Jürgen Bauer: Was wir fürchten

41864798zDas Leben von Georg ist bestimmt vom Wunsch nach Kontrolle und Distanz. Gleichzeitig greift eine alles dominierende Angst nach ihm, die Angst davor, die Zügel des Lebens aus der Hand geben zu müssen, manipuliert oder gelenkt zu werden. Diese Angst hat Georg geformt, er hat sich unter Schmerzen und seelischen Qualen diszipliniert, sich zu einem kontrollierten Menschen erzogen, einem Menschen, der alles kontrollieren möchte. Georg hat sein Leben hunderte Male durchgespielt und alles bis zum Ende durchdacht, immer und immer wieder. Er hat hundertfach alle möglichen Wendungen analysiert, er läuft nicht mehr blind in etwas hinein, er hat ein Skript, an das er sich hält, Georg hat einen Plan. Weiterlesen

Gesa Olkusz: Legenden

„Familie, sagte er, man kann ihr einfach nicht entkommen“

In einer Schneenacht in Berlin trifft Filbert auf Mae, und sie verlieben sich, einfach so. Zwei Wochen später jedoch reist Filbert überstürzt nach Kanada, um dort nach seinem Großvater Stanis zu suchen, den er eigentlich für tot hielt – verraten von seinem Nachbarn Erich Mühlenthal, abtransportiert, hingerichtet. Doch das ist nur eine jahrzehntelang aufrechterhaltene Lüge. Die Wahrheit aufzudecken, ist aber gar nicht so einfach, denn erst einmal findet Filbert nur den Jungen Aureliusz, der in einer stillgelegten Fabrik eine Kutsche bauen will, um Stanis’ größten Fehler auszubessern – in der Vergangenheit. Und während Mae seine Träume träumt, verliert sich Filbert zunehmend in den verrückten Geschichten, die längst vergangen oder vielleicht nur erfunden sind. Weiterlesen

Indiebookday 2015 – ein großes Freudenfest!

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Schöner kann ein Indiebookday nicht beginnen, als mit einer persönlichen Indiebookempfehlung. In der Berliner Buchhandlung Hundt Hammer Stein zögert eine Kundin. In der Hand hält sie Das achte Leben (Für Brilka) von Nino Haratischwili, erschienen bei der Frankfurter Verlagsanstalt. Doch wie gut, dass zwei We-read-Indie-Damen direkt daneben stehen und ihre große Begeisterung für dieses Buch aus den Augen sprühen lassen. Daraufhin überlegt die Kundin nicht mehr lange, bedankt sich und schon klingelt die Kasse. Weiterlesen

Julia Wolf: Alles ist jetzt

wolfcoverEines jedenfalls ist vollkommen klar: So manche Erinnerungen verfügen über scharfe Reißzähne, mit denen sie die Vergangenheit schmerzlich gegenwärtig erscheinen lassen, wann immer die Gegebenheiten günstig sind. Julia Wolfs Debütroman erzählt in drastischer und knapper Form von dem Kampf einer jungen Frau gegen die Wunden von gestern. Weiterlesen

Lydia Tschukowskaja: Untertauchen

41843975nWer mich kennt weiß, dass ich die Bücher aus dem Dörlemann Verlag ganz besonders schätze. Immer wieder veröffentlicht der unabhängige Verlag aus der Schweiz wundervolle Bücher, nach deren Lektüre ich die Welt aus großer Dankbarkeit dafür umarmen möchte, dass es solche schönen Publikationen gibt. Der Verlag ist für mich auch aufgrund der liebevollen und hochwertigen Ausstattung seiner Ausgaben ein Garant für Qualität. Weiterlesen

We talk Indie: Im Gespräch mit dem Wallstein Verlag

Nur noch wenige Tage, dann ist es wieder soweit! Am 21. März feiern wir zum dritten Mal den Indiebookday. Ein schöner Anlass, um in die weite Welt der unabhängigen Verlage zu schauen. Viele Neugründungen hat es in den letzten Jahren gegeben – eine der jüngsten ist sicher die des Guggolz Verlages im Sommer 2014. Im Frühjahr 2012 startete mit vier Titeln der Verlag binooki und der Verlag für Kurzes im Jahr 2011. Mit dem Verlagshaus J. Frank Berlin, gegründet 2005, feiern wir in diesem Jahr zehnjähriges Jubiläum. Und mit dem Verlag Voland & Quist (2004) konnten wir uns im vergangenen Jahr über 10 Jahre Verlagsgeschichte freuen!

Auf eine fast 30jährige Verlagsgeschichte kann der Wallstein Verlag zurück schauen. Die Herausforderungen, damals einen Verlag zu gründen, waren den heutigen sicher ähnlich, im Detail aber doch anders. Im Gespräch mit Thorsten Ahrend, Gesellschafter des Verlages und Lektor für Deutsche Literatur, haben wir Einiges zum Verlag mit besonderem Fokus auf sein Belletristik-Programm erfahren.  Weiterlesen

Kai Weyand: Applaus für Bronikowski

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Frühling liegt in der Luft. Überall draußen spürt man ihn. Da sind die springenden Knospen an den Bäumen, die Krokus-Teppiche auf den Friedhöfen und in den Vorgärten. Man spürt ihn auch an den zurückkehrenden Wildgänsen am Himmel …

Der achtzehnte März brachte die erste warme Frühlingsluft des Jahres. NC wurde an diesem Tag einunddreißig, und außer der Gewissheit, dass sein Bruder anrufen würde, um ihm zu gratulieren, hatte er keine Vorstellung, was er sich von diesem Ereignis versprach.

Wie das so ist mit Geburtstagen – der eine feiert eine riesige Party, der andere gruselt sich vor dem einen Anruf pro Jahr, den er hasst. Doch bei NC ist es eben nicht nur dieser eine Tag. Sein ganzes bisheriges Leben ist eine endlose Kette solcher Tage. Und genauso wenig, wie er sich von diesem einen Tag erwartet, so hatte er dies am vorigen getan oder würde es für den folgenden Tag tun. Weiterlesen

Die Erbärmlichkeit des Krieges – Gesammelte Gedichte und ausgewählte Briefe von Wilfred Owen

wilfried_owen_die_erbärmlichkeit_des_krieges»Schrecklich-schöne Poesie«

Dem Krieg ins Gesicht schauen – mit jeder Faser des eigenen Körpers die Schmerzen und das Leid der Soldaten spüren. Das passiert, während ich »Die Erbärmlichkeit des Krieges« von Wilfred Owen lese. Dieser Lyrikband ist in der Edition ReVers beim Verlagshaus J. Frank | Berlin erschienen und bringt uns einen hierzulande eher unbekannten Lyriker näher. Und das Unbekannte und Unentdeckte, das reizt die Klappentexterin ja seit jeher besonders.

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Teresa Präauer: Johnny und Jean

»Unser Motor ist die Freundschaft, unser Treibstoff der Pastis«

9783835315563lJohnny und Jean, der eine aus New York, der andere aus Paris, zwei gefeierte Künstler, die seit Beginn des Studiums eine innige Freundschaft eint. Nein, ganz so ist es nicht: In Wirklichkeit stammen Johnny und Jean aus demselben Dorf, haben sich selbst diese Namen gegeben, um mehr nach Weltbürger und weniger nach Provinz zu klingen, und studieren nun gemeinsam Kunst in der zweitgrößten Stadt des Landes (Österreich denkt man aufgrund der Autorenvita immer mit, auch wenn es nicht einmal benannt wird). Und befreundet sind sie in Wahrheit auch nicht, es ist Johnny, der Ich-Erzähler, der sich nach einer Freundschaft mit Jean sehnt, so wie er sich nach New York sehnt. Weiterlesen

We talk Indie: Im Gespräch mit dem Open House Verlag

Open House Verlag

Den Open House Verlag gibt es seit 2012. Könnten Sie uns und unseren Lesern diesen kurz vorstellen?

Wir, Christiane Lang und Rainer Höltschl, sind auf der Suche nach einem Verlagsstandort von Freiburg i. Br. nach Leipzig gezogen, weil wir die Stadt sofort mochten. Und die Nähe zum Deutschen Literaturinstitut, aus dem jedes Jahr neue eigenwillige, gute Schriftsteller kommen, und zu Hochschulen, die junge Leute für die Buchbranche ausbilden, besonders interessant fanden.

Rainer Höltschl

Unser Schwerpunkt ist deutschsprachige und internationale (Norwegen, USA) Gegenwartsliteratur, vor allem Prosa, meist mit jungen Autoren. Ost und West, Frauen und Männer sollen dabei ungefähr gleich zu Wort kommen. Dazu startet im Januar 2015 unsere Sachbuch-Reihe seismograph – mit dem Thema Digitalisierung, anhand von drei künstlerischen Skype-Performances in Asien, Afrika und Europa – und im Sommer soll dann unsere schon länger geplante Reihe mit Klassiker-Neuentdeckungen starten.

Welchen Herausforderungen mussten Sie sich anfangs stellen? Sind es dieselben wie heute?

Wir hatten zwar vorher Literatur studiert, Bücher herausgegeben, übersetzt, geschrieben, in einem Verlag gearbeitet, das künftige Verlagsprofil im Kopf, aber trotzdem in vielem das Gefühl, mit dem Verlag praktisch bei null anzufangen: also ein Jahr Vertrieb aufbauen und gute Autoren suchen. Wir hatten da viel Glück, und die große Herausforderung besteht jetzt, nachdem die Reihen langsam Kontur bekommen, weiter darin, innovative Schriftsteller zu finden und sie durch intensives Lektorat, kontinuierliche, vertrauensvolle Zusammenarbeit und sorgfältige Buchgestaltung für unseren Verlag zu gewinnen.

Was schätzen Sie an der unabhängigen Kleinverlagswelt?

Unabhängigkeit gibt einem die Möglichkeit, ungewöhnliche, überraschende, widersprüchliche Projekte umzusetzen. Kleinheit ist oft nur ein nach außen gepflegtes, heimeliges Image-Accessoire. Nach innen jammert man dann über Selbstausbeutung. Man braucht schon eine gewisse Verlagsgröße von Mitarbeitern, Umsatz, PR, damit wenigstens ein Teil der Ideen, die man so zusammenspintisiert, zu Büchern wird. Und damit Autoren wie Verlagsleute ihrer Leidenschaft mit genügend Zeit und voller Energie nachgehen können.

Welche Entwicklungen auf dem Buchmarkt / im Literaturbetrieb beschäftigen Sie zurzeit besonders stark?

Welche Art von Literatur hat, was Qualität und Wirkung angeht, das größte Potential? Wie hängt das mit unserem veränderten Mediengebrauch zusammen? Wie verändert sich dadurch die Vorstellung vom guten und schönen Buch? Und wie können wir ein solches Buch – und danach noch viele weitere – produzieren?

Was wünschen Sie sich für die Zukunft, in welche Richtung sollte sich die Buch- und Verlagsbranche entwickeln?

Es braucht keine Appelle. E-Books und Self-Publishing zwingen Verlage ja förmlich dazu, schöne Bücher in neuen Formaten zu entwickeln und sich angemessen um ihre Autoren zu kümmern. Fernsehen und Computer haben das Buch als Leitmedium abgelöst. Gedruckte Bücher verlieren daher ein wenig ihren Charakter als Massenware, bewegen Menschen aber weiterhin dazu, sich in geschützten Räumen in fremde Welten vorzuwagen. Kein schlechtes Gegengewicht gegen die Angst vor allgegenwärtiger Ausspähung.

Zum Abschluss würden wir uns über eine Buchempfehlung freuen – aus Ihrem eigenen Programm oder dem eines anderen Indie-Verlages.

Von unserem eigenen Programm empfehlen wir die New Yorker Autorin Paula Bomer mit »Baby«, ihren witzig-bissigen Erzählungen über Paare, Familien und Kinder. Und sonst die immer vorzeigbaren Sachbücher unserer alten Freiburger Freunde von Orange Press: aktuelle Themen – originell, klug und verständlich vertieft.

Die Bücherliebhaberin stattete dem Verlag erst vor kurzem einen Besuch ab. Ihre Eindrücke schildert sie auf ihrem Blog glasperlenspiel13.