Vanessa F. Fogel über Kaffee und die Kunst des Schreibens.

0100f 6Vanessa F. Fogel wurde 1981 in Frankfurt am Main geboren, wuchs in Israel auf und hat in New York Komparatistik studiert. Die Autorin war Chefredakteurin des Graphis-Magazins und ist im Kunstbereich tätig. Ihr viel beachtetes Debüt Sag es mir wurde 2011 veröffentlicht. Jetzt ist ihr zweiter Roman Hertzmann’s Coffee bei Weissbooks erschienen.
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Vanessa F. Fogel: Hertzmann’s Coffee

hertzmanns_coffee_fogel»Kaffee. Und die Kunst, das Leben zu meistern.«

„Sie werden dieses Buch lieben!“ Mit diesem Satz hatte mich seinerzeit der Verleger Rainer Weiss auf eine seiner Herbstneuheiten beim zweiten Kurt Wolff Pressesalon aufmerksam gemacht: Hertzmann’s Coffee ist der Titel, geschrieben hat es Vanessa F. Fogel. Bis dato hatte ich aus diesem Verlag noch kein Buch gelesen und die Autorin war mir ebenfalls unbekannt. Aber eine neugierige We read Indie-Bloggerin stürzt sich natürlich gerne in das Abenteuer.

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Kirsten Fuchs: Kaum macht man mal was falsch, ist das auch wieder nicht richtig

Fuchs„Nun, ich denke, mit den Weibern ist’s wie mit dem Mehle. Allzu viel zerreißt den Sack“
Kassiererinnen glücklich zu machen, ist wirklich ganz einfach. Und verstopfte Ohren sind eigentlich ein großer Vorteil. Die Tiere im Zoo tun nicht viel außer zu zappeln und zu stinken. Und Eltern müssen jeden möglichen Moment zum Sex nutzen … selbst wenn die Nachbarn von gegenüber dann wissen, was Sache ist.

Kirsten Fuchs ist Lesebühnenautorin und Kolumnistin, und ich habe mir sagen lassen, dass es sehr lustig ist, ihr live zuzuhören. Das kann ich mir auf jeden Fall vorstellen – und zum Glück ist dem Buch eine Audio-CD beigelegt, auf der Kirsten Fuchs 16 ihrer Geschichten erzählt. Ich bin sehr überrascht über ihre eher kühle, unemotionale Art des Vorlesens und empfinde sie mit meiner wurschteligen österreichischen Seele als „typisch deutsch“, habe aber doch dann und wann zumindest geschmunzelt. Ihre Storys sind natürlich Spoken Word Literature, und beim Lesen merkt man das. Während vieles mich sehr amüsiert, denke ich bei anderem: Wtf?!, bin mir aber gleichzeitig sicher, dass es auf einer Bühne vorgetragen sehr viel mehr Witz gehabt hätte als stumm in meinem Kopf gelesen. Vieles ist fein und raffiniert, manches eher platt. Aber wie das eben so ist mit Humor, wer will ihn beurteilen – ihr hättet euch womöglich weggeschmissen vor Lachen. Und weil es hier so viel ums Sprechen, Hören und Lesen geht, soll das Buch einfach selbst noch ein bisschen zu euch sprechen:

„Zwei Stunden Sonne reichen mir und Grischan schon. Nur ein ganz klein wenig Licht und schon springen unsere Hormone an. Jetzt laufen wir rum und sind verknallt wie Teenies, sind aber leider keine mehr. Können also nicht schön im Kinderzimmer knutschen, denn das Kinderzimmer ist jetzt das Zimmer von unserem Kind, und wir passen gar nicht zusammen auf das Bett.“

„Aha, sagte ich und legte in mein Aha sehr viel pädagogische Färbung, damit Grischan wusste, dass ich seine Verbalattacke zwar für keine Heldentat hielt, auch dachte, dass man Probleme nicht mit reißen und scheißen lösen kann, aber in jedem Fall zu ihm stand und auch ein winziges Wenig amüsiert war. Vielleicht war das zu viel, was ich von einem kleinen Wort erwartete.“

„Das Bett sollte aus Nougat sein, das wird schön warm und weich in der Nacht, und wenn es kalt wird im Winter, dann wird der Nougat fest, und dann kann man leiderleider nicht aufstehen.“

„Was dem Mann das Rennen und Schießen, ist der Frau das Reden und Küssen.“

„Der beste Kompromiss aus Mann und Frau ist eh das Baby: Es rülpst und furzt wie ein echter Kerl, kann sich aber alles erlächeln und hat weiche Haut wie eine Frau.“

„Diese kleine Spielerei ist nur möglich, weil Germany’s Next Topmodel nicht meine volle Aufmerksamkeit benötigt. Ich denke gar nichts, wenn ich das ansehe.“

„Ich lache ausgelassen. Meine Oberschenkel wackeln dabei vor Glück. Glücksfleisch ist das.“

„Die erste Tasche, die in meinem Besitz war, um darin meinen Besitz zu transportieren, war eine kleine Kindergartentasche, in die genau eine Brotbüchse passte. Die Brotbüchse war hellgrün, und hielt nur, wenn man einen roten Gummi um beide Hälften machte. Vielleicht wäre es auch mit einem grünen Gummi gegangen.“

Kirsten Fuchs: Kaum macht man mal was falsch, ist das auch wieder nicht richtig. Voland & Quist 2014, 156 Seiten, 14,90 Euro.

Im Gespräch mit Steven Uhly

L1003875 (3)© Secession Verlag

Steven Uhly, geboren 1964 in Köln, ist Übersetzer und Autor von bisher vier Romanen, die im Secession Verlag für Literatur in Zürich erschienen sind. Seinen ersten beiden Romanen Mein Leben in Aspik (2010) und Adams Fuge (2011) folgte Glückskind (2012). Darin wird die Geschichte eines verwahrlosten Mannes erzählt, der ein Kind findet und daraufhin beginnt, sein Leben zu ändern. Der Roman wurde verfilmt unter Regie von Michael Verhoeven.

Uhly überrascht seine Leser mit jedem neuen Roman, der in nichts seinem Vorgänger gleicht. In Königreich der Dämmerung (2014) breitet er ein imposantes Panorama des Europa nach dem Ende des 2. Weltkrieges aus. Großartige Charaktere, eine spannend erzählte und gut recherchierte Story  machen den Roman zu einem unvergesslichen Leseerlebnis. Wir wollten mehr über die Hintergründe des Romans wissen.

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Steven Uhly: Königreich der Dämmerung

Steven_Uhly_Königreich_der_DämmerungVor ein paar Tagen stand im Buchladen überraschend Steven Uhly vor mir und ich hatte die wundervolle Chance, mit ihm über seinen neuen Roman zu plaudern sowie mir das Buch  signieren zu lassen. Drei seiner Romane wurden bisher im Secession Verlag Berlin Zürich veröffentlicht. “Königreich der Dämmerung” war einer meiner Favoriten für die Longlist des deutschen Buchpreises 2014 -

Irgendeine Frage brennt mir immer auf der Seele, nachdem ich eine aufregende Geschichte gelesen habe. Auch die wenigen sehr starken Hauptfiguren bleiben im Kopf. Ana Stirnweiss, Lisa und Marta Kramer, Shimon Sarfati – ihr Schicksal lässt mich für lange Zeit nicht unberührt. Wieviel Persönliches wohl in dem Roman stecken mag? Die für mich erstaunlichste Antwort von Steven Uhly: die Geschichte ist von keinem Familienschicksal inspiriert. Vieles ist frei erfunden, basierend auf einer intensiven Recherchearbeit, ganz besonders da, wo es um Displaced Persons (DP= Menschen ohne Heimat, ein im 2. Weltkrieg durch die Alliierten geprägter Begriff) und jüdische Auswanderer nach Palästina/Israel geht.

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We talk Indie: Im Gespräch mit dem Verlag für Kurzes

Marion Lili Wagner gründete im Herbst 2011 den Verlag für Kurzes mit Sitz in Potsdam. Ihr Anliegen – so heißt es auf der Verlagswebseite – ist es, eine kleine Auswahl kurzer und guter Texte herauszugeben, die auf eine intelligente Art unterhaltsam und bereichernd sind. 2014 wurde sie für ihre Arbeit von der Bundesregierung als Kultur- und Kreativpilotin ausgezeichnet. Anlässlich dieser Auszeichnung, zu der wir ihr herzlich gratulieren, haben wir Marion Wagner ein paar Fragen rund ums Büchermachen und um die Indie-Szene gestellt.

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James Hanley: Fearon – die Hotlist 2014

hanley_fearonDas Leben in den Elendsvierteln, harte Arbeit in den Docks, auch für Kinder, die als zusätzliche Ernährer statt in die Schule zu gehen, ihre Familie über Wasser halten müssen. Themen, die in James Hanleys 1931 erschienenen Roman ,Fearon’ (im Original “Boy”) intensiv beschrieben werden. Dreck, Armut und doch dieser Hauch Hoffnung, man könne es irgendwann zu etwas bringen sind Triebfedern einer verstörenden Geschichte ohne Happy End.

James Hanley hat selbst einiges dazu beigetragen, seine Spuren zu verwischen. Er ist ein Autor, über den man damals wenig wusste, heute aber noch viel weniger. 1937 erschien seine Autobiographie namens ,Broken Water’, zu der man Hanley mehr überreden musste als dass er freiwillig Auskunft über sich gab. Sie ist gespickt mit allerlei Fehlinformationen über Geburt und Herkunft. Begonnen damit, dass Hanley nicht 1901 in Dublin, sondern bereits 1897 in Liverpool geboren wurde. Diese Herkunft weist eine entscheidende Parallele zum Protag0nisten seines wohl seinerzeit bekanntesten und zu Unrecht skandalisierten Romans ,Boy’ auf. Auch Arthur Fearon wächst in den Armenvierteln Liverpools auf. Kurz vor seinem dreizehnten Geburtstag entscheiden seine Eltern, dass er die Schule verlassen muss, um im Hafen zu arbeiten und Geld zu verdienen. Arthur Fearon ist keineswegs erleichtert darüber, der Schulbank endlich den Rücken kehren zu können, viel lieber würde er dort bleiben. Er will gern Drogist werden, sagt er. Von den Erwachsenen erntet er ein müdes Lächeln, von seinem jähzornigen Vater Schläge und Missachtung.

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Lydia Davis: Kanns nicht und wills nicht – die Hotlist 2014

Ich habe einfach kein Interesse daran, dieses Buch zu lesen. Ich hatte auch kein Interesse daran, dasLydia Davis Kanns nicht und wills nicht letzte, das ich zu lesen versuchte, zu lesen. Ich habe immer weniger Interesse daran, eines der Bücher zu lesen, die mir gehören, obwohl sie vermutlich einigermaßen gut sind.

Was ist das für ein Buch, das bisher so gänzlich übersehen und -hört wurde, geht es nur mir so? Oder kennen Sie Lydia Davis: Man Booker International Prize 2013, eine der originellsten Köpfe der amerikanischen Literatur (The New Yorker), Übersetzerin von Prousts Auf der Suche nach der verlorenen Zeit und Flauberts Madame Bovary ins Englische, never heard of. Für solche Entdeckungen gibt es zum Glück die Hotlist, auf der in diesem Jahr Kanns nicht und wills nicht von eben dieser Dame stand. Ich habe immer Interesse daran Bücher zu lesen, die vermutlich einigermaßen gut sind. Lydia Davis aber ist etwas ganz besonderes.

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Mawil: Kinderland – die Hotlist 2014

Erst seit kurzem habe ich Comics für mich wieder entdeckt und auch gleich eine Punktlandung gemacht. Ein kleines Stück mawil-kinderlandKindheit hat mir Mawil ins Haus geschickt. Mit seinem aktuellen Comic Kinderland schaffte er es dieses Jahr auch auf die Hotlist der unabhängigen Verlage.

Schon auf der ersten Seite erwarten mich der Sandmann und ein Mosaikheft und spätestens als die Tamara Bunke EOS und die Koofi auftauchen, bin ich gefangen und wieder acht Jahre alt. Finde mich zurecht in Bildern, Vokabular und Verhaltensweisen. Mawil zeichnet jedoch kein idealisiertes oder verklärtes Ostbild, er berichtet aus den letzten Tagen der DDR. Weiterlesen

Wildkatzen im Rudel

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Stephan Porombkas Plakat war zweifelsohne eines der meistfotografierten Motive.

Am Samstag war es dann endlich soweit. Fans, Unterstützer, Liebhaber, Leser und andere Buchmenschen trafen in der Berliner Brunnenstraße 181 zusammen, um für den Erhalt ocelots zu kämpfen. Als vor kurzem bekannt wurde, dass der Laden Insolvenz anmelden musste, schwappte eine Solidaritätswelle gigantischen Ausmaßes durch’s Internet. Landauf, landab wurde zur Unterstützung aufgerufen, es entstand die Facebookseite rettet das ocelot, der Hashtag #supportocelot und eben auch die Idee eines Flashmobs. Teil dessen waren ocelot-Masken, die jeder der Anwesenden zum verabredeten Zeitpunkt überstreifen und damit zum Inbegriff einer bedrohten Art werden sollte. Auch der Lebensraum des Buchkäufers wäre mit der Schließung ocelots erheblich beschnitten, ganz ohne Zweifel. Weiterlesen