aktualität nicht verwunderlich, es ist nicht nur eine Biographie, es ist eine Anklage gegen Rassismus, Ausbeutung und koloniale Unterdrückung – und deshalb so aktuell.

De Kom, Nachkomme surinamesischer Sklaven, Journalist und politischer Aktivist, von der holländischen Kolonialmacht verfolgt, ausgewiesen, inhaftiert und nach Protesten wieder frei, war einer der Ersten aus den europäischen Kolonien in Amerika, der in einem eindrücklichen und spannenden Manifest gegen den Kolonialgeist, gegen die brutale Unterdrückung und Versklavung, gegen die Überheblichkeit und Arroganz der weißen Eroberer protestierte. Er erzählt, wie Suriname (Nordostküste Südamerikas) erobert wurde, wie das »Eldorado« mithilfe von Sklaven ausgeplündert, die Eingeborenen vertrieben und teilweise durch »importierte« Sklaven aus Indonesien und Afrika ersetzt wurden. Und er entwirft das Bild einer internationalen menschlichen Gemeinschaft, die von Gleichheit, Toleranz und Solidarität geprägt ist. Dieser Haltung blieb er trotz aller Verfolgungen treu. Während des Zweiten Weltkriegs schloss er sich dem holländischen Widerstand gegen die Nazi-Besatzung an, wurde von der Gestapo verhaftet und nach Deutschland deportiert, wo er im April 1945 im Konzentrationslager Neuengamme (bei Hamburg) starb.

Den Beitrag zu diesem Buch findet ihr auf dem Blog der Hotlist: Klick!

  • Judith Fanto: Victor (Urachhaus)

Inhalt:

Geertje weiß, dass sie Jüdin ist. Aber was bedeutet das eigentlich? In ihrer Familie erhält sie keine Antworten. Und dennoch spürt Geertje, dass es einmal ein ganz anderes Leben für ihre Familie gegeben haben muss – damals, im Wien Gustav Mahlers nach der Jahrhundertwende. 

Von den Angehörigen, die schon längst tot sind, deren Anwesenheit Geertje aber trotzdem noch wahrzunehmen meint, scheint Viktor eine besonders schillernde Gestalt zu sein. Er ist von einem Geheimnis umgeben, das nichts mit seinen Frauengeschichten und anderen zweifelhaften Machenschaften zu tun haben kann. 

Überschattet von den Ereignissen des 20. Jahrhunderts, lebt Geertjes Familie noch immer so, als wäre der Krieg nie zu Ende gegangen. Geertje weiß, dass dies nicht ihr Weg sein kann. Mit aller Kraft versucht sie, sich von dem Trauma zu befreien, das ihre Familie seit Generationen gefangen hält.

Basierend auf der wahren Geschichte der Wiener Familie Fanto, erzählt Judith Fanto in diesem preisgekrönten Debüt zutiefst berührend und zugleich humorvoll von einer Frau, die sich auf die Suche begibt: nach ihren verschütteten jüdischen Wurzeln, nach Spuren von Viktor – und nach den Mächten, die aus der Vergangenheit bis heute auf sie einzuwirken scheinen. 

Dieses Buch wird von unseren Autorinnen Kathrin Schwarz und Katrin Schüßler gelesen und einer Doppelbesprechung auf dem Blog der Hotlist vorgestellt: Klick!

Beitrag wird bis Mitte Oktober laufend aktualisiert.

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