Elif Shafak: Der Geruch des Paradieses.

elif_shafak_der_geruch_des_paradieses»Welchen Lebensweg soll ich einschlagen?« Ich spüre den Blick von Peri auf mir und drehe mich verlegen zur Seite. Diese große existenzielle Frage hallt durch Elif Shafaks Romanheldin direkt zu mir. Peri erinnert mich an eine junge Biene, die zu lange am süßen Nektar genascht hat. Nun ist sie ganz mit Blütenstaub gefüllt und sie weiß nicht, wohin mit dem Gewicht. In ihrem Falle sind es allerhand Gedanken und Gefühle. Sie arbeiten in ihr wie fleißige Ameisen, und der Wind bahnt sich einen Weg durch ihren Kopf, doch die Gedanken über Gott, das Gute und das Böse, die verschlüsselten Träume und die Einsamkeit des jungen René Descartes, sie wollen partout nicht verschwinden.

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Claudia Piñeiro. Ein wenig Glück

pineiro_ein_wenig_glück_Glücklicherweise wusste ich vor dem Lesen dieses Romans nichts über seinen Inhalt, habe einfach angefangen. „Lies mal die Piñeiro. Die wird dir gefallen.“ Diese zwei Sätze einer guten Freundin noch im Ohr, verzichte ich sogar auf den Klappentext (ein Tipp, den ich unbedingt weitergeben möchte, da dort alles, was den Roman so besonders macht, vorweggenommen wird). Ich starte also völlig ahnungslos mit den ersten Sätzen …

Ich hätte Nein sagen sollen, dass es nicht geht, dass ich nicht wegkann. Irgendwas sagen, egal was. Aber das habe ich nicht getan. Immer wieder habe ich mir die Gründe aufgezählt, warum ich mich, statt Nein zu sagen, am Ende doch bereit erklärt habe. Der Abgrund zieht uns an. Manchmal ohne dass wir es merken. Wie ein Magnet. Dann treten wir an den Rand, blicken in die Tiefe – und könnten springen. Ich bin so jemand. Ich könnte vortreten, mich in die Tiefe stürzen, in die Leere, ins Nichts fallen lassen, nur um – endlich – frei zu sein (S. 10).  Weiterlesen

Lot Vekemans: Ein Brautkleid aus Warschau

lot_vekemans_ein_brautkleid_aus_warschauIch mag Geschichten mit offenem Ende. Auch die niederländische Dramaturgin und Autorin Lot Vekemans mag es, wenn der Leser am Ende selbst entscheiden kann, wie es mit den Figuren der Geschichte weiter geht.  Und so bleiben viele Fragen offen, wenn in ihrem Roman „Ein Brautkleid aus Warschau“ der letzte Satz gesagt ist. Ihre holländischen Leser seien darüber erzürnt gewesen, sagt Lot Vekemans mit einem charmanten Lächeln. Sie wollten wissen, was mit dem Jungen Stan passieren würde. Sie fragten, für welchen der drei Männer Marlena sich entscheiden würde.

Es ist Sonntagabend (21.02.). Lot Vekemans sitzt auf der Lese-Bühne der Kammerspiele im Deutschen Theater und erzählt, wie es zu dem Roman gekommen ist, der ursprünglich als Theaterstück geplant war. Moderiert wird die Veranstaltung von Thorsten Ahrendt vom Wallstein Verlag . Felix Goeser und Kathleen Morgeneyer lesen einzelne Passagen. Der Einstieg in die Geschichte ist wild und außergewöhnlich. In der dramaturgischen Version, so erzählt Vekemans, sollten ein paar verrückte Holländer mit einem Bus nach Polen fahren. Dort würde nach einer Panne alles anders verlaufen, als ursprünglich geplant … Schnell aber spürte die Autorin während des Schreibens, dass diese Idee für die Bühne nicht funktionierte. Die Hauptfigur Marlena nahm bereits so viel Raum in ihrem Kopf ein, dass sie beschloss, deren Geschichte zu erzählen. Erste Leseproben begeisterten auch ihre Freunde. Ein spannendes Projekt.  Weiterlesen

Patry Francis: Die Schatten von Race Point

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»Wenn die Liebe dunkle Schatten wirft.«

Ich finde ja: Auch im Herbst kann man Sommerbücher lesen. So eins wie »Die Schatten von Race Point« von Patry Francis bringen Licht in dunkle Herbstabende. Ist es ein Buch über die Liebe? Jein. Denn hier geht es um die tragische Version der Liebe, nämlich die unerfüllte. Aber nicht nur das: Dieser opulente Roman begeistert mit einer Fülle an Themen und ist so spannend wie mitreißend erzählt, dass sich die 588 Seiten wie ein Sechser im Lotto anfühlen.

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Vanessa F. Fogel: Hertzmann’s Coffee

hertzmanns_coffee_fogel»Kaffee. Und die Kunst, das Leben zu meistern.«

„Sie werden dieses Buch lieben!“ Mit diesem Satz hatte mich seinerzeit der Verleger Rainer Weiss auf eine seiner Herbstneuheiten beim zweiten Kurt Wolff Pressesalon aufmerksam gemacht: Hertzmann’s Coffee ist der Titel, geschrieben hat es Vanessa F. Fogel. Bis dato hatte ich aus diesem Verlag noch kein Buch gelesen und die Autorin war mir ebenfalls unbekannt. Aber eine neugierige We read Indie-Bloggerin stürzt sich natürlich gerne in das Abenteuer.

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