Maeve Brennan: New York, New York

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Foto: Karl Bissinger

Heute ist ein besonderer Tag, der mich einerseits beglückt und andererseits ein bisschen traurig macht. Glücklich bin ich darüber, dass ich auf meinem Blog den 100. Geburtstag einer bemerkenswerten Autorin zelebrieren kann. Traurig hingegen macht mich die Tatsache, dass ich in sämtlichen Literaturkalendern keinen Eintrag über Maeve Brennan finde. War die Autorin am Ende zu unbekannt? Oder hat man sie übersehen? Nun, es ist wie es ist, und ich kann die frohe Kunde übermitteln, dass Maeve Brennan eine außergewöhnliche Journalistin und Schriftstellerin war, von der ich euch heute berichten und auf die ich anstoßen möchte. Cheers!

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Sebastian Barry: Ein langer, langer Weg

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Für Irland waren die Jahre zwischen 1914 und 1918 in besonderer Weise schicksalhaft. Seit Jahrhunderten litt das verarmte Land unter dem Joch der englischen Herrschaft, doch kurz vor dem ersten Weltkrieg war zum ersten Mal konkret von einer Politik der Selbstbestimmung die Rede. Tausende von jungen Männern meldeten sich daher 1914 freiwillig für die englische Armee, in der Hoffnung, dass Irland als Anerkennung für seinen Einsatz an der Seite Englands ein autonomer Teil des britischen Commonwealth würde. Allerdings stellten sich insbesondere die englandtreue Bevölkerung der nordirisichen Region Ulster und die konservativen Kräfte Englands gegen eine solche politische Entwicklung, es kam schon damals zu ersten Unruhen in der Bevölkerung.In dieser Zeit spielt der Roman „Ein langer, langer Weg“ von Sebastian Barry. Weiterlesen

Elif Shafak: Der Geruch des Paradieses.

elif_shafak_der_geruch_des_paradieses»Welchen Lebensweg soll ich einschlagen?« Ich spüre den Blick von Peri auf mir und drehe mich verlegen zur Seite. Diese große existenzielle Frage hallt durch Elif Shafaks Romanheldin direkt zu mir. Peri erinnert mich an eine junge Biene, die zu lange am süßen Nektar genascht hat. Nun ist sie ganz mit Blütenstaub gefüllt und sie weiß nicht, wohin mit dem Gewicht. In ihrem Falle sind es allerhand Gedanken und Gefühle. Sie arbeiten in ihr wie fleißige Ameisen, und der Wind bahnt sich einen Weg durch ihren Kopf, doch die Gedanken über Gott, das Gute und das Böse, die verschlüsselten Träume und die Einsamkeit des jungen René Descartes, sie wollen partout nicht verschwinden.

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Von Nähe und Ferne

Literatur_2017_print.inddGedanklich bin ich immer sofort auf Entdecker-Tour und verliere mich in Träumereien, wenn ich durch die Kalender-Abteilung einer großen Buchhandlung gehe. Ich mag großformatige Kalender mit hochqualitativen Fotografien von fernen Ländern, alten Baumalleen oder Meeresstränden. Ich mag ganz besonders den Mare-Kalender. Ich mag auch spirituelle Kalender mit Buddha-Motiven.
Doch nichts mag ich so sehr wie Literaturkalender. Und hätte ich einen einzigen Wunsch frei, ich würde mir immer wieder einen Literaturkalender wünschen. Weiterlesen

We talk Indie: Im Gespräch mit dem Kindermann Verlag

Es wird mal wieder Zeit für einen Kinderbuchverlag. Und so haben mit dem Kindermann Verlag aus Berlin gesprochen. Diesen hatten wir bereits Anfang des Jahres in einem Special auf we read indie kurz vorgestellt. Verlegerin und Autorin Barbara Kindermann erzählt von den Anfängen und ihrer Liebe zu den Klassikern.

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v.r.n.l.: Anna Kindermann, Barbara Kindermann und Julia Hoffmann

Wie ist es zur Gründung des Verlages gekommen?

Durch eine Idee. Mein Wunsch war es, Kinder schon in einem Alter mit Weltliteratur in Berührung zu bringen, in dem sie noch darauf gespannt sind und Freude daran haben, und noch nicht durch die schulische Pflichtlektüre vielleicht für immer für die Klassiker verloren sind. Die Geschichten sollen primär fesseln und spannend sein, sekundär den Kindern etwas näherbringen, das ihnen auch im späteren Leben wieder begegnen und von Interesse sein wird. Lange vor PISA und Klassikerboom hatte ich diese Idee, große Klassiker in leicht verständlicher Prosa für Kinder nachzuerzählen, das führte zur Verlagsgründung. Weiterlesen

Indiebooks – 10 Lieblinge von Jochen

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Unterstützen Sie uns, unterstützen Sie die Autorinnen und Autoren, indem Sie Bücher von unabhängigen Verlagen kaufen – und lesen.

So schließt eine Erklärung der Kurt Wolff Stiftung zum BGH-Urteil in Sachen VG-Wort. Worum geht es? Nun, kurz gesagt:  Die VG-Wort hat als Verwertungsgesellschaft in der Vergangenheit nicht nur an Autoren, also die Urheber, Gelder ausgeschüttet, sondern auch an Verlage. Das war nicht korrekt. Die Verlage müssen diese Gelder nun zurückzahlen. Das Urteil ist juristisch wasserdicht, aber bringt viele Verlage in finanzielle Schieflage, weil entsprechende Rücklagen fehlen.

Mehr denn je gilt nun das Motto: #wereadindie. Unter diesem Hashtag können und sollen Empfehlungen von Lieblingsbüchern aus kleinen Verlagen untermauert werden. Aus unserem Blog-Team hat Sophie  mit 10 Lieblingstiteln den Anfang gemacht,  Caterina hat den Stab übernommen und weitergereicht. Nun stelle ich zehn Bücher aus zehn unabhängigen Verlagen vor, die mir besonders am Herzen liegen und die belegen, wie vielfältig und reich das Angebot der Indies ist.  Weiterlesen

Patrick McGinley: Bogmail. Roman mit Mörder.

bogmail_roman_mit_moerderAls ich kürzlich auf meinem Blog über »Bogmail. Roman mit Mörder« von Patrick McGinley berichtete, sprach ich von einer kleinen Krimi-Sensation. Das ist das Buch immer noch. Seit gestern ist der Krimi überdies in seiner Bekanntheit gewachsen und bei vielen Krimifreunden in aller Munde. Dieses bemerkenswerte Buch aus dem Steidl Verlag schmückt die KrimiZEIT-Bestenliste Dezember 2016. Auf Platz 2 steht es nun dort und macht mich ganz besonders glücklich. Was »Bogmail. Roman mit Mörder« derart auszeichnet? Darüber nun mehr in meiner Rezension.

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10 Lieblings-Indiebooks von caterina

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Unter dem Hashtag #wereadindie wollen wir Leserinnen und Leser dazu anregen, von ihren liebsten Büchern aus unabhängigen Verlagen zu erzählen. Freilich braucht es dazu keinen Anlass, es lohnt immer, über besondere Literatur zu reden, andere mit der eigenen Begeisterung anzustecken und sich wiederum anstecken zu lassen – wir Indie-Bloggerinnen und -Blogger tun das seit dreieinhalb Jahren unablässig. Und dennoch gibt es nun einen aktuellen Anlass: Im Frühjahr dieses Jahres hat der Bundesgerichtshof entschieden, dass die jährlichen Ausschüttungen der VG Wort zu Unrecht auch an die Verlage gingen, sie seien lediglich Verwerter, keine Urheber; jetzt wurden die Rückzahlungsaufforderungen verschickt (mehr dazu hier). Kleinverlage trifft dies besonders hart, einigen droht gar die Insolvenz.

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Juan Gómez Bárcena: Der Himmel von Lima

barcena_himmel_von_lima_secessionCarlos und José sind zwei Studenten aus wohlhabenden Familien im Lima des Jahres 1904.
Einer von vielen Gründen, warum man dieses Buch unbedingt lesen sollte, sind Zeit und Ort der Handlung, denn der junge spanische Autor Bárcena entführt uns an den Anfang des vorigen Jahrhunderts, als Briefe noch mit Tinte und Feder geschrieben, versiegelt und per Schiff zwischen den Kontinenten hin und her geschickt wurden. Es ist eine Zeit, in der alles ruhiger fließt. Die heutige Eile und die Hochgeschwindigkeit der Übermittlung von Gedanken existieren einfach nicht. Eine wundervolle Art der Langsamkeit durchzieht die rasant erzählte Geschichte, lässt vergangene Bilder von Postkutschen und riesigen Ozeandampfern vor dem inneren Auge erstehen. Klug, witzig, sprachlich außergewöhnlich, passt sich die Story dem langsamen Tempo des frühen 20. Jahrhunderts an und ist doch an keiner Stelle langatmig. Man hat das Gefühl, zugleich in einem Klassiker von Flaubert oder Tolstoi und ganz im Hier und Jetzt zu sein.  Weiterlesen

Garry Disher: Bitter Wash Road

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Wenn die Buchhändlerin in einer der Buchhandlungen meines Vertrauens mir den Kriminalroman „Bitter Wash Road“ von Garry Disher nicht empfohlen hätte, dann wäre mir ein stilistisch und dramaturgisch perfekt komponiertes Buch entgangen. So aber durfte ich mich mehrere Lese-Abende im australischen Outback herumtreiben, die flirrende Hitze spüren und den Staub auf der Zunge schmecken. Und dabei sein, wenn Constable Paul Hirschhausen in einem Fall ermittelt, bei dem er hineinsticht in ein Nest aus Korruption, Rassismus und mühsam unterdrückter Gewalt.

Das Outback ist eine Welt für sich. Obwohl nur wenige Autostunden von der Großstadt Adelaide und der sie umgebenden fruchtbaren Weinregion entfernt, gelten hier andere Regeln, lebt hier ein anderer Menschenschlag, mürrisch, zäh, desillusioniert, ausgezehrt von den ständigen Mühen, der unwirtlichen und ausgetrockneten Landschaft das Nötigste zum Überleben abzuringen.

Vor vielen Jahren bin ich durch Australien gereist. Wohl nie werde ich den Moment vergessen, als nach einer halben Nacht im Bus die Sonne aufging, die Fahrt durch eine Pause unterbrochen wurde und ich zum ersten Mal den trockenen Outback-Boden betrat, der in der frühen Morgenstunde ringsumher in einem leuchtenden Rot erstrahlte. Kühle Morgenluft, rote Erde, karg und wunderschön. Es vergeht kaum ein Tag, an dem ich nicht an jene Australien-Reise denke, aber durch dieses Buch wirken die Bilder im Kopf noch einmal intensiver. Denn genau in diese Gegend führt uns der Roman Garry Dishers.

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