10 Lieblingsbücher aus Indie-Verlagen

indies

Der ein oder andere hat vielleicht die Diskussionen rundum das VG (Verwertungsgesellschaft)- Wort Urteil und die daraus resultierenden Rückzahlungsforderungen an Verlage verfolgt. Tilman von 54books hat in zwei separaten Beiträgen (Teil 1 & Teil 2) die juristischen Entscheidungen und deren Grundlagen detailliert dargelegt – wer sich nochmal genau informieren möchte, worum es geht, dem seien diese Texte dringend ans Herz gelegt. Rechtlich steht also fest: eine über Jahre gängige Praxis hat sich als rechtswidrig erwiesen. Die Folgen sind für viele Verlage, insbesondere die kleineren und konzernunabhängigen, bislang noch unüberschaubar. Es steht nur fest, dass sie womöglich einige von ihnen die Existenz kosten werden. Die Kurt-Wolff-Stiftung schreibt dazu in einer Stellungnahme: Die Rückzahlungsforderungen, die nun anstehen, lassen bereits die größten deutschen Verlagsgruppen schwitzen. Sie werden einige unserer unabhängigen Kolleginnen und Kollegen jedoch derart treffen, dass sie wahrscheinlich in die Insolvenz gehen müssen. Dieses Urteil hat vor allem auch deshalb diese katastrophale Wirkung, weil die Stundung der Forderungen abgelehnt wurde.

Nun sind wir uns sicherlich darin einig, dass die von einem Urteil wie diesem am meisten Bedrohten auch gleichzeitig die sind, die die Buchbranche und Verlagslandschaft bereichern. Sie sind freilich nicht die einzigen, die das tun, aber sie wagen Dinge, die andernorts aufgrund mangelnder Rentabilität vielleicht gar nicht erst in Angriff genommen worden wären. Sie füllen und bedienen Nischen, sie sorgen für ein breites Angebot verschiedenster Literatur und entdecken Klassiker neu. Deshalb habe ich zehn Bücher aus Indie-Verlagen gesammelt, die mich nachhaltig beeindruckt haben. Oft sogar über Jahre hinweg. Mit dem Bloggerzusammenschluss We Read Indie versuchen wir ohnehin seit Jahren, auch andere von der Qualität unserer Entdeckungen und von der Wichtigkeit dieser kleinen Verlagshäuser zu überzeugen. Kürzlich gratulierten wir dem kunstanstifter-Verlag zum zehnten Geburtstag. Ich würde mich freuen, wenn auch ihr unter dem Hashtag #wereadindie zu euren Erfahrungen mit kleinen Verlagen und ihren Büchern bloggt. Welche haben euch besonders begeistert und warum? Was macht die Indies aus? Empfehlt, was das Zeug hält auf möglichst vielen Kanälen und macht auf die Situation aufmerksam!

Hier ist eine Auswahl:

Rui Zink – Die Installation der Angst: Ein bedrückendes Kammerspiel über die Nutzbarmachung von Angst und Vorurteilen, eindringlich und aufdringlich, – für mich eines der besten Bücher dieses Jahres! (Weidle Verlag)

Giwi Margwelaschwili – Das Leseleben: Margwelaschwili, deutsch-georgischer Philosoph, sinniert in diesem schmalen Bändchen in sehr kurzen Texten über Buchcharaktere und ihr Leben, wenn der Leser nicht guckt. Sehr charmant und originell, jedes Buch ist ein Unikat! (Verbrecher Verlag)

Emmanuel Carrère – Limonow: Carrère ist sowieso empfehlenswert, immer. Aber durch dieses Buch wurde ich auf ihn aufmerksam. Limonow ist eine reale Figur, ein politischer Desperado, ein Mann, wie man ihn sich besser nicht ausdenken könnte. Carrère ist seinem Leben auf der Spur. (Matthes & Seitz im Original, das Taschenbuch ist bei btb erschienen)

Gail Jones – Ein Samstag in Sydney: Ein verwobenes Netz aus Geschichten, die an einem einzigen Tag in Sydney zusammenlaufen. Handwerklich und stilistisch für mich eine echte Entdeckung! (Edition Nautilus im Original, das Taschenbuch ist bei dtv erschienen)

Michael Weins – Goldener Reiter: Es ist die Geschichte einer psychischen Krankheit. Jonas‘ Mutter wird mit Wahnvorstellungen nach Ochsenzoll gebracht, er muss mit dem Erlebten irgendwie umgehen und die Situation einordnen. Das Buch basiert auf tatsächlichen Erfahrungen und hat mich nicht nur gefangen, sondern umgehend für Michael Weins eingenommen. (mairisch)

Robert Seethaler – Der Trafikant: Ein Klassiker mittlerweile, der in einem kleinen Verlag das Licht der Welt erblickte. In den 30er Jahren marschieren die Nazis in Österreich ein und ein Junge arbeitet in einer Wiener Tabaktrafik. Stammkunde dort: Sigmund Freud. Die beiden kommen ins Gespräch, freunden sich an. (Kein & Aber)

Jürgen Bauer – Was wir fürchten: Ein Verwirrspiel zwischen Wahn und Wirklichkeit, in dem über lange Strecken nicht klar ist, wer in dieser Geschichte bei Verstand ist. Es geht um das Aufwachsen in schwierigen Verhältnissen und die Angst als Form, Kontrolle über die Unberechenbarkeit des Lebens zu behalten. (Septime Verlag)

Michael Frayn – Streichholzschachteltheater: Zum Brüllen komische Dialoge über alles und nichts, eine Auszeichnung für den, der am authentischsten er selbst war, ein Shakespeare-Stück, das als unmittelbare Realität einen Nachrichtensprecher beschäftigt. Absurd, verrückt und in wundervoller Ausstattung erschienen! (Dörlemann Verlag)

Bettina Spoerri – Herzvirus: Auch hier steht eine psychische Erkrankung im Mittelpunkt. Es ist die bipolare Störung einer Mutter und die Auseinandersetzung einer Tochter mit den Erlebnissen. Geschickt verschränkte Perspektiven und besondere sprachliche Bilder versuchen, diesen Einschnitt in einzelnen Episoden fassbar zu machen. (braumüller)

Nino Haratischwili – Das achte Leben (für Brilka): Ein Epos von über tausend Seiten, das eine georgische Familie über mehrere Generationen begleitet. Wie ein Klassiker liest sich dieses Monumenalwerk jetzt schon, zeitlos und flüssig. Längst kein Geheimtipp mehr, aber ein Buch, das man trotz seiner Länge unumwunden weiterempfehlen sollte. (Frankfurter Verlagsanstalt)

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