Die Erbärmlichkeit des Krieges – Gesammelte Gedichte und ausgewählte Briefe von Wilfred Owen

wilfried_owen_die_erbärmlichkeit_des_krieges»Schrecklich-schöne Poesie«

Dem Krieg ins Gesicht schauen – mit jeder Faser des eigenen Körpers die Schmerzen und das Leid der Soldaten spüren. Das passiert, während ich »Die Erbärmlichkeit des Krieges« von Wilfred Owen lese. Dieser Lyrikband ist in der Edition ReVers beim Verlagshaus J. Frank | Berlin erschienen und bringt uns einen hierzulande eher unbekannten Lyriker näher. Und das Unbekannte und Unentdeckte, das reizt die Klappentexterin ja seit jeher besonders.

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Teresa Präauer: Johnny und Jean

»Unser Motor ist die Freundschaft, unser Treibstoff der Pastis«

9783835315563lJohnny und Jean, der eine aus New York, der andere aus Paris, zwei gefeierte Künstler, die seit Beginn des Studiums eine innige Freundschaft eint. Nein, ganz so ist es nicht: In Wirklichkeit stammen Johnny und Jean aus demselben Dorf, haben sich selbst diese Namen gegeben, um mehr nach Weltbürger und weniger nach Provinz zu klingen, und studieren nun gemeinsam Kunst in der zweitgrößten Stadt des Landes (Österreich denkt man aufgrund der Autorenvita immer mit, auch wenn es nicht einmal benannt wird). Und befreundet sind sie in Wahrheit auch nicht, es ist Johnny, der Ich-Erzähler, der sich nach einer Freundschaft mit Jean sehnt, so wie er sich nach New York sehnt. Weiterlesen

We talk Indie: Im Gespräch mit dem Open House Verlag

Open House Verlag

Den Open House Verlag gibt es seit 2012. Könnten Sie uns und unseren Lesern diesen kurz vorstellen?

Wir, Christiane Lang und Rainer Höltschl, sind auf der Suche nach einem Verlagsstandort von Freiburg i. Br. nach Leipzig gezogen, weil wir die Stadt sofort mochten. Und die Nähe zum Deutschen Literaturinstitut, aus dem jedes Jahr neue eigenwillige, gute Schriftsteller kommen, und zu Hochschulen, die junge Leute für die Buchbranche ausbilden, besonders interessant fanden.

Rainer Höltschl

Unser Schwerpunkt ist deutschsprachige und internationale (Norwegen, USA) Gegenwartsliteratur, vor allem Prosa, meist mit jungen Autoren. Ost und West, Frauen und Männer sollen dabei ungefähr gleich zu Wort kommen. Dazu startet im Januar 2015 unsere Sachbuch-Reihe seismograph – mit dem Thema Digitalisierung, anhand von drei künstlerischen Skype-Performances in Asien, Afrika und Europa – und im Sommer soll dann unsere schon länger geplante Reihe mit Klassiker-Neuentdeckungen starten.

Welchen Herausforderungen mussten Sie sich anfangs stellen? Sind es dieselben wie heute?

Wir hatten zwar vorher Literatur studiert, Bücher herausgegeben, übersetzt, geschrieben, in einem Verlag gearbeitet, das künftige Verlagsprofil im Kopf, aber trotzdem in vielem das Gefühl, mit dem Verlag praktisch bei null anzufangen: also ein Jahr Vertrieb aufbauen und gute Autoren suchen. Wir hatten da viel Glück, und die große Herausforderung besteht jetzt, nachdem die Reihen langsam Kontur bekommen, weiter darin, innovative Schriftsteller zu finden und sie durch intensives Lektorat, kontinuierliche, vertrauensvolle Zusammenarbeit und sorgfältige Buchgestaltung für unseren Verlag zu gewinnen.

Was schätzen Sie an der unabhängigen Kleinverlagswelt?

Unabhängigkeit gibt einem die Möglichkeit, ungewöhnliche, überraschende, widersprüchliche Projekte umzusetzen. Kleinheit ist oft nur ein nach außen gepflegtes, heimeliges Image-Accessoire. Nach innen jammert man dann über Selbstausbeutung. Man braucht schon eine gewisse Verlagsgröße von Mitarbeitern, Umsatz, PR, damit wenigstens ein Teil der Ideen, die man so zusammenspintisiert, zu Büchern wird. Und damit Autoren wie Verlagsleute ihrer Leidenschaft mit genügend Zeit und voller Energie nachgehen können.

Welche Entwicklungen auf dem Buchmarkt / im Literaturbetrieb beschäftigen Sie zurzeit besonders stark?

Welche Art von Literatur hat, was Qualität und Wirkung angeht, das größte Potential? Wie hängt das mit unserem veränderten Mediengebrauch zusammen? Wie verändert sich dadurch die Vorstellung vom guten und schönen Buch? Und wie können wir ein solches Buch – und danach noch viele weitere – produzieren?

Was wünschen Sie sich für die Zukunft, in welche Richtung sollte sich die Buch- und Verlagsbranche entwickeln?

Es braucht keine Appelle. E-Books und Self-Publishing zwingen Verlage ja förmlich dazu, schöne Bücher in neuen Formaten zu entwickeln und sich angemessen um ihre Autoren zu kümmern. Fernsehen und Computer haben das Buch als Leitmedium abgelöst. Gedruckte Bücher verlieren daher ein wenig ihren Charakter als Massenware, bewegen Menschen aber weiterhin dazu, sich in geschützten Räumen in fremde Welten vorzuwagen. Kein schlechtes Gegengewicht gegen die Angst vor allgegenwärtiger Ausspähung.

Zum Abschluss würden wir uns über eine Buchempfehlung freuen – aus Ihrem eigenen Programm oder dem eines anderen Indie-Verlages.

Von unserem eigenen Programm empfehlen wir die New Yorker Autorin Paula Bomer mit »Baby«, ihren witzig-bissigen Erzählungen über Paare, Familien und Kinder. Und sonst die immer vorzeigbaren Sachbücher unserer alten Freiburger Freunde von Orange Press: aktuelle Themen – originell, klug und verständlich vertieft.

Die Bücherliebhaberin stattete dem Verlag erst vor kurzem einen Besuch ab. Ihre Eindrücke schildert sie auf ihrem Blog glasperlenspiel13.

Ayelet Gundar-Goshen: Löwen wecken

Und er dachte sich gerade, dies sei der schönste Mond, den er je gesehen habe, als er diesen Mann umfuhr. Und als er ihn umfuhr, dachte er im ersten Moment immer noch an den Mond und hörte dann mit einem Schlag auf, als hätte man eine Kerze ausgeblasen.

gundar-goshen_lc3b6wen_weckenEine einzige unbedachte Sekunde in jener Mondnacht in der Wüste Sinai ändert alles. Und für den israelischen Chirurgen Dr. Etan Grien beginnt ein Leben in zwei Parallelwelten, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten! Sich dem zu entziehen: unmöglich. Denn er hat Schuld auf sich geladen, als er den schwarzen Mann in der Wüste umgefahren und – viel schlimmer noch – liegen gelassen hat.  Weiterlesen

[Gastrezension] Helwig Arenz: Der böse Nik

Ein Spiel mit Witz und Widerwärtigkeit – Eine Fingerübung

51PqYcNWhOL._SY344_BO1,204,203,200_Das Buch „Der böse Nik“ fiel mir über den Verlag ars vivendi in die Hände, die es zu Rezensionszwecken an den Mann und die Frau brachten. Vielen Dank an dieser Stelle für das gelieferte Exemplar. Nun möchte ich im Gegenzug meine kleine Besprechung dazu liefern.

Gereizt hatte mich an dem Stoff vor allem die Grundvoraussetzung, dass mit Nik ein Hauptdarsteller installiert wird, der nicht den Normen entspricht und dessen Handlungen von eigenen Motiven geleitet sind und er somit alles und jeden aus dem Weg räumt, was seinen Zielen im Weg ist. Weiterlesen

Boris Meyn: Der Kuss

Die geheimnisvolle Kraft der Anziehung

zwischen-kunstprosa-und-liebesroman-der-kuss-von-boris-meyn-erscheint-im-september-bei-osburgDer Bildhauer Peter, der einst in Hamburg studiert hat, aber seit 20 Jahren in Frankreich lebt, kehrt nach Deutschland zurück – wegen eines Schecks in Höhe von sechs Millionen Euro, den ihm seine Ex-Freundin Anelis geschickt hat. Sie leitet inzwischen eine Kunstgalerie. Mit ihr und seinem Freund Theo war Peter eng verbunden, bevor er das Dreiecksverhältnis nicht mehr ertrug und nach Frankreich flüchtete. Dort führt er mittlerweile mit einem Kompagnon ein sehr erfolgreiches Restaurant, in dem es nur ein Gericht gibt. In Hamburg fällt ihm in erster Linie auf, wie sehr sich die Stadt verändert hat – genau wie seine früheren Freunde Mark, Julia und Swantje. Peter sieht sich alles an, taucht in die Vergangenheit ein, zieht Vergleiche – und schließt endgültig ab. Weiterlesen

Michel Bergmann: Weinhebers Koffer

weinhebers_kofferUnvergessen ist das Gefühl, welches ich hatte, als ich das erste Mal diesen schmalen und mit blauem Leinen wunderschön gestalteten Band in der Hand hielt. Etwas unwiderstehlich Geheimnisvolles strahlte von ihm aus. Herausgegeben von Nikolaus Hansen, eröffnet “Weinhebers Koffer” die Edition Kattegat, eine neue Reihe im Dörlemann Verlag, welche das Meer in all seinen Facetten zeigen und sowohl Neuerscheinungen als auch Klassiker der Literatur vereinen wird. In dem Roman von Michel Bergmann steht das Meer als Symbol für Weggehen und Ankommen. Als Chance, ins Licht zu reisen oder für immer Abschied zu nehmen. Es ist die Geschichte einer Flucht.

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Im Gespräch mit Irina Kramp, Initiatorin der UV-Lesung in Leipzig

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Die UV – die Lesung der unabhängigen Verlage ist mittlerweile ein fester Termin im Lesungsprogramm der Leipziger Buchmesse: Jedes Jahr am Buchmessefreitag kommen im Lindenfels Westflügel achtzehn Indie-Verlage zusammen, um dem Publikum das Beste aus ihren Programmen zu präsentieren. Anlässlich der Crowdfunding-Kampagne »Bastel Deine/n SuperverlegerIn!«, die noch bis zum 7. Februar läuft, haben wir uns mit der Mitinitiatorin und -organisatorin Irina Kramp über die Hintergründe der Veranstaltung unterhalten und darüber, warum wir – Leser, Autoren, Verleger – sie auch weiterhin brauchen. Weiterlesen

Vorfreude auf den Indie-Frühling

fruehling

Ehrlich? Wir sind den Winter, das Grau, die betrübten Gesichter leid! Wir wollen den Frühling! Weil wir aber wissen, dass ohnehin niemand auf uns hört und es weiterhin schneien, graupeln und regnen wird, holen wir uns den Frühling kurzerhand ins Haus – und zwar in Gestalt von Büchern, was sonst?! Die neuen Programmvorschauen wurden schon vor Wochen ausgeliefert, die ersten Frühjahrstitel erscheinen dieser Tage. Wir haben einen Blick in die Kataloge geworfen und für euch die Novitäten herausgesucht, auf die wir uns am meisten freuen. Ein Potpourri literarischer Schmankerl! Welche Bücher würdet ihr ergänzen? Weiterlesen

Jami Attenberg: Die Middlesteins

Attenberg_Die_MiddlesteinsSeit wir die ersten Seiten von Die Middlesteins von Jami Attenberg gelesen haben, wussten wir: Auf dieses Buch haben wir gewartet. Das ist ein Herzensbuch! Die Freude war riesengroß, als wir entdeckten, dass wir einen wahren Schatz gefunden haben. Konnten es kaum erwarten, der Welt kundzutun. Und nun – endlich! – fliegt das Buch hinaus, ist für jeden zu kaufen. Wir schenken euch zu diesem besonderen Buch eine besondere Rezension – ein glückliches Doppel. In einem logisch abgestimmten Mix unterhalten wir zwei uns über diese ganz normale Familie mit ihren herrlich schrulligen und extrem liebenswerten Charakteren. Die Links zu den vollständigen Rezensionen findet ihr unten …  Weiterlesen