Indiebookchallenge, Woche 1: Blau, blau, blau sind alle meine Kleider

Heimlich, still und leise scheint sich Blau als die Indiebuch-Farbe gemausert zu haben: Das Logo von We Read Indie ist in Blau gehalten, genauso das vom Indiebookday – und das erste Wochenthema der neu ins Leben gerufenen Indiebookchallenge lautet, exakt, „Blau“. Weiterlesen „Indiebookchallenge, Woche 1: Blau, blau, blau sind alle meine Kleider“

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Andrea Scrima: Wie viele Tage

Es sind die kleinen Momente, die manchmal das Leben ausmachen, der weggeworfene Kaffeebecher, ein Lichtstrahl, der verstaubte Gegenstand, bedeutungslos für alle außer der einen Person, die ihn mit Erinnerung und Wert auflädt. Andrea Scrimas Debütroman „Wie viele Tage“ zeichnet sich durch die Melancholie seiner Ich-Erzählerin aus, die zwischen zwei Kontinenten auf der Suche nach Heimat und der eigenen Identität ist.

„Jeder in seiner eigenen Welt, seinem eigenen persönlichen Universum, all diese imaginären Räume und Landschaften, die in den Köpfen der Leute existieren, koexistieren, kollidieren … Sie alle sehen etwas, das nicht da ist.“

Sie lebt im East Village, Williamsburg und Kreuzberg der achtziger und neunziger Jahre, die Protagonistin in Andrea Scrimas mosaikartigem Roman „Wie viele Tage“. Doch von wenigen äußeren Umständen, die angedeutet werden, abgesehen, spielt sich dieser Roman in der Gedanken- und Emotionswelt der Ich-Erzählerin ab. Es sind die kleinen Beobachtungen, die das Leben zu dem machen, was es ist, denn sie bestimmen die subjektive Wahrnehmung der Realität, und nicht die großen Erschütterungen der Zeit, der Außenwelt. Die Ästhetik liegt im Gewöhnlichen und Alltäglichen. In einer der poetischsten Stellen des Romans wird die Protagonistin Zeugin des Moments, bevor sich der Kaffeerest aus einem achtlos weggeworfenen Becher und Hundeurin auf der Straße berühren und genau dort ein Zettel mit einer Adresse liegt, den sie rettet. Der Gedanke, dass nur sie den Zauber dieses Augenblicks wahrgenommen hat, diese „Faktoren in einer Gleichung, die für mich und nur für mich bestimmt war“, macht sie schwindlig – „und dennoch verstand ich nichts, überhaupt nichts“. Weiterlesen „Andrea Scrima: Wie viele Tage“

Antonio Ortuño: Die Verbrannten

Einen beschwerlichen Weg erwartet die Mittelamerikaner, die in der Hoffnung auf ein besseres Leben versuchen, Mexiko zu durchqueren und illegal in die USA einzuwandern. Viele bezahlen dafür mit dem Tod – so auch in Antonio Ortuños „Die Verbrannten“, einem schonungslosen Roman, dessen Plot allerdings ein wenig überschaubar ist.

Während die Mexikaner in den USA als Menschen zweiter Klasse gelten, so sind es in Mexiko die Mittelamerikaner, die von vielen stark diskriminiert werden. Für sie ist es doppelt so schwierig, in das vermeintlich gelobte Land Amerika einzureisen, denn dafür müssen sie ganz Mexiko durchqueren. Die wenigsten schaffen das (und stehen dann vor dem gleichen Problem wie die mexikanischen Flüchtlinge: der Grenze zwischen Mexiko und den USA). Dem Großteil blüht im besten Fall, hochverschuldet zurück in ihr Heimatland geschickt zu werden, aber auch das sind Ausnahmen. Für die anderen bedeutet die lange Reise Erniedrigung, Vergewaltigung, Folter, Tage ohne Wasser und Nahrung und mitunter auch den Tod. Weiterlesen „Antonio Ortuño: Die Verbrannten“

Hinter den Kulissen von weissbooks.w

Über den Hinterhof, um die Ecke, in den Lift, dann die Treppe, Gang hier, Gang da – der weissbooks.w Verlag liegt gut versteckt im sechsten Stock des Atelierfrankfurt im Industriegebiet rund um die Hanauer Landstraße. Sich in diesem Labyrinth zu verlaufen macht aber auch Spaß, immerhin teilt sich der Verlag ein Gebäude mit zahlreichen Künstlern. „Früher war weissbooks.w in einem alten Hotel im Bahnhofsviertel und hatte dort drei miteinander verbundene Zimmer“, erzählt Verlegerin Anya Schutzbach. „Das war doch recht kuschelig.“ Zum Glück sind die neuen Räumlichkeiten weniger kuschelig: Schutzbach, ihr Assistent Robin Schmerer und Praktikantin Nora Kayser stellen, organisiert von den Jungen Verlagsmenschen, vor knapp fünfzehn Interessierten den Verlag vor und alle finden Platz in dem weitläufigen Atelier. Weiterlesen „Hinter den Kulissen von weissbooks.w“

Javier de Isusi – Ich habe Wale gesehen

Noch ist die ETA nicht gänzlich von der Bildfläche verschwunden, doch die Angst vor ihr ist in den letzten zehn Jahren gewichen. Im Baskenland beginnt die Auseinandersetzung mit der unmittelbaren Vergangenheit – noch nicht politisch, aber zumindest künstlerisch. Auch der Baske Javier de Isusi nimmt sich in seiner Graphic Novel „Ich habe Wale gesehen“ dem Thema an. Weiterlesen „Javier de Isusi – Ich habe Wale gesehen“

Antonio Ortuño – Madrid, Mexiko

Ein Jahrhundert voller Gewalt: Während des Spanischen Bürgerkriegs fliehen die Almansas von Madrid nach Mexiko. Doch auch dort erwartet sie nicht weniger Brutalität. Unaufgeregt erzählt Antonio Ortuño in „Madrid, Mexiko“ von Migration, Flucht, Mord und Rache. Und ihm gelingt das Kunststück, das Leben dreier Generationen auf nur 200 Seiten abzubilden.

Am Ende steht die ernüchternde Erkenntnis: „Seit Kain hätten die Menschen nur geschafft, sich in einem zu gleichen: Sie seien alle Verbrecher.“ Und so ist nicht weiter überraschend, dass gleich auf den ersten Seiten zwei Menschen erschossen werden. Überhaupt zieht sich die Gewalt wie ein roter Faden durch „Madrid, Mexiko“. Dass der Roman dabei erstaunlich wenig brutal wirkt, liegt an der gelassenen Sprache Antonio Ortuños, bei dem Mord, Vergewaltigung und Rache nicht spektakulär wirken als ein paar Tacos am Straßenstand essen. Die Gewalt ist Teil des mexikanischen Alltags, woran der Autor immer wieder erinnert: „…ihn aufzuspüren, ihm die Haut vom Gesicht zu reißen und zu verschlingen. (In Mexiko war so etwas nicht metaphorisch gemeint…)“ Und gerade weil sie alltäglich ist, ist es möglich, sie so nüchtern zu betrachten. Weiterlesen „Antonio Ortuño – Madrid, Mexiko“