Es geschah vor 20 Jahren an einem blauen, sommerlichen Septembermorgen

Terror, in einer noch nie dagewesenen Form

Der 11.September oder auch 9/11 sind zu einem Synonym geworden für Terror, der sich unter dem Deckmantel des Islam gegen die westliche Zivilisation, dabei besonders kapitalistische Systeme richtet. Dieser Tag spaltete die Zeitrechnung in ein davor und ein danach auf. Davor gab es eine Zeit des Aufbruchs, der Hoffnung das sich alles zu einer besseren Zeit wendet. Der kalte Krieg war vorbei, das geteilte Deutschland wieder vereint, eine Zeit der Ruhe und Besinnung schien einzutreten, die zwar ebenfalls durch Kriege und Auseinandersetzungen durchdrungen war. Vergleicht man das aber mit dem Danach war es wirklich eine ruhigere Zeit. Doch dieser Terroranschlag, der sich in noch nie gesehener Zerstörung gegen den Westen richtete veränderte alles und wirkt noch bis heute nach, wie die aktuellen Bilder aus Afghanistan und Kabul beweisen, die ohne den 11.September nicht denkbar wären, da es schlicht keinen Krieg gegen die Taliban gegeben hätte oder in einer anderen Form. Aber sich alltägliche Situationen, wie die Kontrollen am Flughafen oder dir alltägliche Überwachung von öffentlichen Plätzen wäre ohne diesen Anschlag nicht in dem Ausmaß eingetreten.

Nun jährt sich dieses Ereignis zum bereits 20.Mal und man kann behaupten, dass Terroranschläge auf der ganzen Welt zu einer neuen Normalität geworden sind. Seitdem die Zwillingstürme des World Trader Center in New York in sich zusammenstürtzten gab es auf der ganzen Welt immer wieder schreckliche Anschläge gegen den Westen und seinen freiheitlichen Strukturen. Sei es in London gewesen, Berlin, Madrid, Paris oder Nizza, all diese Städtenamen und natürlich noch einige mehr lassen sich auch auf den Terror in New York zurückführen und haben unser aller Leben für immer verändert.

Ein Ereignis in fast lyrischer Betrachtung

Mit dem kleinen Büchlein „Die Tage des Rauchs“ von Ellis Avery, erschienen im Lilienfeld Verlag und übersetzt von Alex Stern, kommen die Bilder von damals in sehr bedrückender und eindrücklicher Weise in Textform wieder ans Tageslicht. Wer erinnert sich nicht, was er damals an diesem 11.September getan hat, bevor ihn die Berichterstattung über dieses Ereignis in den Bann zog? Selbst banalste Tätigkeiten sind so im Gedächtnis mit diesem Terroranschlag verbunden, sei es der Shoppingtag mit der besten Freundin oder der Familienausflug gewesen. Zumindest hatte dieser Tag, ein Dienstag, perfektes Wetter zu bieten und konterkarierte damit die schrecklichen Bilder der brennenden Türme und der Menschen die an diesem Tag und in den Wochen danach ihr Leben verloren.

Die Autorin schrieb zu ihren Lebzeiten jeden Tag ein Haiku auf, um in den Tag zu starten (zumindest wird das so im Nachwort von ihrer Lebensgefährting so beschrieben). Diese lyrische Herangehensweise an bestimmte Stimmungen und Ereignisse spürt man den Textpassagen in „Die Tage des Rauchs“ ebenfalls an, auch wenn es keine Gedichte sind. In kurzen, anfänglich orientierungslosen Sequenzen zeigt Ellis Avery noch einmal, wie sich dieser Anschlag in das kollektive Gedächtnis der Menschen gebrannt hat. Wie sie erst gar nicht so richtig wahrhaben will, was da passiert, nur um es dann umso intensiver in sich aufzunehmen. Das wird besonders in den Tagen deutlich, die sie mit ihrer Freunding zum Zwecke einer Wohungsauflösung zum Ende der 10 Tage nicht in New York verweilt und dabei merkt, wie sich der Geruch des Verbrannten vom Ground Zero in ihrer Nase festgesetzt hat. Oder wie die Menschen in San Francisco ihr Leben so weiterleben, als sei gar nichts weiter geschehen, während in New York alles noch auf Null gestellt scheint.

Ein eindringliches, kompaktes Buch

Ellis Avery hat mit „DieTage des Rauchs“ ein komprimiertes Tagebuch geschrieben, das in sehr eindringlichen Worten aufzeigt, was dieser Tag in der Seele der New Yorker angerichtet hat und wie sie wieder aufstanden, um gegen diesen Schmerz und die Wut anzukämpfen. Zumindest aus der Sicht der Autorin. Dabei stellt dieses Buch, das im Original schon 2003 erschienen ist, keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder gar, dass die Autorin über alles Bescheid weiß. Manche Tätigkeiten haben mit den Anschlägen im ersten Moment gar nichts zu tun und doch wirkt dieser immer im Hintergrund mit. Zwanzig Jahre! Eine lange Zeitspanne und doch wirken die Bilder auch durch dieses Tagebuch so, als wäre es erst vor einigen Wochen oder einem Jahr passiert. In den nächsten Tagen werden sicher viele Dokumentationen wiederholt werden oder dieser Tag in seinem geschichtlichen Kontext analysiert. Doch um zu verstehen, was in den Menschen passierte, die das alles aus nächster Nähe erleben mussten, dem kann man nur so ein Buch wie „Die Tage des Rauchs“ ans Herz legen.

Ellis Avery
Die Tage des Rauchs – 11.-21.September 2001

Aus dem amerikanischen Englisch von Alex Stern
Lilienfeld Verlag
152 Seiten
18 Euro

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