Die Buchmacher 2016

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Am Wochenende rund um den Welttag des Buches am 23.April stand die Lübecker Petrikirche ganz im Zeichen unabhängigen Verlegens. Bereits zum zweiten Mal versammelten sich in eindrucksvoller Kulisse kleine, engagierte Verlage abseits des Mainstreams, um interessierten Leserinnen und Lesern sich selbst und ihr Programm vorzustellen. Manche Verlage waren bereits im letzten Jahr dabei, andere reisten zum ersten Mal an; darunter in diesem Jahr einige Kinder – und Jugendbuchverlage.

Hier gab es nachhaltig produzierte und liebevoll gestaltete Kinderbücher aus den Verlagshäusern Moritz, Magellan, Peter Hammer und Jacoby & Stuart zu bestaunen. Bei vielen von ihnen ließen sich Bücher zum Thema Flucht und Neuanfang entdecken, so z.B. „Am Tag, als Saída zu uns kam“ aus dem Peter Hammer Verlag, der im Übrigen auch schwerpunktmäßig Belletristik aus Afrika verlegt. Auch der Magellan Verlag hatte mit „Mein Freund Salim“ ein Kinderbuch zur Flüchtlingsthematik im Gepäck, die Autorin Uticha Marmon las am Samstagmorgen aus ihrem Roman. Der Moritz Verlag beeindruckte mit seinem herrlich illustrierten Landkartenbuch „Alle Welt„, zu dem sich nun im Frühjahr auch ein „Meine Welt“-Malbuch gesellt hat. Es ist deutlich zu spüren, wie sich bedeutende Themen zu Recht auch in den Kinderbuchprogrammen spiegeln.

Waren im letzten Jahr siebzehn Verlage anwesend, hat man sich in diesem Jahr deutlich gesteigert. Fünfundzwanzig Verlagshäuser aus Deutschland und Österreich waren vertreten und stellten sich den Fragen der geneigten Leserschaft. Viele Besucher waren bereits mit einigen von ihnen vertraut und suchten zielstrebig ihre Favoriten auf, andere kamen ganz unbedarft und wurden positiv überrascht. Mancher hatte gar im letzten Jahr ein Buch gekauft und wollte nun mit den „Verantwortlichen“ darüber ins Gespräch kommen. So erzählt Britta Jürgs, Verlegerin des AvivA-Verlags: „Besonders gefreut habe ich mich darüber, „alte Bekannte“ wiederzutreffen, die wieder den Weg zum AvivA-Büchertisch gesucht und gefunden haben und begeistert von ihren Leseeindrücken berichteten.“ Wie auch schon 2015 entstand an vielen Tischen ein lebhafter Dialog; sei es nun, weil man etwas entdeckte, was einem vorher nicht bekannt war oder sei es, weil man über etwas Liebgewonnenes plaudern wollte. Diese Offenheit wird auch von Besuchern geschätzt: „Dass man ganz locker mit den Verlegern selbst oder deren Angestellten ins Gespräch kommen konnte, fand ich klasse.“, lobt eine Besucherin, die die Messe zum ersten Mal besuchte. „Wäre toll, wenn es wieder stattfinden würde.“ Geschätzt werden nicht nur die besonderen Bücher, sondern auch der kleine Einblick in die Verlagsarbeit generell und der barrierefreie Zugang, den es sonst für Otto-Normal-Leser so nicht gibt. Mit Hinstorff und Wachholtz waren in diesem Jahr auch zwei Regionalverlage vertreten.

Am Rande des normalen Publikumsverkehrs fand ein Rahmenprogramm aus Lesungen im Petricafé und Verlagsvorstellungen am jeweiligen Buchtisch statt. So lasen am Freitagabend zuerst Anja Kümmel aus „V oder die vierte Wand“ (ein dystopischer Zukunftsroman auf mehreren Zeitebenen, erschienen im Hablizel Verlag, dessen Verleger leider aus Krankheitsgründen seine Teilnahme kurzfristig absagen musste) und Jutta Reichelt aus „Wiederholte Verdächtigungen“ (Klöpfer & Meyer). Ab Samstag folgten Buch – und Verlagsvorstellungen in etwa halbstündiger Taktung. Dort war z.B. von der Verlagsgeschichte der Edition Nautilus die Rede, die Frank Witzel im Programm hatten, lange, bevor er den Deutschen Buchpreis gewann. Oder von dem ambitionierten Projekt, Jean-Henri Fabres rund 700 Pilzaquarelle in einem prächtigen Naturkunden-Band zu vereinen. Wenn man bei all diesen Vorstellungen etwas spüren konnte, ganz abseits vom tatsächlich Gesprochenen, dann war es die Leidenschaft und Begeisterung für das gute Buch. Nicht nur für die inhaltlich und stilistisch gute, sondern auch die gestalterisch durchdachte Literatur. Im besten Falle trifft alles aufeinander und entfaltet eine durchschlagende Wirkung. Auch ich habe Entdeckungen machen können, so z.B. im Wunderhorn Verlag, dessen Verleger Manfred Metzner in diesem Jahr zum ersten Mal vor Ort war. Er habe „wunderbare, neugierige, entdeckungs- und gesprächsfreudige Menschen kennenlernen dürfen, die uns alle darin bestärkt haben, mutig immer weiter außergewöhnliche Bücher zu machen.

Auch die Patenschaften in der Hüxstr., vorrangig von Buchhändlerin Hannelore Adler initiiert, stießen auf große Zustimmung. „Nicht nur die Idee der Patenschaften mit Geschäften in der Hüxstraße war großartig – unsere Bücher waren bei My Hats wunderbar und sehr passend präsentiert.„, freut sich Britta Jürgs, die ihrer Verlagspatin Petra Witt vor der Messe noch einen Besuch abstattete. War im letzten Jahr noch eine mangelnde Einbindung des lübschen Buchhandels zu beklagen, gab es auch hier Verbesserungen. So lobt Manuela Gewin-Bock, Inhaberin der Buchhandlung Langenkamp, ihr habe die Messe in diesem Jahr noch besser gefallen als 2015. Sie konnte mit gezielter Kundenansprache viele LeserInnen erreichen, die sie auch auf der Messe wiedergetroffen habe. „Für mich persönlich war die Messe wieder erfolgreich, da ich, wie im letzten Jahr, Kontakte knüpfen konnte zu Verlagen, deren Vertreter mich sonst nicht besuchen – da fand ich es besonders bereichernd, dass einige Kinder- und Jugendbuchverlage  teilgenommen haben. Aus diesen Begegnungen sind schon erfolgreiche Geschäftsbeziehungen entstanden.“

Juliane Hagenström, deren Buchhandlung Bücherliebe etwas abseits der Lübecker Innenstadt liegt, wollte die Messe in diesem Jahr um keinen Preis verpassen – und wurde nicht enttäuscht. „Bücher in den Händen zu halten, die man sonst nur von den Verlagsvorschauen kennt, fühlt sich einfach anders an. Spannende Gespräche an den einzelnen Verlagsständen gaben tieferen Einblick in das jeweilige Verlagskonzept und auf die daraus entstehende Zusammenarbeit mit den Vertretern und Verlegern freue ich mich jetzt schon.“ Zwei kleine Wünsche hat sie allerdings für 2017: „Mehr Werbung und gezieltere Zusammenarbeit mit den Buchhändlern der Region und mehr Beachtung in der regionalen Presse.“ Alle jedoch, ob VerlegerInnen, BuchhändlerInnen oder BesucherInnen, sind voll des Lobes für diese Veranstaltung und ihre Organisatoren. Es besteht große Hoffnung auf eine Fortsetzung in 2017!

Und da ich so viele Bilder gemacht habe, gibt’s zum Abschluss noch ein bisschen was auf die Augen:

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