We talk Indie: Im Gespräch mit dem binooki Verlag

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Wir sind schon ganz aufgeregt: Der Indiebookday nähert sich uns mit großen Schritten. Am 22. März heißt es dann wieder: „Besucht Euren Buchhändler des Vertrauens, kauft Euch ein Buch aus einem unabhängigen Verlag, fotografiert das Buch oder Euch gemeinsam mit dem Buch und postet es im sozialen Netzwerk.“ Daniel Beskos vom mairisch Verlag hat den Indiebookday im vergangenen Jahr initiiert. Und schon jetzt hat er sich zu einem Feiertag für viele unabhängige Buchhändler und Verlage entwickelt. Aber auch für uns. Ohne den Indiebookday würde es We read Indie gar nicht geben. Deshalb haben wir uns zu diesem feinen Anlass tolle Sachen ausgedacht. Als Dankeschön für Eure Treue und aus Freude über diesen besonderen Tag.

Im Vorfeld werden wir in der neuen Reihe We talk Indie drei Verlage zu Wort kommen lassen. Diesen Wunsch verspüren wir schon sehr lange. Nicht nur Bücher aus der Kleinverlagswelt vorzustellen, sondern auch die Köpfe hinter den schönen Indie-Programmen. Caterina und ich haben im vergangenen Sommer auf der Gartenmesse der kleinen Verlage am Wannsee bereits einige VerlegerInnen kennengelernt. In diesen Genuss sollt Ihr mit unseren Verlagsinterviews ebenfalls kommen. Einen ersten Einblick in die Arbeit eines unabhängigen Verlags gab es dazu im September 2013 mit dem Interview der Verlegerin Sabine Dörlemann. Den Anfang der neuen Reihe hingegen macht heute der Berliner binooki Verlag. Es folgen das Verlagshaus J. Frank | Berlin und Voland & Quist.

Aber das ist noch nicht alles. Zum Indiebookday erwarten Euch andere tolle Dinge. Wir verlosen drei wunderschöne Überraschungspakete mit Büchern aus den oben genannten Indieverlagen. Es bleibt also spannend.

Nun bitte Vorhang auf für die beiden binooki-Verlegerinnen Inci Bürhaniye und Selma Wels.

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Inci Bürhaniye (links im Bild) und Selma Wels (rechts im Bild) / Foto: © Barbara Dietl

We read Indie: Wie ist es zu der Gründung des Verlages gekommen?

Selma Wels: Meine Schwester Inci hat schon immer gerne mehr türkische als deutsche Literatur gelesen und empfahl mir oft einige gute Bücher: „Die muss du unbedingt mal lesen.“ Ich dachte mir dann, wenn diese Autoren mal auf Deutsch erscheinen, dann werde ich sie auch lesen. Im November 2010 waren wir auf der Buchmesse in Istanbul. Inspiriert von der einzigartigen Vielfalt der türkischen Literatur entstand dort die Idee für einen Verlag, der diese talentierten jungen Autoren nach Deutschland bringen sollte. Da es bisher noch keinen Verlag gab, der konsequent diesen Schwerpunkt in Deutschland verfolgte, haben wir uns gedacht: Okay, wir machen es einfach selbst.

Welche Schwerpunkte setzt der binooki Verlag? Was zeichnet ihn aus?

Der binooki-Verlag gibt türkischen Autoren eine deutsche Stimme. Im Programm finden wir urbane, junge Literatur und Klassiker der Moderne. Unser Portfolio zieht sich durch die unterschiedlichsten Genres, um die Heterogenität und Vielfältigkeit der türkische Literatur aufzuzeigen. Man kann sagen, für jeden Leser ist was dabei.

Was bedeutet der Name binooki?

Der Name leitet sich von dem türkischen Wort „Binokel“ ab, das übersetzt Zwicker bedeutet. Wir fügten nur noch ein „o“ hinzu, um in unserem Logo auch das Wort „book“ hervorzuheben.

Welchen Herausforderungen musstet Ihr Euch anfangs stellen? Sind es dieselben wie heute?

Zu den ersten Herausforderungen gehörte natürlich, erst mal zu schauen, wie denn die Verlagswelt funktioniert. Wir beiden kommen nämlich aus ganz anderen Berufsfeldern. Aber nach diesen intensiven zwei Jahren haben wir das mittlerweile drauf. Nun stellt sich mehr die Frage, wie wir unseren Verlag vergrößern und erweitern können…

Was schätzt Ihr an der unabhängigen Kleinverlagswelt?

Was wir besonders an den Indies schätzen, ist, dass sie ihre eigene, individuelle Literatur verlegen und sich so vom Mainstream abheben und – wie man sieht – mit diesem Konzept auch Erfolge feiern. Sie gehen dabei ihren Weg so kreativ, so authentisch und so charmant – ich mag das sehr.

Welche Entwicklungen auf dem Buchmarkt / im Literaturbetrieb beschäftigen Euch zurzeit besonders stark?

Für uns ist es sehr interessant zu beobachten, wie die Entwicklungen auf dem Markt der digitalen Bücher weitergehen. Ich kann mir eine Zukunft ohne das gedruckte Buch nicht vorstellen, aber ich liebe auch das Digitale. Bestimmt bin ich da nicht die Einzige. Ich sehe das aber auch nicht als ein Wettkampf „Print vs. Digital“. Ich denke, dass beides einen Platz und eine Daseinsberechtigung hat.

Zum Abschluss würden wir uns über eine Buchempfehlung freuen – aus Eurem eigenen Programm oder dem eines anderen Indie-Verlages.

Gerade gestern sind unsere Frühjahrstitel aus der Druckerei geliefert worden. Da fällt es mir schwer, nur ein Buch zu empfehlen, denn ich liebe sie alle. Da hier „Die Verwandlung des Hector Berlioz“ von Alper Canigüz verlost wird, würde ich mich jetzt aus dem Anlass, dass aktuell (und wahrscheinlich zum ersten Mal in Deutschland) ein türkischer Autor im Deutschunterricht einer 10. Klasse eines Berliner Gymansiums behandelt wird, für den Erzählband „junge verlierer“ von Emrah Serbes entscheiden: In den Erzählungen stellt uns Emrah Serbes Jungs im Alter zwischen 8 und 17 Jahren vor und erzählt davon, wie es ist, ein Mann zu werden… Manchmal tragisch, selten weinerlich, überraschend ernst und oft sehr komisch klingen die Stimmen dieser Jungen und Jugendlichen, die ihren Platz in der Gesellschaft suchen, zärtlich und unverwüstlich zugleich.

Die Rückmeldungen der Lehrerin und der Schüler sind sensationell. Emrah Serbes bringt sogar die „Jungs“, die nie ein Buch in die Hand nehmen, zum Lesen! Ich werde versuchen, in den kommenden Tagen ein Interview in der Schule zu führen. Den ganzen Bericht gibt es dann auf unserem Blog. Da findet ihr übrigens auch das gesamte Programm und Details zum Debütroman „Rendezvous auf dem Friedhof Feriköy“ von Baris Uygur – ebenfalls lesenswert!

Wir danken Selma Wels und Inci Bürhaniye für das Interview und wünschen den beiden Verlegerinnen weiterhin viel Erfolg!

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19 Antworten auf “We talk Indie: Im Gespräch mit dem binooki Verlag”

  1. Hallo ihr zwei!
    Eure neue Reihe „we talk indie“ gefällt mir sehr gut. Es ist eine tolle Idee, so die Aufmerksamkeit noch einmal gezielt auf den 22.3. zu lenken. Hoffentlich bleibt ihr dran und zeigt uns auch danach noch ganz viele anderer solcher Interviews! Jetzt muss ich das Buch googlen, das ihr hier verlost. Amen der Titel klang zu gut.
    LG Jimmy

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    1. Hallo Jimmy,
      vielen Dank für deinen Besuch, Kommentar und die geteilte Begeisterung! Oh ja, unbedingt, wir wollen auch nach dem Indiebookday diese Reihe fortsetzen. Die Verwandlung des Hector Berlioz ist übrigens großartig! Ich lese es gerade und bin sehr angetan. Es macht viel Spaß und ist wunderbares Lesefutter für den Geist. Herrlich verrückt und unglaublich komisch!

      Herzlichst,
      Klappentexterin

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      1. Liebe masuko,
        so, jetzt weißt du, was ich die letzten Tage getrieben habe. 😉 Hab lieben Dank für deine Gedanken, die ich teile. Es ist einfach schön, wenn aus einer kleinen Quelle eine große Welle wird, die herrlich erfrischend sprudelt und so mitreißend ist. Ganz besonders schön ist es, wenn man in dieser Welle mitschwimmt. Wir sind gespannt, was noch alles passiert und freuen uns riesig über dieses tolle Interview und die neue Reihe »We talk Indie«.

        In diesem Sinne sonnige Indiebookgrüße zum Samstag,
        Klappentexterin

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