We read Indie goes Hotlist – Edition 2022

Im letzten Jahr sind wir mit dem Magazin der Hotlist eine kleine Kooperation eingegangen und haben ein paar der Bücher, die auf der erweiterten Liste standen (die 30 Bücher, die letztenendes für die Hotlist in Frage kamen) besprochen. Da das einigen von uns so viel Spaß gemacht hat, sind wir diese Koopertion in diesem Jahr erneut eingegangen und haben zu einigen der Bücher, die auf der Hotlist standen, die Besprechungen für das Magazin beigesteuert. In diesem Jahr waren wir sogar so gut, dass einige der besprochenen Bücher dann sogar in den engen Zirkel vorgedrungen sind, über die morgen entschieden wird, welches Buch den Preis der Hotlist und den Dörlemann ZuSatz entgegennehmen darf. Die Besprechungen sind exklusiv für das Magazin der Hotlist entstanden, allerdings wollen wir euch an dieser Stelle natürlich auch an diesen Besprechungen und damit auch den entsprechenden Büchern teilhaben lassen. Daher stellen wir euch die Bücher an dieser Stelle kurz anhand von Ausschnitten dieser Besprechungen vor und verlinken die kompletten Beiträge in der Überschrift zum jeweiligen Beitrag. In diesem Link findet ihr dann auch alle weiteren Informationen zum Buch und könnt euch auch im Magazin der Hotlist umschauen, das wir euch natürlich auch sehr ans Herz legen möchten.
Außerdem haben wir auf unserem Blog auch noch ein paar der Bücher der diesjährigen Hotlist besprochen. Diese sind nicht exklusiv beim Magazin der Hotlist erschienen, sollen aber an dieser Stelle ebenfalls nicht unerwähnt bleiben. In diesen Beiträgen verlinken wir euch

Viktor Funk: Wir verstehen nicht, was geschieht (Verbrecher Verlag)

In Viktor Funks Roman Wir verstehen nicht, was geschieht aus dem Verbrecher Verlag geht es um ein großes Thema – das Gulagsystem der Sowjetstaaten unter Stalin und was es mit den Menschen gemacht hat, die davon betroffen waren, sei es als Gefangene oder auch als Wärter. Funk rückt Menschen in den Mittelpunkt, die diesen Mordapparat Stalins überlebt haben, und fiktionalisiert ihre Geschichten. Mit allem Herzblut, das merkt man jeder einzelnen Seite an. Es geht zwar vornehmlich um ein einzelnes Schicksal, aber der Autor, ein gebürtiger Kasache, bringt auch noch anhand von eingebauten Interviews andere Stimmen zum Klingen, sodass ein vielfältiges Bild davon entsteht, wie tiefgreifend die Deportationen von politischen Feinden in die russische Gesellschaft und Seele eingegriffen hat.

Alexander spürte wieder die Müdigkeit. Er schaute auf die Uhr, kurz nach eins. Nur noch vier Stunden bis Petschora. Er schloss das Notizbuch, schaltete das kleine Licht aus, hörte in der Dunkelheit, wie Lew atmete, und schlief ein.

Viktor Funk – Wir verstehen nicht, was geschieht

Viktor Funk
Wir verstehen nicht, was geschieht

Verbrecher Verlag
156 Seiten
20 Euro

Alice Grünfelder: Wolken über Taiwan (Rotpunktverlag)

Noch während der Lektüre von Wolken über Taiwan überschlugen sich die Ereignisse in der Inselrepublik. Nancy Pelosi, die Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses, war nach Taiwan gereist, was seitens Chinas nicht gern gesehen wurde, denn es erkennt Taiwan nicht als eigenständigen, souveränen Staat an, sondern vielmehr als eine abtrünnige Provinz seines Reiches. Dabei erlebt Taiwan eine sehr florierende Demokratie, darf aber aufgrund seines Status und den ewigen Drohgebärden vom Festland her an keiner der demokratischen Institutionen dieser Welt teilnehmen, wenn nicht schwerwiegende diplomatische Krisen hervorgerufen werden wollen. Allein der Besuch der US-Politikerin hatte eine tagelange kriegerische Übung des chinesischen Militärs in der Meeresstraße zwischen China und Taiwan zur Folge.

Frieden gebe es nur, wenn beide Seiten daran interessiert seien, mailt sie zurück. Und wenn die eine Seite immer aggressiver agiere und den Bedrohungspegel anhebe, habe das Reden über Frieden keinerlei Bedeutung. Mit Aufrüstung werde Abschreckung bewirkt, damit eine Invasion für China teurer wird.

Alice Grünfelder – Wolken über Taiwan (Kapitel F – Frieden)

Alice Grünfelder
Wolken über Taiwan

Rotpunkt Verlag
264 Seiten
29 Euro

Aphra Behn: Werke (AvivA Verlag)

Wenn es um eine der ersten bekannten freien Autorinnen Großbritanniens geht, dann lohnt sich ein Blick in Virginia Woolfs Ein eigenes Zimmer von 1928. Damit folgen wir auch den Spuren des Herausgebers Tobias Schwartz. Er erzählte bei einer Veranstaltung des Literaturhauses Berlin (und in seiner Danksagung), dass er über diesen Essay auf die in Deutschland unbekannte und in Großbritannien wiederentdeckte Autorin aus dem 17. Jahrhundert gestoßen war, die wiederum zu den vorliegenden Werkauswahl im AvivA Verlag geführt hatte.

Woolf widmet ihren literarischen Vorgängerinnen darin ein eigenes Kapitel. Die Autorin Aphra Behn (1640–1689) würdigt sie in ganz besonderer Weise. Sie hebt hervor, dass sie als Frau im 17. Jahrhundert durch besondere Umstände „gezwungen war, ihren Lebensunterhalt mit ihrem Verstand zu verdienen“. Dank Behn sei das Schreiben für eine Frau realistisch und ernsthaft geworden. Ihre Bedeutung für die weibliche Autorschaft sei so groß gewesen, dass „alle Frauen zusammen“, so Woolf, „Blumen auf das Grab von Aphra Behn fallen lassen sollten.“ Tatsächlich ist sie im Kreuzgang von Westminster Abbey beigesetzt worden. Der Grabstein trägt die Inschrift „Here lies a Proof that Wit can never be Defence enough against Mortality“ (Hier liegt ein Beweis dafür, dass selbst Geist und Witz nie genug Schutz gegen die Sterblichkeit bieten).

Apha Behn
Werke Band 1 und 2
AvivA Verlag
620 Seiten (2 Bände im Schuber)
49 Euro

Atsuhiro Yoshida: Gute Nacht, Tokio (cass verlag)

Viele reden immer über diese besondere Stunde nach Mitternacht, auch Geisterstunde genannt. Doch was passiert danach? In der Zeit nach ein Uhr? Ist diese nicht auch besonders, gerade in Städten wie Tokio, die niemals zu schlafen scheinen? Genau dieser Zeit nimmt sich der Roman Gute Nacht, Tokio des japanischen Book Designers und Schriftstellers Atsuhiro Yoshida aus dem cass verlag an – denn er spielt nur nachts. Jedes Kapitel beginnt exakt um ein Uhr und handelt während der Spanne, in der die Nacht am dunkelsten ist bis hinein in die frühen Morgenstunden. Dementsprechend sind die Figuren sehr skurril gezeichnet und benehmen sich auch teilweise wie Nachtschatten. Es sind Charaktere, die am Tag gar nicht zurechtkommen würden. Vielmehr sind es Menschen, die ihren Rhythmus an die Nacht angepasst und sich in dieser eingerichtet haben. Ihnen gibt Yoshida eine Bühne und beschreibt sie in einem wirklich berührenden Ton.

Die Uhr schlug eins.
Mitsukis trug sie am Arm, eine Wanduhr, und da sie schlug, bevor die anderen Uhren in der Lagerhalle schlugen, ging sie wohl vor. Wie um die Wette zeigten kurz darauf mit dumpfen, mit trockenen, mit hellen Schlägen auch die anderen Uhren ein Uhr an.

Atsuhiro Yoshida – Gute Nacht, Tokio

Atsuhiro Yoshida
Gute Nacht, Tokio

Cass Verlag
191 Seiten
22 Euro

Noemi Somalvico: Ist das hier das Jenseits, fragt Schwein (Voland&Quist)

Dem Himmel ist heute keine Farbe gelungen.

Noemi SomalvicoIst das hier das Jenseits, fragt Schwein

So beginnt die Geschichte rund um Schwein, Dachs, Reh und Gott und gibt in wenigen Worten den Ton für die nächsten Seiten an. In acht Episoden erzählt Noemi Somalvico in ihrem Debütroman von ungewöhnlichen Begegnungen und gewöhnlichen Problemen ihrer tierischen und göttlichen Protagonist*innen. Im Anfang war da Schwein, das alleine in seiner Wohnung sitzt, nachdem es verlassen wurde. Daneben gibt es Dachs, der einen neuartigen Apparat erfunden hat, Reh, die in der Beziehung mit Hirsch nicht weiter kommt und Gott, der mit dem Gedanken spielt auszuwandern. Der Apparat von Dachs bringt nun alle an Gottes Küchentisch zusammen, na gut, fast alle, denn Reh bleibt zurück, während Schwein, Dachs und Gott über die Erde wachen, Gottes Schwester aus dem Weg gehen und in einem Ferienressort namens Paradies stranden, weil sie nicht mehr zurück finden.

Hier findet ihr die Besprechung vom Magazin der Hotlist: klick.

Noemi Somalvico
Ist das hier das Jenseits, fragt Schwein
Voland & Quist
144 Seiten
18 Euro

Wlada Kolosawa: Der Hausmann (Leykam Verlag)

Scrollte mensch sich durch die diesjährige erweiterte Hotlist, also den Kreis aus 30 Büchern, über den auch das Publikum abstimmen konnte, stolperten wohl viele beim Betrachten der Cover über ein Buch, dass ganz sicher erst auf den zweiten Blick gefallen dürfte. Das quietschgelbe Cover und die Bilder vorne darauf, die im Comicstil abgebildet sind, erscheinen ersteinmal nicht einladend. Beim ersten Vorstellen des Buches auf Instagram war das der einhellige Tenor, dass dieses Buch auf den ersten Blick garantiert im Laden bleiben würde. Auch beim Durchlesen des Plots zu „Der Hausmann“, denkt mensch im ersten Moment, nuja, typischer Großstadtroman, der auch noch in Berlin spielt, mit einem ultrahippen Pärchen, er in der Rolle des titelgebenden Hausmanns, sie in einem in einem Job bei einem Start Up usw usf. Das wäre die erste Schicht, die gewöhnliche. Doch zum Einen machen alle einen Fehler, wenn sie dieses Buch nicht zumindest einer detaillierteren Studie unterziehen und zum anderen hat die Autorin Wlada Kolosowa in ihrem im Leykam Verlag erschienenen Buch noch ein paar Erzählebenen mehr angelegt als nur dieses Pärchen zu zeigen, sie verpackt diese ganze Story auch noch richtig toll in verschiedene Stile. So wird dieses Buch zu keiner Zeit langweilig und kann sogar als Jahreshighlight angesehen werden. Doch worum geht es denn genau?

Hier findet ihr die Besprechung vom Magazin der Hotlist: klick.

Wlada Kolosawa
Der Hausmann

Leykam Verlag
320 Seiten
24,50 Euro

Roman Israel: Nektar Meer (edition überland)

Platzhalter für die bald kommende Besprechung auf unserem Blog, denn das Buch wird noch gelesen. Versprochen!

Hier findet ihr die Besprechung vom Magazin der Hotlist: klick.

Roman Israel
Nektar Meer

edition überland
384 Seiten
26,80 Euro

Artem Tschech: Nullpunkt (arco Verlag)

Ein Leben an der Front, bei der Armee, unter Bedingungen, die sich kein Mensch so richtig vorstellen kann? Diesen Zustand beschreibt Artem Tschech in seinem Buch Nullpunkt, der den Krieg in der Ostukraine zum Thema hat, lange bevor Putin in die Ukraine einmarschierte. Und doch bedingt der beschriebene Krieg den aktuellen, denn was 2014 mit dem Donbass und der Krim losgetreten wurde, gipfelte in den aktuellen Ereignissen seit dem Februar 2022. Nullpunkt behandelt den Krieg in der Ostukraine aus der Sicht Artem Tschechs, der im zivilen Leben als Autor sein Geld verdient und bis dato schon einige Werke auf Ukrainisch veröffentlicht hat. Auf Deutsch wurde bisher nur das vorliegende Buch im Arco Verlag veröffentlicht. Eine eindringliche Lektüre, die weniger die große Politik beschreibt, sondern vielmehr die Sorgen und Nöte der einzelnen Soldaten im Feld – und das teils lustig, teils erschreckend, teils kritisch.

Artem Tschech
Nullpunkt
arco Verlag
200 Seiten
20 Euro

Ein Kommentar zu „We read Indie goes Hotlist – Edition 2022

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