Unser Indiebookday 2017

Für manch einen gibt es im Jahr kein schöneres Fest als Weihnachten, andere freuen sich über die vielen langen Wochenenden im Mai und Juni. Für uns Freunde der besonderen Literatur ist der einzig wahre Feiertag der Indiebookday. Der Hamburger mairisch Verlag hat ihn 2013 initiiert, um die unabhängigen Verlage und ihre fantastischen Programme ins Bewusstsein der Leser zu bringen. Von dieser wunderbaren Idee ließen wir uns damals anstecken und riefen kurzerhand We read Indie ins Leben, bis heute ein Herzensprojekt von uns allen. Welche schönen Bücher wir am vergangenen Samstag, dem fünften Indiebookday, entdeckt haben, das zeigen wir euch hier.

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Amsél: Wiedersehen in Tanger

Amsél, Wiedersehen in Tanger„Es heißt, Tanger sei wie ein Spiegel: Wer sich darin erblickt und nicht aushält, was er sieht, muss unverzüglich abreisen. Wer es aber schafft zu ertragen, was der Spiegel ihm zeigt, der muss immer wieder zurückkehren, den lässt die Stadt nicht mehr los.“

Ein Gastbeitrag von Timo Brandt

Ganz in der Nähe der Straße von Gibraltar, den Säulen des Herkules, liegt die Stadt Tanger – ein mystischer Ort (an dem es, wie an so vielen mystischen Orten, vor profanen Dingen nur so wimmelt – vielleicht fallen sie einem aber auch nur besonders ins Auge). Beiden Seiten wird in diesem Buch Rechnung getragen: dem Profanen in den Beschreibungen der Landschaft und den meisten Geschehnissen, das Mystische liegt tief in den Figuren und findet zwischen ihnen statt, bevölkert ihre Geschichten, ihre Ansichten. Egal wie gewöhnlich (und darin schön wie schrecklich) die Welt draußen ist – die Figuren schöpfen die Mysterien aus sich selbst, aus ihren Empfindungen, Gedanken, Eindrücken.

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Vorfreude auf den Indie-Frühling

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Wir Bücherfreunde sind den Jahreszeiten immer ein Stück voraus. Während es draußen noch wahlweise schneit, stürmt oder regnet, sind wir von We read Indie bereits im Frühling angekommen, und zwar im Literaturfrühling. Die Verlage haben die neue Saison eingeläutet und beglücken Liebhaber der belles lettres mit farbenprächtigen Programmen, allen voran unsere geliebten Indies. Worauf wir uns besonders freuen, das zeigen wir euch in diesem kleinen Beitrag, und natürlich sind wir auch gespannt auf eure Favoriten.

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We love Indie

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Wir sind keine Profis in Sachen LIEBESROMAN. Beim Stöbern und Darüber-Reden jedoch fanden wir Erstaunliches. Selten mit klassischem Happy End. Manchmal melancholisch oder sogar tragisch. Aber immer schön! Und ganz sicher ist dies nur eine kleine feine Auslese, welcher der eine oder andere Liebesroman noch hinzugefügt werden kann. Lasst Euch inspirieren. Verschenkt Liebe. Es ist Valentinstag.  Weiterlesen

Vorfreude auf den Indiebook-Herbst

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Quer über die Kontinente, durch Länder und Städte rasen wir heute mit unseren Favoriten aus den Vorschauen der unabhängigen Verlage für den Herbst 2016. Wild, verrückt und schön! Von Europa über Afrika und Asien bis nach Amerika besuchen wir u.a. Irland, die Schweiz und Niederlande, Marokko, die Türkei, Kalkutta und Damaskus, Kuba, Argentinien, die USA … Die Auswahl ist ebenso groß wie die Vielzahl der Verlage. Extrem spannende und ungeheuer mutige Bücher sind dabei. Melancholische Texte und Texte voller Gefühl. Und natürlich findet Ihr hier wieder viele liebevoll gestaltete und ganz besonders schöne Ausgaben.

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Happy Birthday, lieber Reprodukt Verlag!

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Reprodukt feiert sein 25jähriges Verlagsjubiläum! Tusch, tusch und Goldregen! Wir gratulieren ganz herzlich und zeigen euch zu diesem besonderen Anlass unsere Reprodukt-Lieblinge, die wir mit unseren Rezensionen verlinkt haben. Und wenn ihr mehr Reprodukt entdecken wollt, dann habt ihr dieses Wochenende in Berlin die Gelegenheit dazu: Der Verlag lädt mit einem vielfältigen Programm ein! Weiterlesen

Happy Birthday, We read Indie!

FeuerwerkKaum ist ein Geburtstag vorbei, gibt’s schon den nächsten zu feiern. Besonders schön ist es da, wenn beide Geburtstage sozusagen mit einem unsichtbaren Leseband verbunden sind. Denn ohne den von mairisch Verleger Daniel Beskos initiierten Indiebookday gäbe es We read Indie heute nicht. Und unsere Lesewelt wäre nicht so reich und inspirierend. Darauf erheben wir unser Glas!

Viel Wunderbares, Überraschendes und Schönes haben wir in dieser Zeit erlebt. Angefangen von literarischen Entdeckungen jenseits des Mainstreams bis hin zu liebevoll gestalteten Büchern, die uns staunen ließen. Und nicht zu vergessen die spannenden Gespräche mit den Büchermachern in der einzigartigen, unabhängigen Verlagswelt.

Nicht nur die drei Jahre We read Indie sind ein Fest zur Freude. Unsere Gruppe hat in diesem Jahr Zuwachs bekommen. Jochen vom Blog lustauflesen.de und der Kaffeehaussitzer bereichern unsere Blogger-Allianz mit ihren Rezensionen auf dem Blog sowie bei Facebook als auch bei Twitter.

So sind wir immer in Bewegung wie die guten Bücher. Neugierig auf all das Schöne, was uns noch erwartet. Auf diesem Wege danken wir allen Mitwirkenden und euch Verlegern für die tolle Zusammenarbeit!

Indie-Zuwachs zum Welttag des Buches

WDB2016_HauptlogoDer heutige Welttag des Buches ist ein Feiertag für alle, die das Lesen und die Bücher lieben. Die Katalanen beispielsweise schenken sich jedes Jahr am 23.04. (dem Namenstag des Volksheiligen St. Georg) nach alter Tradition Bücher und Rosen. Das Team von »We read Indie« überrascht Euch heute mit einer wundervollen Neuigkeit!

Wir haben uns Uwe von Kaffeehaussitzer und Jochen von lustauflesen.de mit »ins Boot« geholt und die Aussicht auf viele neue Buchempfehlungen gleich mit dazu. Wenn Ihr jetzt hier lesen werdet, was beide über sich erzählen, könnt Ihr Euch vorstellen, wie glücklich wir über ihre Zustimmung sind, hier mitzumachen.

Vorhang auf!

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Die Indie-Damen auf Ostereiersuche

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Zu Ostern Marzipan und Schokolade im Frühlingsgras suchen? Kann man durchaus machen. Machen aber alle, haben wir uns gedacht und alternativ dazu nach unabhängigen Verlagen gesucht, die bisher keine oder wenig Aufmerksamkeit auf unserem Blog bekommen haben. Und wir haben Überraschendes entdeckt. Schaut selbst …

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[Gastrezension] David Garnett: Dame zu Fuchs

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Auf einem Waldspaziergang verwandelt sich die liebliche Mrs Tebrick urplötzlich in ein kleines Füchslein. Klingt absonderlich? David Garnett hat diese Geschichte 1922 aufgeschrieben – und der Dörlemann Verlag hat es nun neu aufgelegt.

Anfang 1880 unternimmt das frisch gebackene Ehepaar Tebrick einen Spaziergang durch ein kleines Wäldchen, was sich oberhalb ihres Zuhauses befindet. Sie sind verliebt und glücklich miteinander, ihre Zweisamkeit könnte nicht perfekter sein – und doch geschieht wie aus dem Nichts plötzlich etwas seltsames: “Seine Frau fiel zurück, und er, der ihre Hand hielt, zerrte nun regelrecht an ihr. Noch ehe sie an den Rand des Wäldchens kamen, riss sie sich plötzlich gewaltsam los und schrie auf, worafhin er sich eilig zu ihr umdrehte.

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Wo eben noch seine Frau gewesen war, stand, mit leuchtend rotem Fell, ein kleiner Fuchs. Der schaute ihn flehentlich an, machte ein paar Schritte auf ihn zu, und Mr Tebrick erkannte sogleich, dass es seine Frau war, die ihm da aus den Augen des Tiers entgegenblickte.”
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Der Anfang erinnert euch an etwas? Genau: Dass sich David Garnett mit dieser Novelle vor dem großen Dichter Franz Kafka verbeugt, dessen ebenso wunderliche Novelle “Die Verwandlung” zehn Jahre früher veröffentlicht worden war, ist ziemlich deutlich. Und die Parallelen reichen weiter. Anders allerdings als die Familie Gregor Samsas, die sich beim Anblick des monströsen Käfers voller Ekel abwendet, wird die Liebe Mr Tebricks zu seiner kleinen Fuchsdame nur noch größer. Er nimmt sie mit nachhause, kleidet sie in ihren Morgenmantel, setzt sie neben sich an den Mittagstisch und gibt sich alle Mühe so zu tun, als wäre nichts gewesen.

Doch ohje – kann man ein kleines, junges Füchslein wirklich domestizieren? Während die gute Mrs Tebrick anfangs noch voller Verwirrung über ihre Verwandlung ist und sich zum schlafen bereitwillig auf das Kissen neben ihren Mann legt, kommt mit jeder weiteren Seite der Geschichte ihre animalische Natur stärker zum Vorschein: Sie beginnt unter dem Bett zu schlafen, schnappt mit den spitzen Zähnen nach ihrem Mann, wenn ihr etwas nicht gefällt und kratzt so lange an der Gartentür, bis Mr Tebrick schließlich Erbarmen hat und sie ins Freie lässt. Woraufhin sie sich ein Loch durch den Zaun gräbt, in den Wald entflieht und dort mit einem anderen Fuchs eine Familie mit vielen kleinen Fuchskindern gründet. Und Mr Tebrick? Der kann sich weiterhin nicht lösen von dieser Frau, die schon längst nicht mehr existiert und doch all seine Liebe abbekommt.

Wie Gregor Samsa, der eines Morgens einfach als Käfer aufwachte, weil er sich seinen alltäglichen Pflichten nicht mehr gewachsen fühlt, verwandelt sich auch Mrs Tebrick in ihre “wahre Natur”: Sie sei schon immer ein bisschen wild gewesen, sagen Menschen aus ihrem Umfeld, dabei sei sie von ihrer Mutter sehr streng erzogen und früh verheiratet worden.

Wer immer nur gezwungen wird, seine Identität zu unterdrücken, aus dem bricht es eben irgendwann aus: Als Fuchs kann Mrs Tebricks sich frei jeder Konventionen verhalten, die sie zuvor in ein zu enges gesellschaftliches Korsett geschnürt hatten. Sie darf wild sein.

David Garnett, im hochnäsigen “Victorian Age” groß geworden, hat sich selbst an den gesellschaftlichen Zwängen seiner Zeit abgearbeitet: Er lebte seine homosexuellen Neigungen in einer Liebesbeziehung mit Duncan Grant aus und heiratete später dessen Tochter Angelica Bell, die Nichte von Virginia Woolf und ebenfalls Mitglied der legendären Bloomsbury Group. Ziemlich sicher kein geradliniger Werdegang im Sinne der englischen High Society! Was man als Leser aus dieser allegorischen Erzählung mitnimmt, mag bei jedem anders sein – aber genau das macht das kleine Büchlein so lesenswert.

David Garnett. Dame zu Fuchs. Aus dem Englischen von Maria Hummitzsch. Dörlemann Verlag 2016. Gebunden 160 Seiten. 17,- €. ISBN 9783038200260

Besprechungen bei anderen Buchbloggern:
Sophie auf “Literaturen”
Mareike auf “Herzpotenzial”
Constanze auf “Zeichen und Zeiten”

Herzlichen Dank an Julia Schmitz von Fräulein Julia für den Gastbeitrag!