Lydia Davis: Kanns nicht und wills nicht – die Hotlist 2014

Ich habe einfach kein Interesse daran, dieses Buch zu lesen. Ich hatte auch kein Interesse daran, dasLydia Davis Kanns nicht und wills nicht letzte, das ich zu lesen versuchte, zu lesen. Ich habe immer weniger Interesse daran, eines der Bücher zu lesen, die mir gehören, obwohl sie vermutlich einigermaßen gut sind.

Was ist das für ein Buch, das bisher so gänzlich übersehen und -hört wurde, geht es nur mir so? Oder kennen Sie Lydia Davis: Man Booker International Prize 2013, eine der originellsten Köpfe der amerikanischen Literatur (The New Yorker), Übersetzerin von Prousts Auf der Suche nach der verlorenen Zeit und Flauberts Madame Bovary ins Englische, never heard of. Für solche Entdeckungen gibt es zum Glück die Hotlist, auf der in diesem Jahr Kanns nicht und wills nicht von eben dieser Dame stand. Ich habe immer Interesse daran Bücher zu lesen, die vermutlich einigermaßen gut sind. Lydia Davis aber ist etwas ganz besonderes.

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Mawil: Kinderland – die Hotlist 2014

Erst seit kurzem habe ich Comics für mich wieder entdeckt und auch gleich eine Punktlandung gemacht. Ein kleines Stück mawil-kinderlandKindheit hat mir Mawil ins Haus geschickt. Mit seinem aktuellen Comic Kinderland schaffte er es dieses Jahr auch auf die Hotlist der unabhängigen Verlage.

Schon auf der ersten Seite erwarten mich der Sandmann und ein Mosaikheft und spätestens als die Tamara Bunke EOS und die Koofi auftauchen, bin ich gefangen und wieder acht Jahre alt. Finde mich zurecht in Bildern, Vokabular und Verhaltensweisen. Mawil zeichnet jedoch kein idealisiertes oder verklärtes Ostbild, er berichtet aus den letzten Tagen der DDR. Weiterlesen

Wildkatzen im Rudel

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Stephan Porombkas Plakat war zweifelsohne eines der meistfotografierten Motive.

Am Samstag war es dann endlich soweit. Fans, Unterstützer, Liebhaber, Leser und andere Buchmenschen trafen in der Berliner Brunnenstraße 181 zusammen, um für den Erhalt ocelots zu kämpfen. Als vor kurzem bekannt wurde, dass der Laden Insolvenz anmelden musste, schwappte eine Solidaritätswelle gigantischen Ausmaßes durch’s Internet. Landauf, landab wurde zur Unterstützung aufgerufen, es entstand die Facebookseite rettet das ocelot, der Hashtag #supportocelot und eben auch die Idee eines Flashmobs. Teil dessen waren ocelot-Masken, die jeder der Anwesenden zum verabredeten Zeitpunkt überstreifen und damit zum Inbegriff einer bedrohten Art werden sollte. Auch der Lebensraum des Buchkäufers wäre mit der Schließung ocelots erheblich beschnitten, ganz ohne Zweifel. Weiterlesen

Rettet das ocelot!

header-flashmobFLASHMOB für ocelot am 15. 11. 2014!

Die Nachricht über die Insolvenz von ocelot hat für Überraschung und Bestürzung gesorgt. Auch wir von We read Indie fänden es schade, wenn es diesen tollen Buchladen nicht mehr gäbe. Nun ist es so: Tröstende Worte sind ja ganz nett. Aber nur Taten helfen! Deshalb möchten wir euch einladen zum

FLASHMOB am 15. 11. 2014 um 2014 im ocelot in der Brunnenstraße 181, 10119 Berlin.

Was da genau geschehen wird? In erster Linie geht es darum, Bücher zu kaufen, viele Bücher, Bücher, die euch glücklich machen und die es ocelot ermöglichen, wieder flexibler zu handeln. Natürlich wollen wir damit aber auch ein Zeichen setzen für das ocelot und den unabhängigen Buchhandel im Allgemeinen. Mit einer richtig coolen Aktion und viel Aufmerksamkeit. Weiterlesen

Juan Pablo Villalobos: Quesadillas

juan-pablo-villalobos-quesadillas„Fick doch deine Mutter, Arschloch, und verpiss dich! Ein passender Beginn sieht anders aus, weiß ich ja, aber in meiner Geschichte und der meiner Familie wird nun mal ständig geflucht und geschimpft. Wenn ich wirklich alles so erzähle, wie es sich zugetragen hat, komme ich um einen Haufen Schimpfwörter einfach nicht herum. Ich schwöre, es geht nicht anders …“

Ich werde als Leser also vorgewarnt. Der sehr direkte Einstieg hält mich aber trotz allem nicht von der Lektüre ab. Und so nähere ich mich diesem Buch mal ganz sachte: Was sind denn eigentlich Quesadillas? Die mexikanische Nationalspeise schlechthin. Zubereitet aus Maistortillas, mexikanischen wohlgemerkt, die mit Käse belegt und zugeklappt werden und einfach nur unglaublich gut schmecken. Vor einigen Jahren konnte ich mich davon selbst überzeugen. Von daher ist es nicht verwunderlich, dass mich der witzige und etwas verrückte Plot gleich angesprochen hat.

Orest, ein pubertierendes Bürschchen, lebt mit sechs Geschwistern, seinem ständig fluchenden Vater und der Quesadillas backenden Mutter in Lagos de Moreno – in der mexikanischen Pampa und noch dazu in einer Art Bruchbude oder mit seinen Worten: einem Schuhkarton. Die unterschiedlichen Zubereitungsarten der berühmten Quesadillas sind Grundlage für die vielen verschiedenen Namen und zugleich Barometer für die gesellschaftliche und politische Situation im Land.

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Carl Nixon: Settlers Creek – die Hotlist 2014

 

»… und er spürt, wie seine Welt erzittert und ins Rutschen gerät«

nixon_2Anstelle eines klassischen Titelblattes eröffnen fünf doppelseitige Fotos von Lisa Bach das Buch; an ihren oberen Rändern sind die üblichen Angaben – Autor, Titel, Übersetzer und Verlag – und zum Schluss die Widmung vermerkt. Dass der Weidle Verlag großen Wert auf die Ausstattung seiner Bücher legt, darauf, dass jede Geschichte in ein angemessenes Gewand gekleidet wird, ist an Details wie diesen zu erkennen. Noch bevor man das erste Wort gelesen hat, ist man schon drin in der Romanwelt: Im Fall von Carl Nixons Settlers Creek sind es die Küsten- und Gebirgslandschaften Neuseelands, mal friedlich wie auf den erwähnten Bildern im Innern des Buches, mal unheilvoll wie auf Stephanie Nixons Schwarz-Weiß-Aufnahmen, die Umschlag und Einband zieren. Weiterlesen

Emma Donoghue: Zarte Landung – die Hotlist 2014

Eine Liebe zwischen zwei Frauen

1fcb91dbafJude Turner, Anfang zwanzig, lebt in einem verschlafenen Nest in Kanada und leitet ein Heimatmuseum, dessen einzige Mitarbeiterin sie ist. Sie verlässt ihr Städtchen nie und reist ungern mit dem Flugzeug. Als sie es ihrer Mutter zuliebe doch einmal tut, begegnet sie der Stewardess Síle O’Shaughnessy. Die Irin lebt in Dublin, ist Ende dreißig und seit fünf Jahren mit ihrer Freundin zusammen. Per E-Mail und Telefon entspinnt sich zwischen Jude und Síle eine Liebesgeschichte, mit der keine der beiden gerechnet hätte. Bei den gegenseitigen Besuchen merken sie, wie unterschiedlich ihre Lebenswelten sind, und schon bald taucht die Frage auf: Können wir zusammen leben? Und wenn ja – wie und wo? Weiterlesen

Günter Saalmann: Fiedlerin auf dem Dach – die Hotlist 2014

61927f1076Günter Saalmann [1] ist ein arrivierter Autor von Kinder- und Jugendbüchern, mit der “Fiedlerin auf dem Dach” stellt er seinen ersten Roman auch für Erwachsene vor. Publiziert wird das Buch vom kleinen Eichenspinner Verlag in Chemnitz [2], es wurde in die Hotlist von Erscheinungen unabhängiger Verlage gewählt. Die nachfolgende Besprechung erfolgt im Rahmen dieser Preisvergabe. Weiterlesen

We talk Indie: Im Gespräch mit Sebastian Guggolz

Auf der diesjährigen Buchmesse in Frankfurt haben die Klappentexterin und ich endlich Sebastian Guggolz aus Berlin Schöneberg kennen gelernt. Als junger Verleger und Gründer des Guggolz Verlages ist er in diesem Herbst mit zwei vergessenen Klassikern der Weltliteratur gestartet. Wir erfahren, warum Guggolz vorerst “der Verlag mit den zwei Büchern” bleiben soll und warum er keine eBooks produzieren will. Mit großer Begeisterung erzählt Sebastian uns, dass er die Bücher für sein Programm beim Stöbern in Antiquariaten findet.

Guggolz_Verlag_BildSebastian Guggolz

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Mit Brilka & Nino das Leben gefeiert

haratischwili_coverZum krönenden Abschluss der Frankfurter Buchmesse stand am Samstagabend ein ganz besonderes Highlight auf unserem Programm: Ein Abend mit Nino Haratischwili, zu dem uns die Frankfurter Verlagsanstalt eingeladen hatte. Zunächst erwartete uns eine Lesung und anschließend ein Essen mit der Autorin, ihrer Mutter Tamara und der FVA. Dieses Geschenk beglückte uns in höchstem Maße! Im Zuge unserer Brilka-Tour öffnen wir daher heute „Das achte Leben (Für Brilka)“ aus einer ganz besonderen Perspektive.

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