Hölle und Paradies von Bettina Baltschev

baltschev_hölle_und_paradiesDas Exil-Thema lässt mich einfach nicht los. Zu sehr bewegen mich die Fragen, welche sich gegenwärtig unzählige Menschen in Syrien, Venezuela oder der Türkei stellen müssen: Gehen oder bleiben? Einen neuen Lebensort finden oder in der geliebten Heimat weiterleben? Nicht immer ist „Gehen“ die bessere Alternative. Liest man einige der Miniaturen von aus Der Spaziergänger von Aleppo, so versteht man, dass ein geliebtes Zuhause mit all seinen Büchern, Schallplatten und Freunden zu verlassen, nicht ganz einfach ist. Für Niroz Malek ist es unmöglich.

Viele deutschsprachige Autoren und Autorinnen in den Dreißiger Jahren konnten sich diese Frage gar nicht erst stellen. Denn zu bleiben, hätte für Intellektuelle wie Stefan Zweig, Fritz Landshoff, Klaus Mann, Alfred Döblin, Lion Feuchtwanger oder Joseph Roth schlimmste Repressalien oder sogar den Tod im Vernichtungslager bedeutet. Für sie gab es deshalb nur eine Frage: Wohin – nach Westeuropa oder besser gleich nach Amerika? Und vor allen Dingen: Was dann?  Weiterlesen „Hölle und Paradies von Bettina Baltschev“

Joachim Kalka: Der Mond

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Wenn Sie auf dem Mond leben müssten, was würden Sie am meisten vermissen? – Mondschein!!

So hat Arno Schmidt einmal auf eine Zeitungsumfrage geantwortet. Eine für den Bargfelder Haidedichter nur zu typisch-konsequente Replik, spickte er doch seine Romane und Erzählungen mit allerfeinsten und ausgefallenen Mondmetaphern. Auf der anderen Seite kreidete er seinen schreibenden Kollegen gerne falsche Mondauf- und –untergänge, sowie falsche Mondphasen an. Und er fand viele astronomische Fehler bei den großen, alten Dichtern. Dass immer, wenn Liebende sich still vergnügen, der Vollmond sanft über die Wipfel linst, ob’s passt oder nicht, war (und ist) den Schriftstellern egal. Schmidt nicht. Er selbst ließ einen seiner Roman gar zur Hälfte auf dem Mond spielen, wenn auch nur in der Phantasie: Kaff auch Mare Crisium.  Weiterlesen „Joachim Kalka: Der Mond“

Héctor Abad mit „La Oculta“ auf Lesereise

Der kolumbianische Schriftsteller Héctor Abad befindet sich momentan auf Lesereise, um sein neues Buch „La Oculta“ vorzustellen. Zwischenstation machte er auch in Frankfurt im Hause des Buches. Das Gespräch führte die Lektorin des Autors Corinna Santa Cruz und den deutschen Text las der Schauspieler Jochen Nix. Im Rahmen des Frankfurter Literaturfestivals literaTurm konnte litprom, die Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika e.V. damit eine ganz besondere Lesung zum Programm beisteuern.

Einführende Worte fand Litprom Geschäftsleiterin Anita Djafari, die dieses Jahr zur Bücherfrau des Jahres gekürt wurde. Sie verwies auf den aktuellen Weltempfänger, die Bestenliste von litprom, auf die der Roman dieses Quartal landete. Gleichzeitig gestand sie aber, dass sie ein anderes Buch des Autors bevorzuge: Abads „Kulinarisches Traktat für traurige Frauen„.

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v.l.n.r.: Jochen Nix, Héctor Abad und Corinna Santa Cruz | (c) Andreas Pleines, Frankfurt

Héctor Abad lebt momentan in den Niederlanden und arbeitet als Writer in Residence am niederländischen Institute for Advanced Study (NIAS). Er kann mittlerweile auf ein recht bewegtes Leben, das auch von Flucht und Gewalt geprägt ist, zurückblicken. Er wurde 1958 in Medellín geboren und verließ 1982 wegen eines papstkritischen Artikels als Student das erste Mal sein Land. Fünf Jahre später kehrt er zurück um noch im selben Jahr nach Europa zu flüchten, da sein Vater, Héctor Abad Gómez, ein bekannter Arzt und Universitätsprofessor ermordet wurde. Fünf Jahre lebte er im italienischen Exil und arbeitete als Dozent an der Universität in Verona. Seit seiner Rückkehr 1992 schreibt er Romane und ist auch als Kolumnist und Journalist tätig.

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Juan Pablo Villalobos: Quesadillas

juan-pablo-villalobos-quesadillas„Fick doch deine Mutter, Arschloch, und verpiss dich! Ein passender Beginn sieht anders aus, weiß ich ja, aber in meiner Geschichte und der meiner Familie wird nun mal ständig geflucht und geschimpft. Wenn ich wirklich alles so erzähle, wie es sich zugetragen hat, komme ich um einen Haufen Schimpfwörter einfach nicht herum. Ich schwöre, es geht nicht anders …“

Ich werde als Leser also vorgewarnt. Der sehr direkte Einstieg hält mich aber trotz allem nicht von der Lektüre ab. Und so nähere ich mich diesem Buch mal ganz sachte: Was sind denn eigentlich Quesadillas? Die mexikanische Nationalspeise schlechthin. Zubereitet aus Maistortillas, mexikanischen wohlgemerkt, die mit Käse belegt und zugeklappt werden und einfach nur unglaublich gut schmecken. Vor einigen Jahren konnte ich mich davon selbst überzeugen. Von daher ist es nicht verwunderlich, dass mich der witzige und etwas verrückte Plot gleich angesprochen hat.

Orest, ein pubertierendes Bürschchen, lebt mit sechs Geschwistern, seinem ständig fluchenden Vater und der Quesadillas backenden Mutter in Lagos de Moreno – in der mexikanischen Pampa und noch dazu in einer Art Bruchbude oder mit seinen Worten: einem Schuhkarton. Die unterschiedlichen Zubereitungsarten der berühmten Quesadillas sind Grundlage für die vielen verschiedenen Namen und zugleich Barometer für die gesellschaftliche und politische Situation im Land.

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Der Indie-Herbst wird wunderbar – ein erster Ausblick beim zweiten Kurt Wolff Pressesalon

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Wer mich kennt, weiß ja, dass mir Indie-Verlage und ihre Bücher besonders am Herzen liegen. Und weil das so ist, hatte ich mir natürlich einen Termin doppelrot angestrichen: Die Präsentation fünfzehn unabhängiger Verlage und ihrer Herbstvorschauen im Pressesalon der Kurt Wolff Stiftung. Am vergangenen Donnerstag war es soweit. Obendrein für mich eine Premiere!

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