Ein Spiel mit der Literatur

Gal Ackerman macht es seinen Leser*innen nicht leicht. Der Schriftsteller hat ein großes Ziel: Den Roman seines Lebens zu schreiben. Dafür sammelt, archiviert, korrigiert, schreibt er Seiten um Seiten, erbaut ein persönliches Archiv, um am Ende mit diesem Roman seine große Liebe Nadja zu erreichen. Nur kommt es dazu nicht mehr. Gal Ackerman stirbt und hinterlässt eine Mammutaufgabe. Wie soll aus all diesen Notizen, Artikeln und Tagebüchern ein Roman werden? Sein Freund Néstor Oliver Chapman stellt sich den Papierbergen und taucht zwei Jahre lang in das Leben von Gal Ackerman ein, um „Brooklyn“, den nicht fertiggestellten Roman, zu beenden.

Das ist, sehr verkürzt, die Geschichte von „Brooklyn soll mein Name sein“ von Eduardo Lago. Und dabei ist der Roman so viel mehr. Wir Leser*innen begleiten Néstor Oliver Chapman bei der Suche in der Vergangenheit, die sich von den USA bis hin nach Spanien bewegt. Der Spanische Bürgerkrieg, eine Bar in Brooklyn, dänische Matrosen und eine Bruderschaft finden hier zusammen und erweisen schlussendlich Gal Ackerman auf einem kleinen Friedhof an der Atlantikküste die letzte Ehre.

Wir arbeiten uns gemeinsam mit Néstor durch die hinterlassenen Aufzeichnungen, einzig mit dem Ziel, Nadja zu finden. Nadja, die einzige große Liebe von Gal, die ihn verlassen hat und doch immer wieder zurückgekommen ist. Ob sie das auch dieses Mal tun wird? 

Die vielen unterschiedlichen Textfragmente machen es nicht nur Néstor schwer, einen geordneten Roman zusammenzusetzen. Auch als Leser*in ist man von den vielen Sprüngen, Querverweisen, Einschüben und Erläuterungen erschlagen. Und doch fügt sich am Ende alles zu einer Geschichte, die einen in ihren Bann schlägt. 

„Gar nicht so schlecht, oder Gal? Die Dialoge ohne Anführungszeichen, verwoben mit der Handlung, so, wie es dir gefiel. Und jetzt werde ich etwas tun, das ich ebenfalls von dir gelernt habe: Fragmente meines Tagebuchs einfügen …“ (Seite 82)

„Brooklyn soll mein Name sein“ ist ein Spiel mit der Literatur. Ein Buch über Bücher und das Verfassen und Lesen von Büchern. An manchen Stellen wirkt das Ganze etwas bemüht, beispielsweise gibt es im Anhang ein seitenlanges Personenregister, in dem das Romanpersonal noch einmal einzeln vorgestellt wird, dazu noch eine separate Chronologie der geschilderten Ereignisse. 

Trotzdem ist „Brooklyn soll mein Name sein“ eine lohnende Lektüre, die den Charme Brooklyns und seiner Bewohner*innen auf ganz eigene Weise einfängt. 

Eduardo Lago
Brooklyn soll mein Name sein
Aus dem Spanischen übersetzt von Guillermo Aparicio
464 Seiten
25 Euro/ Kröner Verlag

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