Olivier Sillig: Skoda

„Nicht die Zeit schafft Bindungen, sondern die Ereignisse.“

Die Zikaden hört man ununterbrochen, aber man begegnet ihnen nur selten. Man lebt mit ihnen zusammen, ohne sie zu kennen, wie mit vielen Menschen oder Menschengruppen, sogar Nahestehenden.

skodaManche Verlage, wie zum Beispiel der Bilger Verlag, schaffen es, den Inhalt eines Buches im Klappentext perfekt und in knappen Worten zusammen zu fassen, bzw. die Stimmung des Buches wiederzugeben. Bei dem vor ein paar Tagen erschienenen Buch „Skoda“ von Olivier Sillig versprechen bereits das Cover und die Gestaltung des Buches eine wunderbare Begegnung. Jedes zusätzliche Wort auf dem Umschlag würde die Begegnung des Lesers mit Stjepan und Skoda möglicherweise trüben.

Es herrscht Krieg. Irgendwo. Stjepan ist Soldat. Seine Kollegen wurden gerade umgebracht. In einem Auto am Straßenrand findet er ein Baby, dessen Mutter tot ist. Stjepan nimmt es mit und gibt ihm den Namen Skoda. Sie machen sich auf den Weg ins Ungewisse, fliehen vor dem Tod, lernen Liebe und Wärme, vor allem jedoch die ganze Sinnlosigkeit des Krieges kennen.

Still, Skoda, still, du wirst die Zikaden zum Schweigen bringen.

Olivier Sillig hat in „Skoda“ ein ganz anderes Thema aufgegriffen als in seinem Buch „Schule der Gaukler“. Auch wenn mir bereits sein historischer Roman gut gefallen hat, finde ich, dass der Autor mit „Skoda“ eine wahre Perle erschaffen hat, die ich gerne aus den Tiefen des Büchermeeres geborgen habe. Es sind nur 80 Seiten, die sich zwischen den Buchdeckeln befinden. Jede davon ist aber bedeutungsschwanger, stark, unvergesslich. Silligs Sprache ist kraftvoll und vermittelt starke Gefühle. Sie ist auch brutal wie Stjepans Erlebnisse und zärtlich wie die Liebe und Nähe, die der Soldat erleben darf.

Als ich das Buch beendet hatte, überlegte ich, ob der Autor nicht eine längere Geschichte hätte schreiben sollen. Ich stellte jedoch fest, dass die 80 Seiten genau richtig waren, die Worte nicht zu knapp und die Ideen im positiven Sinne ausgeschöpft wurden. Mehr wäre hier zu viel.

„Skoda“ gehört für mich zu den besonderen und wertvollsten Leseerlebnissen.

Als er das Kind auf den Arm nimmt, tut er so, als wäre es ein Glöckchen, das man nicht klingen lassen darf.

Olivier Sillig: Skoda. Aus dem Französischen von Claudia Steinitz. bilgerverlag 2012, 84 Seiten, 17,00 €.

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