Eine Liebeserklärung

Abertausende Bücher werden jedes Jahr veröffentlicht. Alle sechs Monate, im Frühjahr und im Herbst, verschicken die Verlage ihre Programmkataloge mit Dutzenden Neuerscheinungen, ich bin fleißig und gehe sie allesamt durch, tagelang, zunächst noch freudig aufgeregt, dann schon bald ermattet. Ich notiere mir den einen oder anderen Titel, aber ehe ich sie kaufe und schließlich auch... Weiterlesen →

Yoko Ogawa: Zärtliche Klagen.

Nur der Moment zählt. Der ruhige. Ich hatte kürzlich Yoko Ogawa zu Gast, die mir ihre »Zärtliche Klagen« mitgebracht hat, die kürzlich beim Liebeskind Verlag erschienen sind. Wir sitzen uns gegenüber, schweigen und lauschen den zauberhaften Klängen eines Cembalos. Spielt Kaoru? Oder doch Nitta? Yoko Ogawa schweigt und tippt aufs Buch. Ich schließe lächelnd die... Weiterlesen →

Daniel Woodrell: Tomatenrot

Die Ozark Mountains kenne ich gut, ich war schon ein paarmal da. Eine raue, nicht gerade gastfreundliche Gegend, die sich über weite Teile des südlichen Missouri und des nördlichen Arkansas erstreckt. Wahrscheinlich gibt es auch reizende Ecken, aber ich halte mich für gewöhnlich dort auf, wo es ungemütlich ist. Wo es wehtut. Und obwohl mit etlichen Blessuren zu rechnen ist, kehre ich immer wieder zurück. Schuld daran ist Daniel Woodrell, der selbst aus dem Gebiet stammt und die meisten seiner Bücher ebendort ansiedelt.

Cynan Jones: Graben

»Niederwalzen«: Will man über die Art von Literatur reden, die der Münchner Verlag Liebeskind macht, dann ist dieses Wort zweifelsohne angemessen. Gewiss, das Programm ist vielseitig, es finden dort auch das zauberhaft-surreale Werk der Japanerin Yoko Ogawa Platz oder humorvolle Titel wie Mordecai Richlers Wie Barney es sieht und aktuell Das Liebesleben des Nathaniel P. von Adelle Waldman. Und doch: Der Schwerpunkt liegt woanders, beim literarischen Noir nämlich.

Adelle Waldman: Das Liebesleben des Nathaniel P.

»Ein weiblicher Blick in die männliche Seele.« Meistens schreiben Männer über Männer oder Frauen über Frauen. Doch es gibt auch Ausnahmen. So wie »Das Liebesleben des Nathaniel P.« von Adelle Waldman, in dem die Autorin mit der Stimme eines männlichen Protagonisten erzählt. Das Werk hatte sich schon kurz nach seinem Erscheinen vor zwei Jahren in... Weiterlesen →

Yoko Ogawa: Schwimmen mit Elefanten

»Der Ozean des Schachs dehnte sich endlos aus und war unermesslich tief, aber sie hatten nichts zu befürchten« Es ist noch nicht lange her, dass Haruki Murakami und ich aneinandergeraten sind, seither tänzle ich misstrauisch um ihn herum, bin manches Mal kurz davor, ihm zu verzeihen und die Hand zu reichen, um dann in letzter... Weiterlesen →

James Sallis: Driver

»Das erste Licht des Morgengrauens, die Welt da draußen flickte sich wieder zusammen, während er ihr zuschaute.« Driver fährt, sonst nichts. Er definiert sich durchs Fahren, so sehr, dass er für alle nur Driver ist – seinen richtigen Namen erfahren wir im ganzen Roman nicht. Wie wir auch so vieles andere nicht erfahren: Die Geschichte,... Weiterlesen →

Donald Ray Pollock: Knockemstiff

»Unser Leben zu vergessen ist das Beste, was wir zustande bringen«

Donald Ray Pollock - KnockemstiffKnockemstiff, dieser seltsam harte Name eines gottverlassenen Kaffs irgendwo in Ohio, ist gerade in aller Munde: Das Feuilleton, die Buchhändler, die Leser – alle sind sie voller Lob für Donald Ray Pollocks gleichnamigen Erzählband von 2008, der soeben in deutscher Übersetzung im Liebeskind Verlag erschienen ist. Zu Recht, denn die achtzehn Storys in Knockemstiff kommen mit einer Wucht daher, dass sie einen umhauen und man allein von der Lektüre so manche Blessuren davonträgt. Und die sind noch harmlos im Vergleich zu dem, was den Protagonisten widerfährt. Ein Blick auf den ersten Satz genügt, um zu wissen, worauf man sich gefasst machen muss: »Als ich sieben war, zeigte mir mein Vater in einer Augustnacht beim Torch-Drive-in, wie man einem Mann so richtig wehtut. Das war das Einzige, was er wirklich beherrschte«.

Wie √ zu meinem Freund wurde.

Ogawa - Das Geheimnis der Eulerschen Formel √. Ich hatte das spitze Wurzelzeichen aus meinem Kopf verscheucht, weil es mich einfach zu sehr an Mathematik erinnerte, ein Schulfach, mit dem ich auf Kriegsfuß stand. Doch plötzlich tauchte es auf der ersten Seite in Das Geheimnis der Eulerschen Formel wieder auf und stach in meine Augen. Sollte ich flüchten oder bleiben? Ich haderte kurz, entschied mich schnell fürs Bleiben, denn die japanische Autorin Yoko Ogawa nahm mich mit ihren schönen Worten behutsam an die Hand.

Daniel Woodrell: Der Tod von Sweet Mister

044678243-der-tod-von-sweet-misterDer Schriftsteller Daniel Woodrell wurde 1953 geboren und ist in St. Louis und Kansas City aufgewachsen. Mit nur siebzehn Jahren ging er von der Schule ab, um sich bei den Marines zu melden. 1986 erschien sein Romandebüt "Cajun-Blues". Zuletzt erschien von ihm auf Deutsch der Roman "Winters Knochen", der auch verfilmt und auf dem Sundance Film Festival als bester Film ausgezeichnet wurde. Zu seinem neuesten Roman "Der Tod von Sweet Mister" gibt es ein interessantes Interview mit Daniel Woodrell.

Daniel Woodrell erzählt in seinem Roman "Der Tod von Sweet Mister" die Geschichte einer Mutter und ihres Sohnes. Glenda ist jung Mutter geworden, aber von ihrer Jugendlichkeit ist nur noch wenig übrig, denn sie trinkt schon länger mehr, als ihr gut tut. Ihr Sohn Shug ist dreizehn, er ist übergewichtig und ein Außenseiter.

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